Aachen - Nur sehr wenig Ultrareiche

Nur sehr wenig Ultrareiche

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Die Botschaft des Staates Kuwait unterhält gleich zwei Dependancen in Aachen: Ein Büro im Universitätsklinikum selbst (unten) und an der Kullenhofstraße 50, auf der anderen Seite des Foto: Harald Krömer

Aachen. Und da war da noch der reiche Russe, der im Uniklinikum behandelt werden sollte. Als der zuständige Professor sich nicht sogleich um ihn kümmerte, sondern erst einen Notfall versorgen wollte, schickte der Mann seine Leibwächter durchs ganze Haus. Der Arzt sollte sich schließlich um ihn kümmern.

Die Anekdote erzählt Medizinaldirektorin Ursula Fabry, in der Verwaltung des Großkrankenhauses zuständig für die ausländischen Patienten. Oder der Ölscheich, der sich einer Zahnbehandlung bei einem bekannten Implantologen unterzog und den mehr als 40 Polizisten, die zu seiner RundumdieUhr-Bewachung abgestellt waren, eine Rolex schenkte. Sie mussten die teuren Chronometer später wieder zurückgeben - mehr als 20 Jahre ist das her.

Doch diese Geschichten sind eher die Ausnahme, der Alltag der ausländischen Gäste im UKA ist eher nüchterner. „Ultrareiche haben wir in Aachen sehr wenig, wir wollen es auch nicht, etwa drei Zimmer dafür freizumachen oder eine Krankenschwester abzustellen”, sagt Dr. Fabry weiter und bezieht sich auf eine Grundsatzentscheidung des Vorstands: „Wir sind für die Versorgung der regionalen Patienten zuständig sowie für Lehre und Forschung. Wir haben nicht den Platz und das Geld für so etwas.” Immerhin verfüge das Haus auch nicht über Privatstationen für deutsche Patienten. Und auch der Gebetsraum und das schweinefleischfreie Essen wurden nicht für Exoten geschaffen, sondern für muslimische Patienten aus dem Raum Aachen.

Auf VIPs spezialisiert

So schaut man in Aachen mit einem gewissen Unverständnis auf Probleme der Kollegen in Hamburg, wo das Universitätsklinikum Eppendorf kürzlich die Erfahrung machen musste, dass selbst zahlungskräftige Scheichs aus Saudi-Arabien mit den Zahlungen in Rückstand gerieten, eine Million fehlt angeblich in der Kasse. So etwas kann in Aachen kaum passieren. Einmal spielen die Hamburger in einer anderen Liga, kümmern sich gezielt um den VIP-Bereich und wollen sogar ein eigenes Fünf-Sterne-Hotel auf eigenem Gelände errichten. Das war in den 80er Jahren in Aachen zwar auch mal geplant, doch die Ausrichtung hat sich inzwischen geändert.

Zahlungskräftige Kunden sind zwar auch in Melaten willkommen, doch nicht um jeden Preis. Ohnehin wird jede Behandlung nach Gebührenordnung abgerechnet. Bei einer großen Bauchoperation mit vielen Tagen auf der Intensivstation können da schon mal 30.000 Euro zusammenkommen, weiß Ursula Fabry. Falls mehrere Operationen notwendig sind, kann auch schon mal ein sechsstelliger Betrag auflaufen. Behandelt wird in der Regel gegen Vorkasse, da eine Überweisung aus den GUS- oder Golfstaaten in der Regel teuer ist und den Kunden mitunter das Vertrauen in das Bankensystem abgeht. So gehen denn im Klinikum öfters größere Bargeldbeträge über den Tresen.

Mitunter vermitteln auch Botschaften oder staatliche Institutionen Kranke nach Aachen, etwa das Militärische Medizinische Büro des Staates Kuwait, das ein eigenes Büro in Melaten unterhält. Die reichen arabischen Staaten bezahlen ihren Bürgern nämlich die kompletten Kosten für die Gesundung, Reise- und Unterbringungskosten für die Angehörigen inklusive. Da diese in Aachen niedriger liegen als im ebenfalls beliebten München und Tagessätze gezahlt werden, kommen viele Gäste aus Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman oder Kuwait zur Behandlung lieber in den Westzipfel.

Die hiesige Medizin gilt der arabischen und russischen nämlich als überlegen. Wobei die Reise um die halbe Welt zunehmend nicht wegen lebensbedrohlicher Krankheiten angetreten wird, sondern auch wegen Routinefällen wie einem Bänderriss am Knie oder einer Operation wegen grauen Stars. Ganz aktuell gibt es zahlreiche Anfragen wegen Diabetes-Komplikationen wie Durchblutungsstörungen oder Augenproblemen. Fabry: „Das liegt daran, dass sich die Krankheiten ändern.” Der Wohlstand in den Golfstaaten fordert eben seinen Preis.

Nur 0,5 Prozent

Es ist also eher der Normalbürger aus den arabischen Staaten, der sich in Aachen - auf Staatskosten - behandeln lässt. Kranke aus Weißrussland, der Ukraine, oder Asarbeidschan dagegen sind eher Selbstzahler, dennoch wächst ihre Zahl. Nur 0,5 Prozent machen die ausländischen Patienten am Gesamtaufkommen (40.000 Fälle pro Jahr) aus. Fabry: „Der russische Ölmagnat oder Politiker will das nicht an die große Glocke hängen, wenn er für eine Verjüngungs- oder Schönheitsoperation nach Aachen gekommen ist.”
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