Aachen - Nun wird im Depot wieder gewebt

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Nun wird im Depot wieder gewebt

Von: Heiner Hautermans
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Andreas Lorenz (l.) und Jochen Buhren vor der fast 1000 Quadratmeter großen Halle der ehemaligen Trockenappretur, in der sich das Depot befindet. Die großen Metallstücke stammen von einer Walkmaschine und wurden vor etwa 100 Jahren in Burtscheid hergestellt. Foto: Harald Krömer
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Wilhelm Kelmes (72), gelernter Tuchmacher, hat diesen Jacquard-Handwebstuhl wieder gangbar gemacht, jeder Faden musste einzeln eingezogen werden. Lautstark hergestellt werden Gewebe in Pepita oder Streifen.

Aachen. „Manchmal hatte man auf einmal ein Loch in der Hose und wusste nicht, wo es herkam“, erzählt Andreas Lorenz. Erklärbar ist der Vorgang trotzdem. In der Textilherstellung wurden (und werden wahrscheinlich) Betriebsmittel verwendet, die der Gesundheit (und mancher Hose) in konzentrierter Form nicht zuträglich sind, etwa Schwefel- und Essigsäuren.

Wer in einer Tuchfabrik arbeitete, musste zäh sein. Und das ist Andreas Lorenz, der aus einer Textilfabrikantenfamlie stammt. Und auch Jochen Buhren, eigentlich Lehrer am KKG. Seit mehr als zehn Jahren verfolgen sie das Ziel, ein Textil- und Technikmuseum für die einstige Tuchmacherstadt Aachen zu verwirklichen, ohne große öffentliche Hilfe. Jetzt sind sie erleichtert und angekommen: Am 13. September öffnet das Tuchwerk-Depot in der Soers seine Pforten, ein wichtiger Meilenstein zur Verwirklichung ihrer Vision.

Es war ein langer Weg. Es gab Rückschläge, Sackgassen, geplatzte Träume und Umwege, doch laufen die Vorbereitungen zur Eröffnung am Strüverweg. Auf dem Gelände der Stockheider Mühle, wo die Tuchfabrik Rzehak existierte, die 1969 an die Tuchfabrik Becker verkauft wurde, die bis 1983 an diesem Standort produzierte. Beide Firmen sind längst Geschichte – ebenso wie die mehr als 100 Textilfirmen, die es zu den Blütezeiten einmal in Aachen gab – mit 12 000 Arbeitsplätzen. Damals waren hochwertige Aachener Tuche weltweit ein Markenzeichen, nur weiß davon kaum noch jemand etwas, nicht mal in Aachen.

Dafür gibt es den Verein, dessen Vorsitzender Jochen Buhren ist und der sich gegen das Vergessen stemmt: „Tuchwerk – Textilgeschichte in Bewegung“. 2003 gegründet, mit inzwischen 40 Mitgliedern – bestehend aus ehemaligen Textilunternehmern oder deren Nachkommen, Textilindustriemitarbeitern, Lehrern, Historikern und Museumsfachleuten. Stolz sind Buhren und Lorenz auf die rund zehn Ehrenamtlichen, die mitgeholfen haben, eine umfangreiche Sammlung von rund 50 Maschinen aus der ganzen Region zusammenzutragen, etwa einen zig Meter langen Krempelsatz, einen Reißwolf oder Spul- und Zwirnmaschinen, Webstühle und Ausrüstungsmaschinen aus Firmen-Nachlässen.

Schon einmal hatte man einen ersten Anlauf unternommen, von 2006 bis 2009 war in der Komericher Mühle in Brand eine erste Ausstellung zur Geschichte der Streichgarspinnerei eingerichtet – in einem Architekturbüro. Vorübergehend bezog man eine Halle an der Rütscher Straße. Doch der Wunsch nach eigenen Räumen war groß, 2012 erwarb die Margarete-Lorenz-Stiftung, in deren Beirat Andreas Lorenz sitzt, die Stockheider Mühle am Strüverweg: „Es brauchte einen langen Atem. Wir sind mit jeder Maschine mindestens zwei Mal umgezogen.“ Und das wäre nicht möglich gewesen ohne die Ehrenamtler, die unverdrossen immer wieder anpackten, ja klaglos 200 Kilometer weite Wege nach Südbelgien in Kauf nahmen, ohne jede Aufwandsentschädigung, um wieder einmal eine alte Maschine ab- und in Aachen aufzubauen. Sie haben auch so manche Maschine wieder funktionsfähig gemacht, im mühevoller Kleinarbeit. Textilarbeiter sind eben zäh.

Austausch über die Grenzen

Die jahrhundertealte Vernetzung durch die Textilindustrie will man in dem Depot aufzeigen, auch heute gibt es viele Kontakte etwa nach Mönchengladbach, Vaals oder Verviers. Grenzüberschreitend wurden Wissen, Arbeitskräfte, Rohstoffe oder Handelsgüter ausgetauscht. Heute werden in der Region technische Textilien hergestellt, etwa für die Medizintechnik, auch dieser Aspekt wird im Depot beleuchtet. Bekannt war Aachen vor allem für seine hochwertigen Tuche, die von den besten Modemachern verwendet wurden. Diese Textilveredlung durch Dampf und Druck, durch Walken und Pressen, ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Depots. Da die Herrichtung weiterer Gebäude für das Museum viel Geld kostet, sind Spenden und Fördermitgliedschaften erwünscht (www.textilmuseum-tuchwerk-aachen.de).

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