Noch immer gibt es Barrieren im Rathaus

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Barrierefreiheit - ein Ziel, das nicht leicht zu erreichen ist. Vor allem nicht für ein altehrwürdiges Gemäuer wie das Rathaus.

600.000 Euro hat die Stadt jüngst in die Station der Route Charlemagne investiert. Etwa ein Viertel davon in die Barrierefreiheit, das übrige Geld in Brandschutzmaßnahmen.

Die Kommission für Barrierefreies Bauen hatte den Umbau des Rathauses mit Unterstützung verschiedener Verbände angeregt.

Vermeintliche Kleinigkeiten

„Wir leben in einer historischen Stadt mit Elite-Uni und CHIO. Die Welt kommt nach Aachen. Da muss eine der Hauptattraktionen barrierefrei zugänglich sein”, betont deren Sprecherin Caline Strack. Alles in allem ist sie auch recht zufrieden mit dem Umbau. „Endlich steht man als Rollstuhlfahrer nicht mehr im Regen und muss auf den Pförtner warten.”

Vieles findet sie gelungen - vor allem in Anbetracht der historischen Mauern. Allerdings findet sie auch ein paar Haare in der Suppe. „Es gibt vermeintliche Kleinigkeiten, die nicht-behinderte Menschen nicht bedenken”, weiß sie aus eigener Erfahrung. Eine solche Sache ist die Schriftgröße auf der Außenklingel, die sei zu klein.

Gerade groß genug hingegen findet sie den Aufzug. Er hat die Mindestmaße. „Größer wäre zwar noch besser, aber das ist hier eben nicht möglich”, so Strack. Auf ihre Anregung hin wurde ein Spiegel eingebaut, der den Rollstuhlfahrern das Ein- und Ausfahren erleichtert, die Knöpfe sind mit „erhabener Schrift” ausgestattet, nicht in Braille-Schrift. „Und es gibt einen kleinen Klappsitz”, lobt Strack.

Auch in der Behinderten-Toilette findet Strack viele positive Elemente. Waschbecken und Toilette heben sich - wichtig für Sehbehinderte - deutlich vom Hintergrund ab, es gibt Ablagemöglichkeiten für Krücken und Kleidung, das Waschbecken ist tief, der Wasserhahn gut erreichbar, die Tür hat einen langen Griff zum Zuziehen.

Aber die Türe hat auch einen Haken, besser gesagt, einen kleinen runden Abschließknauf mit kleiner Ausbuchtung - „Behinderte, die Probleme mit der Feinmotorik haben, können diesen nicht betätigen”, kritisiert Strack.

Öffentliches Behinderten-WC

Schon bei einer Begehung im Oktober habe sie diesen Punkt kritisiert. „Es ist ärgerlich, da bestellt man eine Tür für ein barrierefreies WC, und dann bekommt man so etwas”, sagt der Behindertenbeauftragte der Stadt Aachen, Helmut Bücken, kopfschüttelnd.

Seine Assistentin Simone Krauß betont, dass diese Mängel auf einer Liste verzeichnet seien und abgearbeitet würden. So würde künftig auch ein akustisches Signal die Pförtner alarmieren, wenn ein Besucher auf der Toilette die Notleine zieht. Bisher gibt es nur ein optisches.

Die Toilette ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich. „Es wird Zeit, dass die Stadt an zentraler Stelle ein öffentliches Behinderten-WC einrichtet, das rund um die Uhr zugänglich sein wird”, fordert Strack.

Die Tür zur Werkmeisterküche im Erdgeschoss ist schmal, aber für Strack mit ihrem Rollator passierbar. Die Tür im Fluchtweg geht nach außen auf. „Am einfachsten ist es, wenn man rückwärts geht”, erklärt Strack.

Die kraftunterstützte Tür könnten Behinderte gut öffnen. „Hier fehlen noch Überwachungskameras, falls jemand stürzt”, merkt Strack an. Das sei ihr bei der ersten Begehung gar nicht aufgefallen. Begeistert ist Strack über den neuen Zugang zum Krönungssaal.

Hier haben die Gebäudemanager ein Podest gebaut, dass Rollstuhlfahrern den ebenen Zugang zum Prachtsaal ermöglicht. „Früher war das hier wirklich gefährlich”, so Strack. Aber eine Garderobe für Rollstuhlfahrer, die vermisst sie noch.
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