OB Philipp sucht nach Alternativen zum Laufhaus am Büchel

Von: Werner Breuer
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Der Oberbürgermeister Philipp zeigt sich davon überzeugt, dass die allseits gewünschte städtebauliche Entwicklung am Büchel besser gelingt und auch schneller vorankommt, wenn die Rotlichtmeile aus der Innenstadt verschwindet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eigentlich schien alles klar am Büchel: Der Bereich soll zu einem „Altstadtquartier“ aufgebrezelt werden, aber die Bordellbetriebe sollen bleiben. Allerdings soll der Rotlichtbezirk in der Antoniusstraße auf ein „Laufhaus“ verkleinert werden. Nun aber irritiert Oberbürgermeister Marcel Philipp seine Ratskollegen mit der Suche nach alternativen Standorten für das angeblich älteste Gewerbe der Welt.

Acht hat er nach eigenem Bekunden schon ausgemacht. Die Politik ist darüber nicht amüsiert.

Schließlich hatte der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit für die Lösung mit dem Laufhaus gestimmt. Dass er dem zuwider handelt, sieht der OB selbst nicht so. „Meine Aufgabe ist es, zukünftige Beschlüsse vorzubereiten“, antwortet Philipp auf Anfrage der „Nachrichten“, und diese seien „nicht immer zwingend aus bisherigen Beschlüssen ableitbar“. Der OB zeigt sich davon überzeugt, dass die allseits gewünschte städtebauliche Entwicklung besser gelingt und auch schneller vorankommt, wenn die Rotlichtmeile aus der Innenstadt verschwindet.

Damit liegt er auf einer Linie mit den Investoren, die vom Laufhaus in der Nachbarschaft der geplanten familienfreundlichen Wohnbebauung nicht eben angetan sind. Als notwendiges Übel wird es aber hingenommen, weil der Ratsbeschluss es nun einmal so vorsieht. Allerdings: „Wenn das Bordell Bestandteil der Planung bleibt, dann geht das nur mit einer klaren baulichen und optischen Trennung von den anderen Nutzungen“, sagt Kolja Linden, der Sprecher von Investor Norbert Hermanns.

Kein Investorenschmuckkästchen

Die Interessen der Investoren seien wohl auch der Grund für die Suche des Oberbürgermeisters nach alternativen Standorten für den Puff, argwöhnen die Grünen. „Die treiben den OB vor sich her“, sagt ihr planungspolitischer Sprecher Michael Rau. „Wenn man da permanenten Zugang hat, entsteht das Gefühl, dass nicht der Rat entscheidet.“ Der aber habe nun einmal das Gegenteil beschlossen. „Wir wollen eine lebendige Stadt“, sagt Rau, „dazu gehören alle Facetten.“ Ein „Investorenschmuckkästchen“ sei nicht erwünscht.

Rau fürchtet zudem, dass der OB mit seinen Aktivitäten statt einer Beschleunigung eher eine Bremswirkung erreicht. Schließlich habe bei der Verkleinerung der Rotlichtmeile Antoniusstraße die Kölner Bezirksregierung ein gewichtiges Wort mitzureden. „Unterschiedliche Signale“ aus Aachen könnten da problematisch wirken und die ganze Angelegenheit verzögern.

Das befürchten auch die sozialdemokratischen Koalitionspartner des Christdemokraten Philipp. Mit seinen „Nebelkerzen“ nehme der OB „den Zug aus dem Projekt“, kritisiert SPD-Fraktionschef Michael Servos. Philipp mache den am Büchel schon oft unterlaufenen Fehler, eine einmal gefundene Lösung wieder „kaputtzureden“. Und diese Lösung, betont SPD-Planungspolitiker Norbert Plum, hätten nun mal „70 von 75 Stimmberechtigten im Rat für vernünftig gehalten“. Wenn die Mehrheit diesen Weg weiter beschreiten wolle, „ist mein Demokratieverständnis so, dass man dann sagt: Die Schlacht ist geschlagen“.

Verzögerung wird befürchtet

Zudem sei der Verbleib der Bordellbetriebe ein wichtiger Punkt bei dem städtebaulichen Wettbewerb gewesen. Sollte das alles nun anders werden, sei wohl eine neue Ausschreibung nötig, die die Entwicklung am Büchel um anderthalb bis zwei Jahre verzögern könne. Doch schon jetzt würden die Investoren Philipps Standortsuche wohl als Aufforderung verstehen, erst einmal abzuwarten.

Der OB glaubt hingegen nicht, dass seine Bemühungen um Alternativen die Umsetzung des Ratsbeschlusses verlangsamen. Er verweist darauf, dass „die Verwaltung keine zusätzliche Arbeitszeit auf eine detaillierte Prüfung der Standorte verwendet, sofern dies nicht zur Erstellung von Vorlagen für zukünftige Beschlüsse erforderlich ist“. Die Liste mit den derzeit acht Standorten könne sowieso erst diskutiert werden, „wenn es aus der Politik Signale gibt, dass eine Verlagerung überhaupt ernsthaft in Betracht gezogen wird“, vorher mache das keinen Sinn.

Dennoch ist auch Philipps Parteifreund Harald Baal verstimmt. Die Suche nach alternativen Standorten „konterkariert den Ratsbeschluss“, kritisiert der CDU-Fraktionschef. Er fürchtet zudem ein „Imageproblem für die Stadt“, weil der städtebauliche Wettbewerb schließlich schon gelaufen sei. „Man kann nicht hinterher die Spielregeln ändern“, die Rahmenbedingungen müssten eingehalten werden. Als Vorsitzender des Planungsausschusses hat Baal Planungsdezernent Werner Wingenfeld zur Berichterstattung in der nächsten Sitzung eingeladen, „wir sind nicht informiert“.

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