Aachen - Nostalgie pur auf dem Bend

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Nostalgie pur auf dem Bend

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Seit 22 Jahren leben Luise und Ulrich Groczki im rollenden Nostalgieheim. Den Öcher Bend fahren die beiden schon Jahrzehnten an. Im Frühjahr und auch im Sommer. Foto: Harald Krömer

Aachen. In diesem Jahr ist die Zahl 22 für Luise und Ulrich Groczki eine feste Größe. Vor 22 Jahren haben die beiden geheiratet, vor 22 kam Sohn Marcel auf die Welt, vor 22 Jahren kaufte sich der Schausteller einen Wohnwagen, der schon 39 Jahre auf dem Buckel hatte.

Aber die kleine rollende Wohnung mit herausziehbarem Erker und einer großen Veranda hatte es Ulrich Groczki, der von den Kirmeskollegen nur Uli gerufen wird, angetan. Genau so wie die alte Raupenbahn, mit der er im vergangenen Jahr zu Ostern auf dem Bend gastierte und wahre Begeisterungsstürme unter dem „älteren” Publikum hervorrief. Die erinnerten sich wehmütig an ihre Raupenbahnzeiten, die auch schon ein paar Jährchen zurücklagen und vor allem dachten sie sehnsüchtig an den Augenblick zurück, wenn sich das Dach der Raupenbahn schloss und die ersten schüchternen Küsse ausgetauscht wurden. So manch einer wurde nicht müde, Ameröllchen noch und nöcher aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu erzählen.

Ulrich Groczki ist mit der Ehefrau und dem Sohn ansonsten mit einer Schießbude unterwegs. Auch ein Stück Nostalgie in einer Kirmeswelt, die mehr und mehr Hightech bietet. Mit der Raupenbahn erfreut er jetzt die Herzen der Rummelbummler auf den Eifel-Jahrmärkten. „Wir fahren nach Schleiden, nach Gemünd und nach Heimbach beispielsweise”, sagt der 59-Jährige in seiner ruhigen und bedächtigen Art.

Er und seine Familie nehmen Erfolg und sogar Misserfolg, der sich in den Portemonnaies der Kirmesunternehmer am ersten bemerkbar macht, gelassen hin. „Was soll man tun, ständig klagen, das hilft doch nicht”, stellt Groczki fest und redet vom vergangenen Wochenende. Da war das Wetter phantastisch, „aber die Leute haben wenig Geld ausgegeben”. Viele Rummelbesucher seien „Sehleute”.

„Die gucken und überlegen sich mehrfach, für was sie ihr Geld hinlegen.” Angefangen habe der Untergang vieler kleiner Kirmesse in den 60er und 70er Jahren, als mehr und mehr Diskotheken entstanden. Auch Pfarrfeste und Stadtfeste seien nicht eben förderlich - „früher hatte fast jedes Dorf einen eigenen Rummel, mit Schützenfest und Jahrmarkt war das schon was”, erinnert sich Groczki, der vor 36 Jahren mit einer Raupenbahn begann.

Dennoch, er und seine Familien fühlen sich wohl auf den Jahrmärkten und besonders auf dem Öcher Bend. „Hier kennen wir doch alle und alle kennen uns”, begündet Luise Groczki. Und auch im Nostalgiewagen, der im Inneren der zehn mal 2,20 Meter durch Oberlichter viel Helligkeit bietet, haben die beiden es sich gemütlich gemacht. Ulrich Groczki denkt lächelnd an die Zeit, als die erste eigene Wohnung der jungen Familie vor 22 Jahren zu eng wurde.

„Da haben wir einen ganzen Winter mit dem kleinen Marcel im Wohnwagen gelebt. Der stand zwar in einer Halle, aber immerhin”, schaut er außen liebevoll auf das Gefährt, das mit seinem Holzaufbau inmitten von Wohnwagen mit tollster Ausstattung dennoch keinen Vergleich zu scheuen braucht. Der Schausteller Groczki liebt sein rollendes Holzhäuschen mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad: „Obwohl ich jedes Jahr viel Arbeit reinstecken muss.”

Familie auf dem Pferdekarussell

Am Familientag, wenn für alle Fahrgeschäfte nur die Hälfte des Fahrpreises hingeblättert werden müssen, werden sich mit Sicherheit auch Sissi und Horst Langenberg freuen. Denn ihr venezianisches Pferdekarussell, das auf dem Bend seine Premiere hat, kann vor allem von Familien benutzt werden. Erst vor kurzem wurde das zweigeschossige venezianische Karussell von einer Spezialfirma in Italien fertiggestellt. Kinder und Eltern, Oma und Opa, Onkel und Tante dürfen mitfahren und sich fühlen, wie die Menschen zur Zeit von Wilhelm Zwo.
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