Öcher Mäddche in Botswana: Der Traum nimmt Gestalt an

Von: Viktoria Müller und Holger Richter
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Aachen. Das Grundstück ist gekauft, die Genehmigungen sind da. „Und das ist das Wichtigste überhaupt in Botswana“, sagt Claudia Brendebach erleichtert. Und die Aachenerin weiß, wovon sie redet. Denn vor rund acht Monaten – im November 2013 - ist die 69-Jährige in den Binnenstaat im Süden Afrikas übergesiedelt, um sich dort ihren Traum zu erfüllen und Schuldirektorin zu werden.

Seitdem hat sich viel getan. Und auch Claudia Brendebach und ihre bots­wanische Mitstreiterin Mariam Matshara haben in dieser Zeit viel getan. Denn auch in dem afrikanischen Staat gibt es bürokratische Hürden und Schwierigkeiten. Andere vielleicht als in Deutschland, aber nicht minder mühsam zu überwinden.

„Das ursprünglich ins Auge gefasste Grundstück hat sich zerschlagen“, erzählt das gebürtige Öcher Mäddche, weil sich die potenziellen Erben des Grundstücks nicht auf einen Verkauf haben einigen können. „In Botswana muss auch die nächste Generation einem solchen Verkauf zustimmen.“

Doch schließlich wurden Claudia Brendebach und Mariam Matshara, die gemeinsam die Edmatah Investments Ltd. Company gegründet haben, doch noch fündig. Und zwar in Kopong, 60 Kilometer von der Hauptstadt Gaborone entfernt, wo die Rechtsanwaltsgehilfin Mariam mit ihrem Mann, einem Major der botswanischen Armee, und zwei Kindern wohnt und wo auch die blonde Deutsche inzwischen ein kleines Haus besitzt. In der zweiten Januarwoche haben sie das 708 Quadratmeter große Grundstück gekauft, doch bis der Kauf auch aktenkundig wurde, dauerte es wieder eine Weile.

„Mariam ist bestimmt 20 Mal zum Amt gefahren, einmal hatten die dort keinen Strom, dann lag das Internet lahm, dann war der zuständige Beamte nicht da“, erzählt Brendebach. Schließlich hat es dann doch geklappt. Als nächstes hat die künftige Schulleiterin das Grundstück einzäunen lassen und ein sogenanntes „Storehouse“, das später mal als Abstellraum genutzt werden soll, errichten lassen. „Das ist da unten Bauvorschrift“, erzählt die 69-Jährige.

Potenzielle Sponsoren überzeugen

Inzwischen ist Claudia Brendebach wieder in Deutschland, wo sie nach wie vor ihren Hauptwohnsitz bei ihrer Schwester in Rott hat. Hier will sie sich rund ein halbes Jahr lang um die Finanzierung ihres Projekts kümmern, bevor sie wieder nach Botswana zurückkehrt. Überzeugen möchte sie potenzielle Sponsoren unter anderem mit den fertigen Bauplänen für die „C&M Little Angels Pre-School“, wie die Schule einmal heißen soll.

„Es wird drei Klassenräume geben, die alle von einer offenen Veranda aus erschlossen sind“, erzählt die ehemalige Apotheken-Assistentin. „Doch die Hauptattraktion ist der Spielplatz, der von den Gebäudeflügeln eingefasst wird. Er wird rund acht mal zwölf Meter groß.“ Daneben gibt es natürlich Büroräume, Toiletten, eine Küche und eben alles, was eine Vorschule für bis zu 75 Kinder braucht.

Und dieser Entwurf ist übrigens kein Luftschloss. Er ist nach dem Modell einer Schule in der Hauptstadt Gaborone entstanden. Den Kontakt zu dieser Schule hat übrigens Alfred hergestellt. Alfred ist Taxifahrer und hat der Deutschen schon bei ihrem Aufenthalt Anfang 2012 in Botswana, als die Sache mit der Vorschule ihren Anfang nahm, durch persönliche Kontakte über so manche Schwierigkeit hinweggeholfen.

Die Schulleiterin dieser Modellschule ist übrigens ebenfalls Deutsche, die einen Botswaner geheiratet hat. Und sie ist ihrer künftigen Kollegin schon jetzt mit jeder Menge Tipps und Ratschlägen zu Themen wie Lehrplan, Lehrerauswahl und Schulmöbelkauf bis hin zur Menüauswahl in der Schulküche behilflich.

Kompletter Businessplan

Doch neben den Bauplänen hat Claudia Brendebach auch einen kompletten Businessplan im Gepäck. Und der kalkuliert mit Baukosten in Höhe von rund 45 000 Euro, hinzu kommen etwa 20.000 Euro für den Innenausbau. Das Grundstück hat 12.000 Euro gekostet. „9000 Euro an Spenden hatte ich zusammen, den Rest habe ich privat zugeschossen“, erzählt sie. Bis die Schule also „hoffentlich schon im Mai 2015“, so Brendebach, eröffnet werden kann, sind insgesamt knapp 80.000 Euro aufzubringen.

Für den Betrieb der Schule mit drei Lehrern, drei Hilfslehrern, einer Köchin, einem Hausmeister, den Kosten für Nahrung, Arbeitsmaterial, Strom, Wasser und Ausflügen rechnet sie übrigens mit 27.200 Euro pro Jahr. Dieses Geld soll durch Schulgeld von Eltern aus der Mittelschicht getragen werden, die damit zudem rund 15 bis 25 Aidswaisen oder Kinder aus armen Familien subventionieren, die sich den Schulbesuch sonst nicht leisten könnten.

„Als ich mit dem Projekt angefangen habe, bin ich von Bau- und Grundstückskosten von rund 25.000 Euro ausgegangen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass es 80.000 Euro oder vielleicht sogar mehr würden, hätte ich wohl Angst vor der eigenen Courage bekommen.“

Die Sache läuft

Die braucht sie inzwischen nicht mehr zu haben – zumindest nicht mehr so sehr, denn die Sache läuft. Durch eine großzügige Einzelspende und viele kleine Zuweisungen hat sie bereits rund die Hälfte zusammen. Manche Unternehmen oder Personen unterstützen die tatkräftige Dame auch durch neue Kontakte oder durch Hilfe bei Förderanträgen – sei es beim Bundesministerium für Bildung und Forschung oder bei der Deutschen Botschaft in Botswana.

Dennoch ist die Spendensuche mitunter sehr mühsam, räumt sie ein. „Mir wird häufig gesagt: ,Es ist super, was du machst!‘ Aber konkrete Spendenzusagen kommen dann doch nicht“, erzählt Claudia Brendebach. Doch sie lässt sich nicht entmutigen. „Ich habe gelernt, dass man die Absagen nicht persönlich nehmen darf.“ Außerdem habe sie die Erfahrung gemacht: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meist eine andere.“

Und im Mai des nächsten Jahres öffnet sich vielleicht sogar schon die Tür der „C&M Little Angels Pre-School“.

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