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Notfälle halten sich nicht an Öffnungszeiten

Von: Margot Gasper
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Rund um die Uhr erreichbar ist
Rund um die Uhr erreichbar ist der 24-Stunden-Service der Arbeiterwohlfahrt. Dafür sorgen Stefan Schreiber, Pflegedienstleiter im Seniorenwohnsitz Morillenhang, seine Stellvertreterin Katrin Köhler und Elmara Zegel, Pflegedienstleitung im Seniorenwohnsitz Kennedypark. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ruhige Tage sind das jetzt um den Jahreswechsel. Wer kann, nimmt frei, der eine oder andere Betrieb ist ohnehin geschlossen. Und auch viele Arztpraxen öffnen erst wieder nach Neujahr. Was für die einen gemütlich und beschaulich ist, kann für andere zur absoluten Krisenzeit werden.

Menschen, die einen alten Angehörigen zu Hause pflegen, wissen dann manchmal nicht, wohin sie sich im Notfall wenden sollen. Der Hausarzt ist womöglich nicht erreichbar, der Notarzt hält eine Einweisung ins Krankenhaus nicht für notwendig - die Ratlosigkeit ist groß. Die Arbeiterwohlfahrt in Aachen hat im vergangenen Frühjahr für solche Krisen einen 24-Stunden-Service eingerichtet. Es ist das einzige Angebot dieser Art in Aachen und darüber hinaus.

„Notzeiten für Angehörige”

An 365 Tagen im Jahr ist rund um die Uhr eine unbürokratische Notaufnahme möglich. Die beiden AWO-Seniorenwohnsitze Morillenhang und Kennedypark stemmen dieses Angebot gemeinsam. „Weihnachten, Ostern und Karneval sind Notzeiten für Angehörige”, berichten Stefan Schreiber, Pflegedienstleiter am Morillenhang, und seine Kollegin Elmara Zegel, Pflegedienstleiterin am Kennedypark, in einer ersten Bilanz. Am Notfall-Telefon steige dann häufig die Zahl der Anrufe.

Der 24-Stunden-Service, erläutert Schreiber, soll eine Versorgungslücke schließen. „Denn die Not der pflegenden Angehörigen wird oft nicht gesehen.” Und der Notfall kann ganz schnell eintreten - zum Beispiel, wenn die pflegenden Angehörigen selbst krank werden. Hilfe im Bekannten- oder Verwandtenkreis kann kurzfristig oft nicht organisiert werden, und für einen rein pflegerischen Notfall ist auch ein Krankenhaus nicht unbedingt eine Lösung.

Bei alten Menschen, die unter gesetzlicher Betreuung stehen, meldet sich häufig auch der Betreuer, wenn abzusehen ist, dass nach einem Krankenhausaufenthalt die Rückkehr in die eigene Wohnung nicht mehr sinnvoll ist.

Und als im August bei einem schweren Unwetter manche Teile der Stadt regelrecht absoffen, da ging auch beim Notfalltelefon der Arbeiterwohlfahrt ein Alarmruf ein. „Da stand die ganze Wohnung unter Wasser, und die alte Mutter musste ausquartiert werden”, erinnert sich Elmara Zegel.

Die beiden Seniorenwohnsitze der AWO nehmen in solchen Krisenzeiten unbürokratisch pflegebedürftige Menschen auf - immer vorausgesetzt natürlich, dass die Kapazitäten vorhanden sind. „Aber in der Regel ist ein Kurzzeitpflegeplatz frei”, erklärt Elmara Zegel.Man wolle aber auch ein offenes Ohr für die Angehörigen haben. „Viele, die anrufen, müssen erst mal ihre Sorgen loswerden”, berichtet Stefan Schreiber, „der Leidensdruck ist enorm.”

Seit der Einführung des 24-Stunden-Service im März verzeichnet die AWO rund 90 Kontakte mit ratsuchenden Angehörigen, rund 30 fachliche Beratungsgespräche und gut ein halbes Dutzend Aufnahmen.

Demenz überfordert Familien

Die Pflege von Demenzkranken wird ein immer größeres Thema. Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2020 in Deutschland rund zwei Millionen Menschen mit Demenz versorgt werden müssen „Auch in Aachen und Umgebung steigen die Zahlen rasant”, berichtet Schreiber. Er sieht das in seinem eigenen Haus. Von den 121 Bewohnern sind mittlerweile gut 80 Prozent an Demenz erkrankt.”

Eine Demenz kann sich über Jahre hinziehen, wissen die Pflegedienstleiter. Angehörige seien irgendwann hoffnungslos überfordert. „Daran haben wir schon Familien zerbrechen sehen.”

Über den Jahreswechsel trägt Katrin Köhler, stellvertretende Pflegedienstleitung am Morillenhang, das Notfall-Handy mit sich herum. Sie stellt sich auf unruhige Zeiten ein. „Man weiß ja nie, wann der Anruf kommt.”

Manchmal allerdings gehen auch „Notrufe” ein, bei denen die Verantwortlichen doch schmunzeln müssen. „Sie sind doch der Pflegenotdienst”, meldete sich zum Beispiel vor einiger Zeit eine ältere Dame, „können Sie mal vorbeikommen und mir den Fernseher richtig einstellen?”<

b> Notfall-Telefon ist rund um die Uhr besetzt

Der 24-Stunden-Service der Arbeiterwohlfahrt ist an 365 Tagen im Jahr besetzt. Erreichbar sind die Seniorenwohnsitze unter der Notruf-Nummer 0172/4040303.

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