Aachen - Neues Radargerät kann fünf Spuren überwachen

Neues Radargerät kann fünf Spuren überwachen

Von: Heiner Hautermans
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Blitze
Das Einheitssensor-Radarmessgerät ESO, das am Donnerstag in voller Aktion an der Krefelder Straße vorgestellt wurde, macht gestochen scharfe Bilder von Fahrer und Kennzeichen. Von vorne und von hinten. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Der berühmte Vetter aus Kanada, der angeblich den (deutlich zu schnellen) Wagen gefahren hat, früher eine sehr beliebte Ausrede ertappter Fahrzeughalter, zieht nicht mehr, denn : Das Einheitssensor-Radarmessgerät ESO, das am Donnerstag in voller Aktion an der Krefelder Straße vorgestellt wurde, macht gestochen scharfe Bilder von Fahrer und Kennzeichen.

Von vorne und von hinten, letzteres soll gezielt Motorradfahrer zur gemäßigter Fahrweise anhalten. Einige Monate hat es gedauert, bis die Ende letzten Jahres der Aachener Polizei vom zuständigen Landesministerium zur Verfügung gestellte Anlage auf den Straßen des Westzipfels eingesetzt wurde. Polizeikommissar André Engels und Polizeikommissar Ralf Meeßen erläuterten vor Ort (in Höhe alte Tivolibrücke) die Funktionsweise der alles in allem 180.000 Euro teuren Messmöglichkeit.

Kernstück ist ein am Rand der Fahrbahn aufgestelltes Gerät, das in 80 Zentimeter Höhe die Entfernung und den Abstand zum gemessenen Fahrzeug sowie seine Geschwindigkeit misst - bis zu einem Höchsttempo von 250 km/h. Meeßen: „Es kann auch noch höher eingestellt werden.“ Die Anlage ist von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassen und wird von den Gerichten inzwischen anerkannt. Das Prinzip beruht auf der Weg-Zeitmessung, die Geschwindigkeit ergibt sich aus der Messbasis und der Zeit, in der das Fahrzeug die Messbasis durchfährt. Erstellt wird ein Helligkeitsprofil, aus dem zeitlichen Versatz wird dann die Geschwindigkeit errechnet. Und das nicht nur für eine Spur, sondern auf einer Fahrbahnbreite bis zu 18 Metern. Das bedeutet konkret, etwa für die Trierer Straße: Alle Spuren können überwacht werden, stadteinwärts und stadtauswärts. Durch die Abstandsmessungen sind genaue Zuordnungen möglich, welches Fahrzeug welches Tempo drauf hatte. Zwei Kameras knipsen von vorne und von hinten. Sogar in Kurven kann gemessen werden Einzige Beständigkeit für Geschwindigkeitssünder: Der Blitz ist nach wie vor dabei. Wer also erwischt wird, weiß dann Bescheid - angehalten wird bei ESO - wie beispielsweise bei Messungen mit der Radarpistole- nicht mehr. Übertragen werden die Daten in ein dazugehöriges Fahrzeug, wo auf einem Monitor die Messungen genau verfolgt werden können. Abends werden sie per Stick ausgelesen und den Kollegen zur Weiterverfolgung gegeben.

Die alte Philosophie, punktuell Kontrollen vorzunehmen und mahnende Gespräche mit den Erwischten zu führen, hat die nordrhein-westfälische Polizei inzwischen aufgegeben. „Uns geht es nicht darum, mit Heckenschützenmethoden jemand abzugreifen, wir wollen das Bewusstsein wecken“, erläutert Polizeirat Bernhard Kleefisch. „Unser Ziel ist, dass keiner mehr zu schnell fährt. Das soll sich herumsprechen, dass wir hier stehen.“ Deshalb werde auch jede Messstelle im Internet angekündigt. Der potenzielle Raser solle eine allgemeine Unsicherheit entwickeln, im Fachjargon heißt das, dass das „subjektive Entdeckungsrisiko“ erhöht wird. Denn auch die Wissenschaft hat sich mit der Thematik beschäftigt und den Wechsel der Einsatzziele begleitet. „Sogenannte verkehrspädagogische Gespräche bringen nicht viel. Wir wollen alle Verkehrsteilnehmer erreichen, und jeder soll sich verkehrsgerecht verhalten.“ Deshalb steht man auch stundenlang, mitunter tagelang an einer Einsatzstelle wie am Donnerstag an der Krefelder Straße. Die Ausbeute: 2000 Fahrzeuge wurden kontrolliert,103 waren zu schnell, ein Fahrverbot erhielt der Spitzenreiter, der statt 50 km/h mit Tempo 82 unterwegs war. Das bedeutet für ihn: ein Monat Fahrverbot, 160 Euro Bußgeld und 3 Punkte in Flensburg.

Das große Ziel ist nämlich, den Killer Nr. 1 auf den Straßen, die überhöhte Geschwindigkeit, weiter zu minimieren. Ein Etappenziel ist immerhin fast schon erreicht: Die Halbierung der Zahl der schweren Unfälle innerhalb von zehn Jahren. 2004 waren es noch 488 Zusammenstöße, bei denen Menschen schwer verletzt oder getötet wurden, 2012 sank die Zahl auf 259. 2014 hofft man, die 50 Prozent erreicht zu haben. Klar ist aber: „Die Beeinflussung von Verkehrsteilnehmern geht in der Regel über den Geldbeutel. Wenn es dann noch in Richtung Fahrverbot geht, wird es schmerzhaft,“ sagt Polizeirat Kleefisch.

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