Oecher Penn: Ein Feldzug gegen Griesgram und Muckertum

Von: Holger Richter
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Die Stadtgarde besiegt in ihrer vierstündigen Galasitzung ihre ewigen Widersacher deutlich. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Keiner kämpft schon so lange wie die Oecher Penn. Seit 156 Jahren tritt die Stadtgarde von 1857 in Aachen an gegen „Griesgram und Muckertum“, wie es im Archiv der Penn heißt. Und Höhepunkt dieses Kampfes ist alljährlich die große Galasitzung im ausverkauften Eurogress.

Und dass die von Kommandant Jürgen Brammertz angeführte Truppe gewillt ist, diese Schlacht mit Bravour zu meistern, machte der älteste Karnevalsverein Aachens am vergangenen Samstag gleich zu Beginn der vierstündigen Sitzung deutlich und nahm mit einem eindrucksvollen Aufmarsch von 144 Soldaten plus Musikzug die Bühne im Europasaal in Beschlag.

Auch von Rückschlägen, wie der Verletzung der Marketenderin Nadine Staerk, lassen sich die Stadtgardisten nicht unterkriegen. Und so gab es statt des Marketendertanzes zum Auftakt Formaldienst eines verrückten Haufens Penn-Soldaten unter dem Kommando von Tanzoffizier Frank Radermacher. „Das haben sie gleich am Tag nach der Verletzung einstudiert“, erzählte Kommandant Jürgen Brammertz, „Samstag abends um zehn.“ Und so sah es auch aus – chaotisch, aber lustig.

Anschließend ging die Penn mit südländischem Temperament vor auf ihrem Feldzug gegen miese Stimmung. Denn in der Penn-Show verarbeiteten die Gardisten Oliver Klöcker und Dirk Roemer die Eindrücke ihrer Reise in Aachens spanische Partnerstadt Toledo an Fronleichnam 2012. Und unter den Klängen von Carmen und Viva Espana führten die Soldaten unter der Regie von Trainerin Angelika Gerbl fröhliche Auseinandersetzungen zwischen Stier und Torrero, Senorita und Mariechen sowie den Gardisten und ihren Tanzkünsten auf.

Dann holte die Penn Verbündete auf die Bühne. Die Spetzbouve aus Brand versuchten es mit Öcher Liedern, Josef, Jupp und Jüppchen führten ihre gewohnt absurden Mundart-Geschichten ins Feld, bevor die 4 Amigos mit ihren Songs plus Zugabe dem Gegner schon beinahe den Garaus machten. Das besorgte schließlich Prinz Thomas II. samt Prinzengarde, der zwar verspätet, aber umso herzlicher seinen Sessionshit „Ein dicker Fisch kommt auf den Tisch“ schmetterte.

Nun lagen Griesgram und Muckertum zwar schon am Boden, aber einmal in Fahrt bot Vizekommandant Georg Cosler, der für die Zusammenstellung des Programms verantwortlich zeichnete, noch Büttenredner Hans Schlag auf, der es schaffte, lustig – aber eben nicht zotig – über Sex zu fabulieren. Dass es auch anders geht, zeigte nach den Tanzenden Sternen aus Koblenz der Bauchredner Fred van Halen.

Doch auch durch diese kurze Schwäche im Angriff konnte sich der Stimmungs-Gegner nicht mehr erholen. Und so endete der Feldzug der Penn gegen Mitternacht mit einem fulminanten Finale des Trompeters Lutz Kniep. Der sorgte mit kölschen Hits und einer beeindruckenden Lasershow, die aus dem Nichts Marschiertor, Dom, Bahkauv und Belvedere durchs dunkle Eurogress schweben ließ, für einen Schlusspunkt „mit Gänsehaut-Feeling pur“, wie Kommandant Jürgen Brammertz anerkennend feststellte.

Griesgram und Muckertum sind also besiegt, doch die Oecher Penn kämpft weiter: an den Karnevalstagen auf dem Markt, im Penn-Zelt, auf dem Penn-Ball und bei den Umzügen. Und am 24. Januar 2014, bei der nächsten Penn-Sitzung im Eurogress.

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