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Nur für Männer: Aachener „Barber Club“ wird attackiert

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Pascal Jahns Laden wurde mehrfach verschandelt. Der Spruch, den jemand auf das Schaufenster gesprüht hat, gibt kaum Rätsel auf, was der Stein des Anstoßes ist... Foto: Thomas Vogel
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...„Rasur für alle 2.0“ richtet sich gegen Jahns Regel, nur Männer zu frisieren. Foto: Thomas Vogel

Aachen. „Na klar polarisiert der Laden“, sagt Barber Pascal Jahn. Der 34-Jährige – weißer Barberkittel, gedrehter Spitzbart, Tattoos – steht vor seinem Laden und raucht eine Zigarette. „Aber darum geht es mir nicht.“ In seinem „Frankenberger Barber & Social Club“ können sich Männer die Haare schneiden lassen und eine Rasur bekommen. Ausschließlich Männer.

Bei seinen Kunden kommt das Konzept laut Jahn an: Seit Tag 1 sei er völlig ausgebucht, 1800 Fans habe sein Barbershop bei Facebook in den ersten drei Monaten seit Eröffnung um sich geschart. Anderen ist das Konzept des Ladens aber offenbar ein Dorn im Auge. „Rasur für alle 2.0“ hat jemand auf das Schaufenster gesprayt – nicht die erste Attacke dieser Art.

Beim Betreten des Ladens wird bereits deutlich, wer Jahns Zielgruppe ist: In der Ecke steht ein schweres Motorrad, die „Regeln des Clubs“ sind auf einer Tafel an die Wand gehämmert – darunter „Frauen müssen draußen bleiben“, „Mein Laden, mein Gesetz“ und „Heulen verboten“. Das gesamte Interieur hat Rockabilly-Charme, viele Gegenstände erinnern an die 1950er und 60er Jahre. Wasser fürs Nassschneiden kommt nicht aus einer Sprüh-, sondern einer Whiskeyflasche.

Seit Eröffnung bläst Jahn jedoch auch Gegenwind ins Gesicht – nicht nur in den Kommentaren auf seiner Facebook-Seite. „Vor vier Wochen hat jemand die rechte Seite meines Autos zerkratzt. Das steht immer vor der Ladentür“, sagt er. Die ersten bösen Worte, „Fuck you“, waren noch mit Lippenstift auf die Fensterscheibe geschrieben. Vor drei Wochen folgte dann Farbe aus einer Spraydose. „Rasur für alle“ war schon damals zu lesen, mittlerweile zum zweiten Mal in Version 2.0. „250 Euro kostet es mich, die Farbe entfernen zu lassen. Das sind fast zehn Cuts“, sagt Jahn und wirkt überhaupt nicht amüsiert. „Es ärgert mich.“

Unternehmen kann der 34-Jährige wenig. Anzeigen bei der Polizei hat er bereits erstattet. Kameras zu installieren, die den Bereich vor dem Laden filmen, ist verboten. Vertreiben lassen will er sich aber weder von unbekannten Sprayern, noch von Spucksalven auf die Schaufenster oder Pöbeleien im Internet. „Mich kriegt hier so schnell keiner weg!“

Auf seiner Facebook-Seite erhält Jahn viel Zuspruch, ebenso wie von seinen Kunden im Laden: „Meine Kundschaft wird schon richtig wild. Es wundert mich, dass die nachts hier noch nicht patrouillieren.“ In seinem Blog wendete sich Friedrich Jeschke sogar direkt an den unbekannten Sprayer, unter anderem mit den Worten: „Es geht Dir hier wohl eher nicht um Gleichberechtigung, sondern viel mehr um Neid. Neid darüber, dass Männer emanzipiert sind und sich die Freiheit nehmen, einen Laden nur für sich zu gestalten.“

Mit Hass auf Frauen oder Diskriminierung habe er nichts am Hut, sagt Jahn. Vier Jahre habe er in den USA gelebt, um einer Deutschen zu helfen, ihren Friseursalon aufzubauen. Gemeinsam mit seiner zukünftigen Frau erwartet er im April einen Sohn. Sein Geschäft sei vielmehr eine Oase für Männer, ein Ort, an dem sie unter sich sind, über Männerthemen palavern und auch schon mal ein Bier trinken. „Und das finden auch viele Frauen gut, die bei uns nach Terminen für ihre Männer fragen oder sie sogar persönlich hier vorbeibringen.“

Die Idee für den Laden sei Jahn in Friseursalons gekommen, in denen er vorher gearbeitet hat. „Männer sind da zu kurz gekommen und wurden immer nur zwischendurch bedient, wenn bei den Frauen die Farbe eingewirkt hat.“ Das sollte in seinem „Club“ anders sein. Genauso, wie in anderen Barbershops, die mit dem gleichen Konzept arbeiten. „Meine Kollegen in Bonn oder Rotterdam haben nie solche Probleme gehabt.“ In Aachen, meint Jahn, seien offenbar nicht alle so tolerant.

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