Aachen - Öcher Platt: Der richtige Preisträger zur richtigen Zeit

Öcher Platt: Der richtige Preisträger zur richtigen Zeit

Von: dd
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Als Manni d´r Huusmeäster unterhielt der neue Thouet-Preisträger zusammen mit Sohn Jan am Dienstagabend das Festpublikum im Krönungssaal. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Als das fast zweistündige Programm vorüber war, da waren alle zufrieden, höchst zufrieden. Den Dreikönigstag, den 6. Januar, kreuzen sich Mundartliebhaber immer ganz dick im Kalender an. Denn an diesem Tag wird im Krönungssaal des Rathauses der Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen verliehen.

„Tout Oche” macht sich auf die Beine, um dieses Ereignis nicht zu verpassen und auch beim anschließenden Stehempfang mit Öcher Börjern, einem Bierchen, Weiß- und Rotwein oder einem einfachen Wässerchen dabei zu sein.

Manfred Savelsberg heißt der diesjährige Preisträger (wir berichteten). Mit berechtigtem Stolz nahm er am Dienstagabend die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung aus der Hand von Christophe Thouet entgegen. Savelsberg ist der 25. Träger vajjene Thouet-Priis.

Das geneigte Publikum, gut 750 Personen, harrte am Abend der Dinge, die da kamen. Die Leute sind schließlich mit der Erwartung gekommen, ein tolles Programm zu sehen. Das hat geklappt. Der eine oder andere im Publikum mag dabei mangels Plattkenntnissen leicht überfordert gewesen sein, aber was macht das schon? Und was macht es, dass auch in diesem Jahr wieder eine kleine Panne zu notieren war: Während zum Abschluss die Akteure auf der Bühne Hein Engelhardts Dialektversion von „Urbs Aquensis” sangen, konnte das Publikum nicht mithalten. Im Saal war es dunkel, und wer kann die Öcher Hymne schon auswendig? Aber rechtzeitig, mitten in der zweiten Platt-Strophe, ging das Licht an.

So richtig christlich begann es. Das Leo Lamm-Trio, bestehend aus Barthel Blees, Charles Endres und Paul Mundt, spielte ein Swingstück, der Mundart-Dichterfürst Hein Engelhardt rezitierte sein Gedicht „Nöijohrsjebett”. Szenenwechsel: Karl Allgaier, Hubert Crott, Günther Kerkhoffs machten sich als die Heiligen Drei Könige „op d´r Wejg noeh de Krepp” - die Zwischenkapitel erzählte Manfred Birmans.

Der Moderator des Abends, Uwe Brandt, gab nach diesem kurzen Auftakt Konsul Hans-Josef Thouet das Mikro in die Hand. Er begrüßte die Gäste und brauchte einige Zeit, die Liste der Ehrengäste, darunter Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, abzuhaken. „Ich begrüße die Prominenten und die, die darauf warten, prominent zu werden.”

Über Manfred Savelsberg sagte Thouet: „Das ist der richtige Preisträger zur richtigen Zeit.” Er lobte „Manni d´r Huusmeäster”, weil sich der Preisträger stets für die Jugend eingesetzt habe. Thouet bedauerte, dass in vielen Familien keine Mundart mehr gesprochen werde, weil die angeblich zu unfein sei: „In 25 Jahren, das hat ein Soziologe behauptet, kann kein Mensch mehr Platt sprechen, ich glaube das nicht.”

Den Beweis traten die Afro-Öcherin Nsimba Nzila, Jens Raumann und Marius Kreitz an. Selbstbewusst rezitierten die Schüler der Schule Beginenstraße die Gedichte, die ihnen ihr Öcher-Platt-Lehrer Herbert Oprei auf den Leib geschrieben hat.

Schlag auf Schlag ging es weiter. Die Programmmacher Manfred Birmans und Uwe Brandt hatten alles perfekt in Szene gesetzt, die Moderation vom Demnächst-Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt ist schon für sich selbst ein eigener Programmpunkt.

Capella a capella war unübertrefflich mit Variationen über Schuberts Forellenquintett, genannt die „Launige Forelle”.

Eine erste Stechprobe lieferte das Ensemble des Mundart-Kabaretts „Öcher Nölde”, dessen Chef der neue Preisträger ist. Angelika Kutsch, Maria Arms, Verena Clemenz, Christian Merten, Jan Savelsberg und Harald Brammertz brachten zwei Szenen, mitten aus dem Leben: Einen Neujahrsempfang, auf dem jeder über jeden lästert und trascht, und ein Gespräch zwischen einem Deutschtürken und einem Uröcher Beamten auf dem Bafög-Amt. Politisch unkorrekt, herrlich.

Unterhaltung ist auch Musik, das ist Tradition bei Thouets. Ägid Lennartz und René Brandt brillierten mit Leo Lamms Lied „Wenn över Oche de Sonn ongerjeäht” und dem Song „Vür sönd Öcher”.

Barsch unterbrach ein Hausmeister Uwe Brandt. „Soll ich von der Bühne gehen?”, fragte dieser, und Manni d´r Huusmeäster (Manfred Savelsberg) sagte „Jo.” Er wollte vom Kursus erzählen, zu dem ihn „d´r Jürgen” geschickt habe. „Da habe ich gelernt, wie man eine Glühbirne eindreht.”

Peppig sang er Öcher Leddcher, unterstützt von der Kombo Jazzlite. Die aber fand ein EU-Beamter (Sohn Jan Savelsberg) allesamt nicht geeignet, in einem politisch korrekten Europa gesungen zu werden. Des Hausmeisters Fazit, nachdem alle Lieder durchgefallen waren: „Se krijje os net kapott”, sang er einfach weiter. Donnernder Applaus für diese Aufführung war sicher.

Vor der Auszeichnung dann die Laudatio, kurz und knapp, launig und gut, von Brigitte Becker und Angelika Kutsch, beide Protagonistinnen bei den Öcher Nölde. „Ich habe es immer genossen, mit Manni auf der Bühne zu stehen, ob bei der Alt-Aachener Bühne oder den Nölde. Mit ihm war jede Szene schön”, schwärmte Brigitte Becker.

Der durch den Thouetpreis geadelte Savelsberg bedankte sich bei seinen vier Kindern und zwei Enkeln - und vor allem bei Ehefrau Marlene, die viele Texte für ihn schreibt. „Auch dir gehört der Preis.”

Noch ein Liedchen von Capella a capella, dann feierte „tout Oche” den Preisträger.
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