Nicht nur Freude am kostenlosen WLAN

Von: Werner Breuer
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FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 09.09.2014 Tablet AN-Online JOB : An 1

Aachen. Es sollte eine gute Nachricht sein, auch für Felix Bosseler: Für ein kostenloses WLAN in der Innenstadt stellten Oberbürgermeister Marcel Philipp und NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider vergangene Woche die Weichen.

Doch den von ihnen unterzeichneten Kooperationsvertrag hält Bosseler für einen „Schnellschuss, der bestenfalls gut gemeint ist“. Von einem „echten, freien WLAN“ könne keine Rede sein.

Eine gehörige Portion Fachwissen darf bei Bosseler wohl unterstellt werden. Schließlich hat der Mann als Projektmanager schwerpunktmäßig mit IT-Projekten zu tun. Auch politisch ist ihm das Thema Internet vertraut: Bosseler saß einst für die Piraten im Aachener Stadtrat, inzwischen ist er aus der Partei ausgetreten.

Doch mit seinen ehemaligen Parteifreunden teilt er die kritische Sicht auf den jüngsten WLAN-Vorstoß. Dabei monieren die Piraten vor allem, dass ein solches Projekt „an den politischen Entscheidungsträgern vorbeigeschleust“ werde. Dagegen vermisst Bosseler grundsätzlich ein „innovatives Konzept“.

Der mit dem Kooperationsvertrag eingeschlagene Weg führe nicht zu einem wirklich kostenlosen WLAN, sondern nur zu einem „30-Minuten-Teaser“. Tatsächlich ist vorgesehen, dass sich die Nutzer an in der Stadt verteilten sogenannten Access Points ohne Code und Internet-Adresse einloggen können. Wer aber länger als eine halbe Stunde surfen will, braucht einen Code. Der könnte in Zusammenarbeit mit dem Märkte- und Aktionskreis City (MAC) von Geschäften und Gastronomiebetrieben ausgegeben werden – auch kostenlos.

Finanziert werde das letztlich über Werbung und Sponsoring, meint Bosseler. Wie das genau funktionieren soll, beschäftigt derzeit die Stadtverwaltung. Man mache sich Gedanken über Vermarktung und Vertrieb, sagt Stadt-Pressesprecher Hans Poth.

Das womöglich elektronisch nachvollziehbare Verhalten des Nutzers im Internet liefere dabei interessante Daten für die Wirtschaft, glaubt Bosseler. Unter einem kostenlosen Zugang stellt er sich aber etwas anderes vor: „Ich will auch nicht mit meinen persönlichen Daten bezahlen“, sagt er, „etwa mit meiner Handynummer.“

Auch SPD-Fraktionschef Michael Servos hätte es gerne etwas kostenloser gehabt, rechnet dabei aber weniger in Daten sondern in richtigem Geld. Das zahle der Nutzer zwar nicht, wenn er surfend in einem Café sitze und sich nach einer halben Stunde einen Gratis-Voucher mit dem Zugangscode geben lasse. „Man ist damit aber gezwungen, etwas zu konsumieren“, sagt Servos.

Die SPD, die das WLAN-Thema mit einem Antrag Ende 2013 aufs Tapet gebracht hatte, sähe als Vertragspartner lieber ein größeres Konsortium, an dem etwa auch das Eurogress oder der aachen tourist service beteiligt sein sollten. Dort könnten sich die Nutzer dann ohne Verzehrzwang den Zugangscode besorgen. Ein „gescheites Konsortium“ steht auch auf der Wunschliste von Felix Bosseler, ansonsten aber sind der Ex-Pirat und der SPD-Fraktionschef keineswegs nah beieinander. Bosseler hält den nun geschlossenen Kooperationsvertrag für „viel Tamtam um praktisch nichts“, Servos spricht dagegen vom „Spatz in der Hand“. Besser als die Taube auf dem Dach sei diese Art von WLAN-Zugang allemal, auch wenn es nicht das Optimale sei.

Besser wäre es nach Ansicht von Felix Bosseler gewesen, wenn die Stadt stattdessen das sogenannte Freifunk-Projekt unterstützt hätte. Diese nicht-kommerzielle Initiative arbeitet am Aufbau selbstverwalteter lokaler Computernetzwerke. Sie bietet nach Ansicht von Felix Bosseler auch womöglich die Chance, die gefürchtete „Störerhaftung“ zu umgehen. Gemeint ist damit der Ärger, den sich jemand mit einem unzureichend gesicherten WLAN-Zugang einhandelt, wenn dann auf diesem Weg rechtlich zu beanstandende Inhalte verbreitet werden. Ohne diese leidige Störerhaftung wäre das frei zugängliche WLAN wohl gar kein großes Problem, meinen Bosseler und Servos übereinstimmend.

Für NetAachen ist es übrigens auch keins, denn das Unternehmen kann sich in Sachen Störerhaftung auf ein sogenanntes Providerprivileg berufen.

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