OB Philipp hält eine Klage für gut denkbar

Von: Gerald Eimer
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1500 Unterschriften für den Erhalt des Schwimmbads im Preuswald: Lisa Jungblut, die schon vor 19 Jahren im Preuswald beim Babyschwimmen dabei war, übergab die gesammelten Werke am Dienstag im Rathaus an Oberbürgermeister Marcel Philipp. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit Dienstag hat es Oberbürgermeister Marcel Philipp schriftlich: Der Preuswald will sein Schwimmbad behalten. Ein dickes Paket mit mehr als 1500 Unterschriften haben die Initiatoren der Aktion „Rettet das Schwimbad Preuswald“ zusammengestellt und am Dienstag dem Stadtoberhaupt übergeben.

 „Zeigen Sie mal Rückgrat“ forderten die jungen und alten Protestler den OB auf Plakaten auf. Und tatsächlich stellte Philipp sogar eine städtische Klage gegen den Wohnungsriesen und Schwimmbad-Eigentümer Deutsche Annington in Aussicht, um die Zukunft des Bads zu sichern.

Ausgestattet mit Taucherbrillen, Schnorchel und Schwimmflügeln versammelten sich am Dienstagmorgen etliche Kursteilnehmer, Kursleiter, Schüler, Lehrer, ältere Leute und Vertreter der Preuswald-Initiative im Weißen Saal des Rathauses, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Aufgeschreckt hatte sie unter anderem die Ankündigung von Rolf-Leonhard Haugrund, Geschäftsführer der Marienhospital-Stiftung, den Betrieb des Schwimmbads Ende des Jahres einzustellen.

Hintergrund ist die dringend nötige Sanierung der in die Jahre gekommenen Einrichtung, die der Annington gehört, jedoch vom „Zentrum für Gesundheitsförderung“ des Marienhospitals betrieben wird. Noch werden dort Kurse für alle Altersklassen angeboten – angefangen vom Babyschwimmen bis hin zum gelenkschonenden Rückenschwimmen oder zur Aquagymnastik. Und auch die KGS Bildchen bietet dort ihr Schulschwimmen an. Doch damit könnte am 31. Dezember Schluss sein.

Denn zum Nulltarif will die Annington das runtergekommene Bad nicht sanieren. Steigende Pachtkosten seien jedoch mit dem jetzigen Betreiberkonzept nicht zu erwirtschaften, sagt Haugrund, der deshalb raus will. Schon jetzt sei das Bad ein Zuschussgeschäft für das Marienhospital, da die Kursgelder nicht annähernd die Betriebskosten decken könnten. Von einem sechsstelligen Defizit ist die Rede.

So hätte der Oberbürgermeister den Protestlern zwar gerne bessere Nachrichten überbracht, doch ein Gespräch mit Annington-Vertretern hat noch am Vortag deutlich gemacht, wie unterschiedlich die Interessen gelagert sind. „Wir kommen noch nicht zusammen“, muss Philipp zugestehen – wobei alles andere auch überraschend gewesen wäre.

Annington hat als Mehrheitseigentümerin in der einstigen Mustersiedlung bekanntlich den denkbar schlechtesten Ruf. Sie hole zwar das Maximale aus dem Bestand raus, tue aber nichts für den Bestandserhalt, lautet der Vorwurf. Doch stellte der Oberbürgermeister klar, dass er zumindest in Sachen Schwimmbad gute Chancen sehe, die Annington in die Pflicht zu nehmen. „Wir werden alles ausnutzen, was geht“, sagte er. Auch den Klageweg werde man nicht scheuen, betonte er ausdrücklich.

Denn laut Erbbaurechtsvertrag ist die Annington eigentlich verpflichtet, alles für den Instandhaltung der Gebäude zu tun. Insbesondere die Preuswald-Initiative hat zuletzt kritisiert, dass die Stadt diesen Hebel nicht schon eher genutzt hat, um Annington unter Druck zu setzen.

Dass OB Philipp nun eine härtere Gangart plant, quittierten die Preuswälder mit Applaus. Der Weiterbetrieb des Schwimmbads ist damit jedoch längst nicht sichergestellt, wie Philipp klarmachte. „Wir hoffen noch auf einen Kompromiss“, sagte er. Und der müsste vor allem von Annington mitgetragen werden, die bei der Kostenübernahme jedem künftigen Betreiber deutlich entgegenkommen müsste. „Das macht uns noch eine Menge Arbeit“, warnte der OB vor allzu großen Hoffnungen, „das Thema ist komplex.“

Schwer einzuschätzen

Nicht zuletzt sei die Deutsche Annington derzeit ein schwer einzuschätzender Verhandlungspartner. Das Hin und Her beim Börsengang habe gezeigt, dass es dem Unternehmen offenbar an einem „durchschlagenden Plan für die Zukunft“ fehle, meint Philipp.

Die Hoffnungen ruhen nun auf einem für den 5. September angesetzten Gespräch mit dem Annington-Chef Rolf Buch. Der neue Mann an der Spitze wurde schon vor Wochen im Rathaus erwartet, hatte dann aber kurzfristig das Treffen abgesagt.

So richtig zufrieden konnten die Unterschriftensammler somit nicht abziehen. Für sie bleibt vorerst ungewiss, ob es auch im nächsten Jahr noch Kurse im Schwimmbad Preuswald geben wird und damit auch ein Stück Lebensqualität in die Zukunft hinübergerettet werden kann.

Philipp zeigte sich indes dankbar für das Engagement: Dieser „Druck“ sei wichtig für die weiteren Verhandlungen mit der Deutschen Annington.

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