Nichtraucherschutz: Die Wirte sind nicht erfreut

Von: Heiner Hautermans
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Hier ist die Kneipendichte am größten: Zwischen Pontstraße und Milchstraße befindet sich das Zentrum des Ausgehens in Aachen. Ab Mai darf auch hier nicht mehr geraucht werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die rot-grüne Landesregierung will den Schutz von Nichtrauchern verstärken. Das entsprechende Gesetz wird am Donnerstag zur zweiten Lesung in den Landtag eingebracht und dürfte dort ebenso eine Mehrheit finden wie in der Sitzung des zuständigen Fachausschusses. Damit dürfte das absolute Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen am 1. Mai 2013 in Kraft treten. Unter Aachens Gastronomen hat das Vorhaben wenig Freunde.

Von einer Katastrophe und von Regulierungswahn spricht etwa Dirk Deutz, Vorsitzender der Kreisgruppe Aachen im Hotel- und Gaststättenverband. „Bis zu 10.000 Arbeitsplätze werden wegfallen. Ich bin erstaunt über die Ignoranz der Politik.“ Schließlich habe man ein funktionierendes System, praktiziert etwa auch in seinem Betrieb „Im Alten Zollhaus“: „Wir haben seit fünf Jahren einen Nichtraucher- und Raucherbereich und haben damit überhaupt keine Pro-bleme. Alle sind zufrieden und glücklich.“

Viele Kollegen befürchteten große Umsatzeinbußen, vor allem die, die vom Getränkeverkauf lebten: „Wer soll da noch hingehen?“ Der Gastronom werde zum verlängerten Arm des Gesetzes: „Wenn einer in der Ecke sitzt und raucht, habe ich eine vierstellige Strafe an der Mütze.“ Wenn die Raucher nach draußen gingen, werde es draußen eine große Lärmbelästigung und Verschmutzung geben. Außerdem sei es scheinheilig, bis nach Karneval zu warten: „Vorher haben sie nicht den Mut.“

Die Regierung begründet das späte Inkrafttreten damit, dass die Gemeinden ausreichend Zeit für die Umsetzung bekommen müssten. Detlev Fröhlke, Chef des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, wartet noch auf die Ausführungsbestimmungen. Nach seinen Informationen sind Bußgelder nur gegen Wirte vorgesehen, die Grenze werde von 1000 auf 2500 Euro erhöht. „Wir müssen schauen, welche Bestimmungen rüberkommen.“ Theoretisch könne jede Stadt selbst entscheiden, welche Einstiegshöhe sie festlegt. Praktisch trifft er sich aber Anfang 2013 mit den Leitern der Ordnungsämter der NRW-Großstädte, um die Höhe weitgehend einheitlich festzusetzen. „Nur noch in echten privaten, geschlossenen Gesellschaften besteht dann die Möglichkeit zu rauchen.“

Ali Yüce ist einer der wichtigsten Wirte im Pontviertel. Er betreibt die Kultkneipe „Molkerei“, hat auch das Esslokal „Magellan“, die Lounge „Flowers“, den Club „Image“ und die Disko „Abendrot“. Für Restaurants findet er die strikte Regelung positiv: „Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass da einmal geraucht worden ist.“ In seinen anderen Lokalen dagegen erwartet er Probleme mit der Umsetzung, für die man Zeit brauchen werde. „Je länger die Nacht, desto betrunkener sind die Leute. Die lassen sich dann immer weniger sagen.“

Maurice de Boer, Chef in „Ratskeller“ und „Postwagen“, kann die Nöte rauchender Gäste verstehen: „Ich bin Nichtraucher, war aber mal Raucher.“ Auf alle Fälle werde die strenge Regelung, die keine Ausnahmen mehr zulässt, Arbeitsplätze kosten. Schon bislang habe er in seinen Lokalen festgestellt, dass deutlich weniger geraucht wird: „Entweder haben die Leute es aufgegeben oder sie kommen nicht mehr.“ De Boer hätte es allerdings gut gefunden, wenn man jedem Gastronom die Entscheidung überlassen hätte: „Dann hätte jeder Mensch selbst entscheiden können.“

Franz-Dieter Ramrath („Am Knipp“) berichtet ebenfalls von Umsatzrückgängen, besonders an der Theke: „Bei uns herrscht aktuell Rauchverbot.“ Gäste, die qualmen wollten, könnten in einen überdachten Außenbereich gehen. Wenn nun gleiche Regeln für alle herrschten, „wird das bestimmt für uns nicht von Nachteil sein“.

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