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Obdachlose in Aachen: „Niemand muss auf der Straße leben“

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
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Nicht auf der Straße, sondern darunter: In der Unterführung am Ponttor zeugen Matratzen davon, dass hier Menschen übernachten. Dabei gibt es in der Stadt diverse Angebote für Obdachlose. Dennoch wollen manche lieber „Platte machen“. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Lage ist zentral, das gastronomische Angebot im Umfeld reichhaltig, aber „schöner Wohnen“ sieht doch anders aus. Warum campieren Menschen in der Fußgängerunterführung am Ponttor? Die macht mit zwei dort herumliegenden Matratzen einen – wie auch immer – bewohnten Eindruck. Außerdem stellt sich die Frage: Welche Hilfsangebote gibt es für Obdachlose in der Kaiserstadt?

„In Aachen muss niemand auf der Straße leben“, stellt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt klar. Es gebe sieben Übergangsheime für Wohnungslose, darüber hinaus würden diverse Wohnungen angemietet. Insgesamt 410 Obdachlose – Stand Ende September – habe die Stadt auf diese Weise untergebracht, und eigentlich gehe da noch was.

„Wir können immer unterbringen“, sagt Evelin Wölk. Aber manche Betroffenen wollten halt lieber „Platte machen“, wie es in der Szene heißt. Und so weiß man bei der Verwaltung auch nicht, wie viele Obdachlose über die 410 Untergebrachten hinaus in der Stadt leben. „Es kann sie ja niemand durchzählen“, sagt Evelin Wölk.

„Vereinsamte Menschen“

Im Dunkeln tappt man auch bei der Suche nach den Motiven von Menschen, die das Leben auf der Straße offenbar vorziehen. „Manche legen vielleicht Wert auf ihre Freiheit“, meint Evelin Wölk. Wobei Freiheit auch als Bindungslosigkeit verstanden werden kann. „Es sind oft vereinsamte Menschen ohne familiären Rückhalt“, weiß Doris Hilbers, die stellvertretende Leiterin des Café Plattform. Die Einrichtung der Caritas an der Hermannstraße will die Obdachlosen mit einem niedrigschwelligen Angebot erreichen.

Als „Notschlafstelle“ verfügt das Café Plattform über 19 Betten, verteilt auf zwei Räume mit jeweils acht Betten und ein Drei-Bett-Zimmer. In der Regel seien sie belegt, berichtet Doris Hilbers, aber weggeschickt werde niemand. „Notfalls behelfen wir uns mit Klappbetten.“ Geboten wird nicht nur ein Schlafplatz. Die Obdachlosen können an der Hermannstraße duschen, eine warme Mahlzeit bekommen, Kaffee trinken, fernsehen oder auch Kicker spielen. „Es geht ja auch um soziale Kontakte“, sagt Doris Hilbers.

Die ermöglicht nicht nur das Café Plattform. Wenn die Obdachlosen morgens um 7.30 Uhr das Haus verlassen müssten, gingen viele zum Frühstück in die Franziska-Schervier-Stube an der Kleinmarschierstraße, weiß Doris Hilbers. Danach gebe es weitere Anlaufpunkte, etwa die Wärmestube der Wabe am Gasborn, „und ab 15 Uhr haben wir dann wieder geöffnet“. Bis Mitternacht ist dann die Tür offen für Obdachlose, die einen Schlafplatz suchen.

Allerdings gelten im Café Plattform Regeln: Alkohol, Drogen und Hunde müssen draußen bleiben. Wer davon für ein paar Stunden nicht lassen kann, zieht womöglich die zweifelhafte Freiheit der Straße vor. „Vielleicht spielt das eine Rolle“, sinniert Doris Hilbers. Sie betont aber ganz klar: „Wer kein Bett hat, kann bei uns schlafen.“ Wirklich draußen campieren müsse niemand. Und damit jeder Betroffene das auch mitbekomme, gebe es Streetworker, die sich um Kontakte zu den Obdachlosen bemühten.

Streetworker im Parkhaus

Mit diesen Streetworkern hat der Parkhausbetreiber Apag schon gute Erfahrungen gemacht. Leute, die zwischen parkenden Autos schlafen und sich damit nicht zuletzt selbst in Gefahr bringen, schickt Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski nicht einfach weg. „Das bringt doch nichts“, sagt er. Sie kämen bald wieder, wenn ihnen nicht ein anderer Weg gewiesen werde. Damit die Menschen bessere Schlafplätze finden, arbeite die Apag „in den letzten Jahren mit großem Erfolg“ mit Streetworkern zusammen.

Diese Fachleute will auch Doris Hilbers jetzt mal auf die Matratzen in der Unterführung am Ponttor aufmerksam machen. Womöglich sind die aber dann schon weg. Das sollten sie nach Auskunft der Stadt am Montag schon sein, aber es ist wohl etwas dazwischen gekommen. Jetzt werde man sich aber kümmern, hieß es am Mittwoch.

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