Aachen - Neuzugänge am Theater teilen sich ein Büro und so manche Auffassung

Neuzugänge am Theater teilen sich ein Büro und so manche Auffassung

Von: Martina Rippholz
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Harald Wolff (l.) und Michael
Harald Wolff (l.) und Michael Dühn sind die neuen Dramaturgen am Theater. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das Aachener Publikum hat es Michael Dühn und Harald Wolff schon jetzt angetan. Offen, interessiert und kommunikativ - das bescheinigen die Dramaturgen den Öchern. Und das, obwohl beide erst seit wenigen Wochen in der Kaiserstadt weilen.

Der 34-jährige Dühn und der 41-jährige Wolff sind zwei Neuzugänge des Stadttheaters, als Musikdramaturg und als Dramaturg fürs Schauspiel unterstützen sie künftig die Regisseure und den Dirigenten bei der Produktion der Stücke.

Wie für alle anderen Theatermacher startete auch ihre Spielzeit Mitte September mit dem traditionellen Theaterfest. Dort waren beide begeistert von den unkonventionellen Formaten. Mit Umfragen, Speed-Dating und Opernkaraoke klappte der lockere Austausch zwischen Mimen und Musikern auf der einen und den Besuchern auf der anderen Seite. „Wir treffen hier auf ein sehr aufmerksames Publikum”, resümiert Harald Wolff, während er entspannt im Korbstuhl zwischen den Säulen vor dem großen Haus sitzt. Die meisten Vorstellungen seien nahezu ausverkauft, die Aachener sehr theaterinteressiert.

„So schlimm wars ja gar nicht”

Sein neuer Kollege neben ihm nickt bestätigend. Er hat die Offenheit der Öcher gleich nach dem 1. Sinfoniekonzert im Eurogress eins zu eins zu spüren bekommen. Das nicht ganz leicht zugängliche Programm mit drei Orchesterstücken von Alban Berg, Richard Strauss „Vier letzten Liedern” und Ludwig van Beethovens fünfter Sinfonie kommentierte eine Zuschauerin ihm Gegenüber mit: „So schlimm wars ja gar nicht.” Dühn schmunzelt. „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch. Das macht Spaß.”

Einige Aufführungen haben Dühn und Wolff nun hinter sich - die Fledermaus von Strauß, Michael Kohlhaas und den Woyzeck. Nicht zuletzt die Programmauswahl hat sie in den Westzipfel der Republik gelockt. „Woyzeck ist ein toller Einstieg”, sagt Schauspiel-Dramaturg Wolff. „Das Stück riskiert viel.” Der 41-Jährige war zuvor in Neuss, Tübingen und Braunschweig angestellt, nachdem er in seiner Geburtsstadt Kiel nach dem Germanistik-Studium lange Zeit in der freien Theaterszene tätig war. Aachen stand schon längere Zeit auf seiner Wunschliste. „Das Theater hat einen mutigen Spielplan. Das strahlt aus.” Als die Stelle in Aachen ausgeschrieben ausgeschrieben wurde, stand für Wolff fest: „Da versuchst Du es jetzt.”

Auch Dühn verfolgte in der Vergangenheit bereits das Musiktheater in Aachen. „Die erfolgreiche Arbeit von Marcus R. Bosch kriegt man natürlich mit”, sagt er. Auch, wenn der 34-Jährige bis vor Kurzem noch knapp 500 Kilometer weiter südlich in Freiburg arbeitete. Zuvor war der gebürtige Berliner neben dem Studium unter anderem an der Komischen Oper tätig, danach als Produktionsleiter bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Dühn freut sich auf jede einzelne Aufführung der laufenden Spielzeit: auf die Hochzeit des Figaro beim Mercedes Benz-Konzert im November, auf Tristan und Isolde und King Arthur im kommenden Frühjahr.

Was aber sowohl Dühn als auch Wolff noch wichtiger ist als die konkrete Stückauswahl, ist die Programmatik. „Was wird angestrebt? Was will man? Wen holt man? Das sind die Fragen, auf die es ankommt”, erklärt Wolff. Und die richtigen Antworten darauf haben beide in Aachen gefunden. Wolff: „Bei der Umsetzung der Stücke, auch der Klassiker, geht es immer um das Hier und Heute. Was bedeutet ein Text von Büchner für uns heute? Wer sind wir? Und wo wollen wir hin?” Dühn: „Es geht darum, politische Fragen zu stellen, auch dort, wo man sie auf den ersten Blick nicht vermutet.”

Ort der Auseinandersetzung

Dass die Bühne der ideale Ort für diese Auseinandersetzung ist, da sind sich die beiden Dramaturgen einig. „Im Theater sind alle Menschen physisch präsent. Die perfekte Basis für Reaktionen und Diskussionen.” Keinesfalls müsse es dabei immer bitterernst zugehen. „Das Theater muss unterhalten. Das hat schon Brecht gesagt”, betont Dühn. „Ja, Theater ist sexy! Es muss mich anmachen”, fügt Wolff an. Wieder nickt Dühn, mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Die Chemie zwischen den beiden „Neuen” scheint zu stimmen. Eine gute Voraussetzung. Zwar arbeiten sie in verschiedenen Sparten und meist getrennt voneinander. Aber sie teilen sich ein Büro. „Bei einer Tasse Tee” können sie sich dort künftig ausführlich austauschen: über Ansichten, Inhalte, die Arbeit und das Leben in Aachen. Und das Theaterpublikum, das interessierte, kommunikative.
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