Obi-Baumarkt: Der Investor muss 280 Bäume zusätzlich pflanzen

Von: Heiner Hautermans
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Auf der einen Seite Obi, auf d
Auf der einen Seite Obi, auf der anderen die Kaserne: Die Ampel an der Debyestraße ist seit einigen Tagen in Betrieb und sorgt bei manchen Autofahrern für Unmut, weil bislang wenig Verkehr fließt. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die Eröffnung kann über die Bühne gehen, das ist die erste Nachricht”, leitete Bau- und Umweltdezernentin Gisela Nacken am Donnerstag ein Pressegespräch ein: „Es kann gefeiert werden.”

Gemeint war der Baumarkt an der Debye-straße nicht weit von der Autobahn 44, um den es in den letzten Monaten viel Ärger und ein heftiges Tauziehen zwischen dem Bauherrn und der Stadt Aachen gegeben hatte. Nacken: „Die Eröffnung drohte zu scheitern, weil einige Dinge anders gebaut worden sind als im ursprünglichen Bebauungsplan vorgesehen.”

Das Dach des Gebäudes sollte, wie berichtet, zu 50 Prozent begrünt werden, die Stellplätze mit einem wasserdurchlässigen Pflaster versehen werden - beide Auflagen wurden nicht erfüllt, was auch zu erheblicher Verstimmung in der Kommunalpolitik geführt hatte. Von Anfang an war das Bauvorhaben im Landschaftsschutzgebiet umstritten.

„Ein mittelschweres Drama” nannte Gisela Nacken das, was sich in den letzten Wochen abgespielt hatte. Letztlich seien die Schwierigkeiten aber gemeinsam überwunden worden, weshalb Stadt und Bauherr am Donnerstag gemeinsam vor die Öffentlichkeit traten. Investor Josef Schoofs erläuterte, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe. Baubegleitend seien Umplanungen vorgenommen worden, die aus seiner Sicht auch notwendig waren - allerdings nur mündlich besprochen, wie er es mit seiner Firma auch in anderen Städten erlebe. Laut Dezernentin Nacken sei aber in Aachen die Baugenehmigung abzuwarten, „mit dem Stempel drunter”.

Der regendurchlässig Belag habe ohnehin nicht viel Sinn gemacht, weil sich unter dem Parkplatz Lehmschichten befinden und sich das Wasser somit gestaut hätte. Diplom-Ingenieur Schoofs: „Es bestand das Risiko, dass der Markt regelmäßig überschwemmt würde.” Und dass nicht nur Obi unter Wasser stünde, sondern auch Haaren, das Regenwasser wird nämlich in den Haarbach geleitet. 50 Prozent Dachbegrünung sei auch eine sportliche Vorgabe gewesen, dafür hätte man auch Glasflächen begrünen müssen. Immerhin 27 Prozent der 11 000 Quadratmeter Verkaufsfläche werden aber immerhin noch begrünt.

Statt der - nicht eingehaltenen - Auflagen muss Schoofs nun andere Verpflichtungen erfüllen. So müssen auf dem Baumarkt-Grundstück 80 zusätzliche Bäume gepflanzt werden, noch mal 200 weitere noch in diesem Jahr im Stadtbezirk Brand, aber „keine Spazierstöcke” (Nacken). Vereinbart worden sei ein Stammumfang von 18 Zentimetern. Außerdem wurde auf dem Gelände ein Regenrückhaltebecken angelegt. Im Gegenzug erteilt die Stadt die Befreiungen vom Bebauungsplan - die Eröffnung kann also am 19. März stattfinden. Insgesamt ergebe sich, so Schoofs weiter, somit eine wesentlich bessere Ökobilanz als bei der Bebauungsplan-Lösung.

Vor Gericht

Weiter strittig ist einzig das Bußgeld, das die Stadt dem Investor auferlegt hat. Über die Höhe wollte man nichts mitteilen, dem Vernehmen nach liegt es im unteren sechsstelligen Bereich. Die Stadt besteht darauf, Bauherr Schoofs hält es für überflüssig. Dezernentin Nacken: „In diesem Punkt werden wir uns vor Gericht wiederfinden.”
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