Ölspuren auf Landstraßen gelegt: Prozess beginnt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Schwer verletzt wurde der Fahrer dieses Motorrads, der am 3. April auf einer der absichtlich gelegten Ölspuren in der Eifel ausgerutscht und gestürzt war. Der Mann tritt im Verfahren als Nebenkläger auf. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Stolberg. Fünf Ölspuren hat Thomas K. im April auf Landstraßen in der Region gelegt - aus Beziehungsfrust und weil er sich von seiner Ex-Freundin, einer Polizistin, verfolgt fühlte. Seit Mittwoch muss sich der Stolberger vor dem Aachener Landgericht verantworten - sollte er nicht in der Psychiatrie untergebracht werden, droht ihm ein Prozess wegen vierfachen Mordversuchs.

Er habe mit den Taten am 3. und am 7. April jeweils abends gegen 21.30 Uhr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen wollen, sagte der 26-Jährige am Mittwoch vor Gericht.

Ein Motorradfahrer wurde als Folge eines Sturzes auf einer der Ölspuren am 3. April dieses Jahres schwer verletzt. Er überlebte, weil ein entgegenkommender Wagen geistesgegenwärtig auswich. Der Biker ist Nebenkläger in dem Verfahren.

Die Taten gab Thomas K. zu Beginn des psychiatrischen Unterbringungsverfahrens vor dem Schwurgericht unumwunden zu. Gleichzeitig hatte er Anfang April Schilder, Leitplanken, Bänke, Bäume und Mauern in der nördlichen Eifel mit blauen und roten Hakenkreuzen „verziert“.

Der groß gewachsene und in einem dunklen Anzug erschienene junge Mann soll laut Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben. Er leide an einer von Cannabismissbrauch hervorgerufenen Psychose, hieß es in der Antragsschrift.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann wird nun in dem auf vier Verhandlungstage anberaumten Verfahren feststellen müssen, ob K. wie beantragt wegen einer fortdauernden Gefährlichkeit in der Psychiatrie bleiben wird.

Sollte die Kölner Psychiaterin und forensische Gutachterin Konstanze Jankowski zu dem Ergebnis kommen, dass K. doch schuldfähig ist, müsste er sich wegen vierfachen versuchten Mordes verantworten. Der 26-Jährige berichtete freimütig, er habe überhaupt keine Ressentiments gegen Biker – und mit Blick auf das zentrale Nazi-Emblem Hakenkreuz – ebenso „nichts gegen Ausländer“. Er sei in der Freizeit selber begeisterter Motorsportler und fahre mit seinem Privatwagen des öfteren aus Spaß auf dem Nürburgring Rennen.

Die Vorgeschichte der hochgefährlichen Ölspuren auf den Eifel­straßen – es war beispielsweise eine Kurve auf der Mulartshütter Straße am Hotel Birkenhof hinter Venwegen – ist verwirrend. K. gab an, sich Ende 2011 mit einer Polizistin eingelassen zu haben, die ihn dann später nach der Trennung im Jahr 2012 mit dem Streifenwagen verfolgt habe.

Ob er sich das nun selbst einredete oder eben nicht, war vor den ersten Zeugenvernehmungen nicht feststellbar. K. beschrieb unter anderem, er habe auf seinem Rechner ein „Cyber-Ausspäh-Programm“ festgestellt und dann entfernt. Das habe auch seine Ex-Partnerin installiert, schilderte er dem Gericht. Ob er dies genau wisse, wollte Richter Bormann wissen. Nein, wisse er nicht, entgegnete der Angeklagte.

Die mutmaßlichen Kränkungen seines Egos seien auch im Betrieb weitergegangen. Dort habe man den Maschinenführer ebenfalls gemobbt – solange, bis er kündigte. Von einer Polizeistreife sei er ohne Grund auf seinem Roller angehalten worden – da habe die Ex-Partnerin hinten im Polizeiwagen gesessen. All das habe ihn zu den Taten getrieben.

Der Prozess wird am 6. Oktober fortgesetzt.

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