Aachen - Öcher Bend: Beim Rutschen haben die Kinder nur wenig Angst

Öcher Bend: Beim Rutschen haben die Kinder nur wenig Angst

Von: Georg Dünnwald
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Susanne Finnendahl ist die Her
Susanne Finnendahl ist die Herrin über die „Bayerische Rutschn”. Auf neun, 56 Meter langen Bahnen, können Kinder und Erwachsene sich auf Matten sitzen bei der Abfahrt amüsieren.

Aachen. „Papa, Mama, ich will noch mal”, hört Susanne Finnendahl den Nachwuchs der Bendbesucher oft rufen. Die Kinder wollen einfach nochmal und nochmal und nochmal auf die „Bayern Rutschn” und wieder mal die 56 Meter lange Strecken auf einer Matte sitzend runter rutschen.

„Dabei haben die Kinder weniger Angst als die Erwachsenen”, weiß die Schaustellerin aus Erfahrung. Aber auch den „Großen” mache es viel Spaß, „am Abend veranstalten die sogar Wettrennen”, sagt Susanne Finnendahl schmunzelnd. Sie hält als Vertretung auf der Öcher Kirmes die Stellung in Aachen für ihre Tochter und den Schwiegersohn. Die betreiben zurzeit in Erfurt das Blackhole, eine Achterbahn, die völlig im Dunklen ihre Kurven zieht. „Ich bin schon in Rente, aber sechs, sieben Mal im Jahr vertrete ich die Kinder, wenn sie das Blackhole in einer anderen Stadt aufbauen.”

Die Bayern Rutschn sei die größte transportable Rutsche Europas, erklärt Susanne Finnendahl. 18 Meter hoch ist die Bahn, „sie ist für jede Witterungslage geeignet”, behauptet die agile 63-Jährige, für sonniges Wetter hat sie andere Rutschmatten im Depot als für Regenwetter. Handläufe an den neun Bahnen sorgen dafür, dass man seine Rutschgeschwindigkeit steuern kann. „Damit kann man auch bremsen.”

In Hagen wurde Susanne Finnendahl geboren. „Ich bin Zufalls-Westfälin”, sagt sie lachend. Denn auch ihre Eltern waren schon Schausteller. Einen anderen Beruf kann und konnte sich die Frau auch gar nicht vorstellen. Ihren Wohnsitz hatte sie in lange Jahre in Köln-Ehrenfeld, dann lebte sie 30 Jahre lang in Bremen und nun in Wiesmoor, in der Nähe der Hansestadt und der Stadt des Roland, des Neffen von Karl dem Großen. In Aachen war sie schon ein paar Mal. „Das ist eine schöne Stadt”, schwärmt sie und bedauert gleichzeitig, dass „eigentlich zu wenig Zeit bleibt, sich die Stadt einmal genauer anzusehen”. Im Winter hatte die Station auf der Londoner Winterkirmes. „Die dauerte von Mitte November bis Januar”. Das Londoner Publikum sei „pingelig”. Als einmal der Strom ausfiel, habe eine Engländerin ostentativ den „Rutsch”-Preis zurückgefordert, „nicht etwa, weil sie im Dunkeln rutschen musste, nein, weil die Musik auch ausgefallen war”, sagt Susanne Finnendahl und lacht dabei aus vollem Herzen. Auf jeden Fall, da ist sich die Schaustellerin sicher, will sie so lange die Rummelplätze im In- und im Ausland bereisen, wie es eben geht.

Gruselig wie nie

Ein Gerippe modert in einem Eisenkäfig. Ein Skelett im roten Umhang spielt auf der Geige. Ein leichenblasser hagerer Mann lockte winkend das Publikum in „Haunted Mansion”, was nichts anderes heißt als „Spukhaus”. Die Unerschrockenen fühlen sich wohl in der Geisterbahn der etwa anderen Art des Niederländers Johan Hinzen, der nach eigenen Angaben auf allen großen Plätzen Europas mit seiner Geisterbahn zu Hause und dabei die Ehefrau und die beiden Söhne, fünf und drei Jahre immer im Schlepp hat.

„Es kommt auf den Schreckfaktor an”, erklärt Hinzen. Und der sei nicht gering in seinem „Haunted Mansion”. Im Inneren sei es völlig dunkel, wenn die Schreck-und Gruselgestalten ihren Schabernack spielen. „Und, das ist auch ganz wichtig, die Gäste fahren in Gondeln und haben keinen festen Boden unter ihren Füßen. Sie können die also auch nicht gegen etwas stemmen.”

Klar, sein Geschäft sei trotz allen Grusels familienfreundlich. „Es gibt nur wenige Kinder, die so ängstlich sind, dass die nicht mitfahren wollen, den meisten läuft allenfalls ein Schauder über den Rücken”, sagt Hinzen bedeutungsschwanger.

Für die Abende, wenn die Kleinen längst in ihren Betten liegen, hat der 36-Jährige einen lebendigen Geist engagiert. Kurz vor Ende der Fahrt im Gruselhaus erschreckt der nochmals gebührend die Kunden. „Keine Bange, der fasst keinen an”, das hat der Hausherr, der so freundlich aussieht, während er übers Gruselanwesen erzählt, sich verbeten.
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