Aachen - Neuer Vorstoß zur Auslagerung der Bordellmeile

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Neuer Vorstoß zur Auslagerung der Bordellmeile

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Hinteransicht der Häuser
Die Hinteransicht der Häuser in der Antoniusstraße lässt erahnen, welcher tiefer Standard in den dortigen Lokalitäten herrscht. Frauenhandel und Zwangsprostitution sind in Aachen keine Einzelfälle. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Antoniusstraße, Aachens Bordellmeile, rückt wieder ins Zentrum der Kritik. Ein Antrag des Ratsherrn Hans-Dieter Schaffrath (FWG) thematisierte im Planungsausschuss erneut die Strukturen im Aachener Rotlichtbezirk, der mitten in der Stadt nahe dem Rathaus beheimatet ist.

Schaffrath will die Bordellstraße komplett in ein Eros-Center am Stadtrand verlegen. Dabei soll die Verwaltung nach geeigneten Immobilien und Investoren Verhandlungen aufnehmen. Denn Interessenten seien, wie er wisse, zweifellos vorhanden, erklärte Schaffrath. Sie aber wolle er nur in nichtöffentliche Sitzung bekannt geben.

Bereits vor Jahrzehnten gab es Pläne, die inzwischen mehrheitlich heruntergekommenen Herberger für die Freier und deren Dienstleisterinnen im horizontalen Gewerbe in die Außenbezirke der Stadt zu verlegen. Das wollte Ende der 80er Jahre bereits der ehemalige Aachener SPD-Vorsitzende Dieter Schinzel, die Umsetzung scheiterte am Koalitionspartner „Die Grünen”.

Dann war es wieder Schaffrath, der noch als FDP-Mann das Bordell verlegen wollte. Und auch die liberale Bundestagsabgeordnete Petra Müller machte massiv gegen den das Sträßchen mobil, die FDP-Fraktion mit Ratsherrin Sigrid Moselage folgt der Haltung bis heute und bekräftigte dies erneut im Planungsausschuss.

Müllers damaliges Hauptargument hat sich inzwischen als durchgängige Erkenntnis durchgesetzt. Die hygienischen, baulichen und sozialen Bedingungen, unter denen die „Liebesarbeiterinnen”, wie sie ihre Gewerkschafterinnen gerne nennen, dem täglichen Gewerbe nachgehen müssen, sind in der Antoniusstraße katastrophal und nach modernen Maßstäben nicht mehr haltbar.

Das bestätigt auch der Verwaltungsbericht als Antwort auf die Schaffrath-Anfrage. Darin heißt es: „Die Frage, ob oder wie die Prostitution in der Antoniusstraße sich entwickeln soll, ist erst in zweiter Linie eine städtebauliche. In erster Linie handelt es sich um eine soziale Frage, deren Komplexität sich durch vielfach geteilte Besitzverhältnisse der Parzellen und der damit verbundenen einzelökonomischen Interessen erhöht wird, was Lösungen sehr erschwert.” Heißt im Klartext: Die Bordellbesitzer sind oftmals nicht bekannt oder zugänglich, die Behörden treffen meist nur die nachgeordneten Hauswirtschafter an.

Menschenhandel

Im Ausschuss wurde auch thematisiert, dass sich in der Antoniusstraße regelmäßig Fälle von Menschenhandel und zwangsweiser Prostitution sowie Körperverletzungen bis hin zu Schießereien unter den Zuhältern abspielen. Neben der inzwischen fragwürdigen Behauptung, die Frauen seien in der Innenstadt besser aufgehoben, tritt die Erkenntnis, dass auch die Polizeibehörde immer mehr Kraft aufwenden muss, um das Milieu im Sträßchen zu überwachen. So meinte auch Ratsherr Claus Haase (SPD), dass die Ordnungsbehörden in einem einheitlichen Bordellbetrieb, wie es ein Eros-Center ist, die Sache besser im Griff hätten.

Haase zeigte allerdings auf, dass jede geplante Verlagerung des Prostitutionsbezirks bei den dann betroffenen Anwohnern größte Proteste auslösen würden. Doch das reicht nicht zum Nichtstun, meint Schaffrath. „Es ist eigentlich keine Sache der politischen Vertreter, geeignete Liegenschaften zu suchen. Wir können allerdings die Verwaltung beauftragen, in dieser Angelegenheit tätig zu werden.”

Ein großes Problem sind in der Tat die geänderten Besitzverhältnisse in der Antoniusstraße. So tauchten bei einer Anhörung zum Thema Prostitution, zu der die Stadt Vertreter des sogenannten Dortmunder Modells eingeladen hatte, eine stattliche Reihe von Bordelleignern aus der Antoniusstraße auf. Sie machten damals deutlich, dass sie eigentlich nichts gegen eine Verlagerung einzuwenden hätten - falls sie entsprechend bei neuen Betrieben berücksichtigt würden.

Doch inzwischen haben sich in der Antoniusstraße auch Rockerbanden wie die hinlänglich bekannten „Bandidos”, die neben der Prostitution vor allem im grenznahen Drogenhandel engagiert sein sollen, breit gemacht. Sie in eine Front mit Investoren einzureihen, die Geschäfte mit einem Eros-Center machen wollen, ist schwierig. So steht die städteplanerische Entwicklung des innerstädtischen Filetstücks weiterhin auf der Kippe. Auch das Projekt von Helmut Falter, Eigentümer der Mayerschen Buchhandlung, an der Ecke von Nikolaus- und Antoniusstraße einen Hauskomplex mit kleinen Geschäften zu bauen, setzt voraus, dass die Antoniusstraße zumindest verkürzt wird.
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