Aachen - Niemand hat den Schritt bereut

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Niemand hat den Schritt bereut

Von: Martina Stöhr
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Diese Frauen können stolz sei
Diese Frauen können stolz sein: Diese Kinderpflegerinnen dürfen sich nach ihrer erfolgreichen Weiterbildung in der Käthe-Kollwitz-Schule nun staatlich anerkannte Erzieherinnen nennen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Es war eine Zeit voller Tränen, aber auch voller neuer Bindungen und Erkenntnisse.” So beurteilt Seniz Cömertler die letzten zweieinhalb Jahre an der Käthe-Kollwitz-Schule.

Gemeinsam mit weiteren 25 Kinderpflegerinnen hatte sie den Schritt gewagt und sich am Berufskolleg an der Bayernallee zur staatlich anerkannten Erzieherin ausbilden lassen.

Zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig: Das damals neue Kibiz (Kinderbildungsgesetz) hatte sie und ihre Kolleginnen mehr oder weniger dazu gezwungen, denn ihre Ausbildung zur Kinderpflegerin sollte plötzlich nichts mehr gelten. Laut Kibiz sollten in den Kitas nur noch staatlich anerkannte Erzieherinnen für die Betreuung der unter Dreijährigen eingesetzt werden.

Der Aufschrei war groß. Die Kinderpflegerinnen fühlten sich diskriminiert und fürchteten, dass ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt drastisch sinken würden. Rund 500 Kinderpflegerinnen hatten sich damals in der Turnhalle der Käthe-Kollwitz-Schule eingefunden, um ihrer Empörung Luft zu machen und über ihre Zukunft nachzudenken.

25 von ihnen können sich nun über das bestandene Examen zur staatlich anerkannten Erzieherin freuen. Hinter ihnen liegt ein steiniger Weg, der einiges von ihnen abverlangt hat, sind sich Lehrer und Schülerinnen einig. Schon eine Doppelbelastung sei nur schwer zu bewältigen, betonte Schulleiter Hans Pontzen während der Examensfeier. Doch neben Familie und Beruf nun auch noch an drei Abenden der Woche die Schulbank zu drücken, sei eine Leistung, der man nur mit Hochachtung begegnen könne.

Große Belastung

Die Belastung sei in der Tat sehr groß gewesen, sagen die Erziehrinnen. „Da war immer wieder die Überlegung, aufzuhören”, gibt Seniz Coemertler unumwunden zu. Doch sowohl die Leiterin ihrer Kita als auch die Lehrer am Berufskolleg, ihre Familie und nicht zuletzt ihre Mitschülerinnen hätten ihr immer wieder Mut gemacht. Auch Akkiz Dogan schwärmt von der „tollen Unterstützung” seitens der Lehrer. „Ich bin wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht”, sagt sie. Heute schaue sie mit neuem Blick auf ihre Arbeit. „Es war eine tolle Zeit”, schwärmt sie und fügt mit Bedauern hinzu: „Schade, dass sie schon vorbei ist.”

„Es ist nicht selbstverständlich, dass sie es alle geschafft haben”, betonte Michael Kremer, der das Projekt an der Käthe-Kollwitz-Schule geleitet hat, während der Abschlussfeier. Er habe große Hochachtung vor dieser Leistung. Als Planer stand auch er zu Beginn der Ausbildung vor einer großen Herausforderung. Denn einen Bildungsgang, in dem Kinderpflegerinnen in nur zweieinhalb Jahren zur Erzieherin ausgebildet werden, gab es bislang nicht.

Auch wenn das Kibiz künftig womöglich alles wieder so belassen will, wie es einmal war, ärgern sich die ehemaligen Kinderpflegerinnen nicht. Niemand habe den Schritt bereut, hob Pontzen während der Examensfeier hervor. Ganz im Gegenteil, sagen die frischgebackenen Erzieherinnen: Sie hätten Persönlichkeit entwickelt, zu mehr Selbstbewusstsein gefunden, und sie schauten mit neuem Blick auf die Kinder. Und auf ihre Zeit am Käthe-Kollwitz können sie laut Pontzen wahrlich mit Stolz zurückblicken.
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