Aachen - Nölde kriegen sämtliche Krisen „am Klappen”

Nölde kriegen sämtliche Krisen „am Klappen”

Von: Heinrich Schauerte
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Die Kabarett-Gruppe „Öcher N
Die Kabarett-Gruppe „Öcher Nölde” sezierte für ihre treuen Fans in der Aula des Einhard-Gymnasiums wieder das lokale und globale Geschehen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Auch ihr 15. Programm haben die Öcher Nölde wieder „am Klappen gekriegt”, einschließlich der angekündigten Weltsensation - die aber nach wie vor geheim bleiben muss. Das Öcher Kabarett hat ja ein Format kreiert, das in keine Schublade passt.

Es beschäftigt sich eher am Rande mit den üblichen lokalpolitischen Themen, andererseits erschließt es sich in allen Feinheiten nur denen, die sich in den Verästelungen der Öcher Seele auskennen.

Dazwischen gibt es Nummern, die eher ins Philosophische gehen, oder gar Anleihen beim absurden Theater. Was wiederum die neuesten Sensationen aus dem Kleingarten nebenan nicht ausschließt. Ein musikalisches Rahmenprogramm aus soliden Jazznummern bildet das I-Tüpfelchen bei einem Abend, der eine ebenso große wie treue Fangemeinde ins Einhard-Gymnasium lockte.

Wutbürger scheint es in Aachen offenbar relativ wenige zu geben. Dabei gäbe es dochThemen genug in einer Stadt, in der durch die Baustellen „ganze Stadtteile von der Außenwelt abgeschnitten sind” (Moderator Jan Savelsberg).

Oder man an einer bekannten Baustelle am Kaiserplatz am ehesten einen Steichelzoo errichten könnte - wegen der vielen Ratten. Möglicherweise werden ja auch die Käufer von Tivoli-Anleihen noch Anlass zu diversen Emotionen bekommen, denn „was für Europa Griechenland, ist für Aachen der Tivoli”.

Wenn es nach der Ratingagentur Savelsberg geht, sollte man sich Sorgen machen. Pleite, Krise, Rettung: Die großen Themen schlagen auch hier durch, von Avantis bis zur Städteregion steht ja alles vor der Pleite. Ein Glück, dass es einen Herbert Dejosez gibt, der die monetären Zusammenhänge anhand eines naheliegenden Beispiels erklärt: des Kartenverkaufs für die Nölde.

Was aber bleibt in allen Stürmen des Lebens ein Fels in der Brandung? Natürlich die Kleingartenkolonie, hier „De jölde Plüschprumm”. Deren Vorsitzender hat die Unkrautspritze immer am Mann und alles, von der Biertemperatur bis zur geraden Ausrichtung der Bohnen, voll im Griff.

Wers nicht mag, hat nur zwei Auswege: Camping ohne Zelt oder Billigflüge. Ersteres kann recht nass, Letzteres recht teuer und gesundheitsschädlich sein, allein durch die Taxifahrt bis zum abgelegenen Flughafen oder den Sprung aus dem Flieger, weil man die Treppe nicht extra bezahlt hat.

Das Outing des Jahres beschert uns der brachiale Horst Kreutz, der sich als Muttersöhnchen entpuppt - auch schauspielerisch eine Glanzleistung. Vom Outing ist man bald beim Preising, und da kann man sich schon fragen, wieso eine Banane einen Preis dafür bekommt, dass sie eine Banane ist. Oder ein Komiker dafür, dass er nicht tierisch ernst ist... Sehr ernst zu nehmen ist hingegen die Erkenntnis, dass Männer sich nur zum aufrechten Gang entschlossen haben, damit sie an der Theke stehen können.

Höhepunkt jeder Nölde-Vorstellung sind die Abenteuer von et Jeli. Vom Friedhof Hüls startet diesmal eine illustre Gesellschaft nach Hamburg zum Musical. Die Damen frisch vom Asi-Toaster, die Herren besoffen in der Halunkenloge. Dazu ein Silberpüdelchen, diverse Jogginghosen mit Migrationshintergrund und „Karl-Heinz mit Bindestrich” als Reiseleiter.

Wer Angelika Kutsch kennt, der ahnt, was da zwischen Fischmarkt und Tittentinas Kietztour abgeht. Neben schönstem Öcher Platt überrascht et Jeli auch mit perfektem Deutsch-Türkisch - das allein ist den Eintritt wert.

Dabei ist man da erst bei der Pause angelangt. Danach fällt et Jeli mit derselben proletarischen Urgewalt über eine Dame her, die inzwischen was Besseres zu sein glaubt. Jennifer und Isolde, der Krau und der finge Krau - eine köstliche Konfrontation. Jejujelt wird natürlich auch, und bei Jujel findet man mindestens eine halbe Million Treffer zu dem roten Fleck, den Marlene Menten neuerdings hat. Da kann man in diversen Foren sein solides Halbwissen absondern, bis der Notarzt kommt.

Und dann gibt es natürlich noch Manfred Savelsberg, den Hausmeister. Der hat gleich einen ganzen Rammel von Rettungsschirmen dabei. Da kann man nur noch auf einen schönen Gratias hoffen, wenn der Euro beerdigt wird.

Weitere Vorstellungen gibt es am 23., 24. und 25. November. Karten sind noch zu haben. Alles Wissenswerte auf http://www.oechernoelde.de

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