Aachen - Neuer Strompreis mit „altem” Aufschlag

Neuer Strompreis mit „altem” Aufschlag

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
speicher_bu
Es wird anders gezählt: Das alte Sonderabkommen N für Kunden, die mit Strom heizen, ist gekündigt. Die Stawag bietet ihnen nun einen neuen Tarif an, der teurer ist. Allerdings wären auch nach dem alten Abrechnungsmodell Preiserhöhungen unvermeidlich gewesen, sagt das Versorgungsunternehmen. Foto: imago-stock/Thomas Frey

Aachen. „Unser Verwöhnstrom” - mit diesem Werbeslogan der Stawag kann Maria Mustermann (ihr wirklicher Name ist der Redaktion bekannt) derzeit nicht viel anfangen. Verwöhnt fühlt sie sich keineswegs von dem Versorgungsunternehmen, das ihr den neuen Tarif „StromSTA Heizung” beschert hat.

Die junge Frau gehört zum relativ exklusiven Kreis von etwa 2800 Aachenern, die ihre Wohnungen noch mit Strom beheizen. Das war mal mehr in Mode. In den 1950er und 1960er Jahren galten Nachtspeicherheizungen als Alternative zu Kohle- oder Ölöfen. Weil den Stromerzeugern an einer gleichmäßigen Auslastung ihrer Kraftwerke gelegen war, lockten sie mit niedrigen Tarifen in den Nachtstunden. Dann wurden die Speicher der Heizungen günstig aufgeladen, später gaben sie die gebunkerte Wärme ab. Als sonderlich effizient galten die Geräte nicht, bei einem wachsenden Umweltbewußtsein und steigenden Strompreise verloren die Heizsysteme später ihre Reize.

„Nicht mehr zeitgemäß”

Doch die Wohnung von Maria Mustermann am Stadtrand hat eben keine andere Heizung: Bei ihr kommt die Wärme durch die Stromleitung und wurde bislang von der Stawag unter dem „Sonderabkommen N” abgerechnet. Das sei aber nicht mehr „zeitgemäß”, teilte die Stawag der geschätzten Kundin im Herbst vergangenen Jahres mit, die „Preisanpassungsklausel” mit einer Bindung an die „Primärenergie Kohle” sei überholt.

„Früher war die Kohle die Referenz bei der Preisfindung”, erklärt Stawag-Sprecherin Eva Wußing, „aber diese alte Preisformel passt nicht mehr in die Welt.” Heute werde bei der Kalkulation darauf geschaut, was der Strom wirklich koste. „Wir beschaffen Energie zu anderen Konditionen”, so Wußing, „und müssen mit den Kunden anders abrechnen”. Das neue Abrechnungsmodell hört nun auf den Namen „StromSTA Heizung” und ist nach den Worten von Eva Wußing ein „neues Produkt”.

Maria Mustermann versteht es dagegen schlicht als Preiserhöhung und hat ihre Mehrkosten schon mal ausgerechnet. „Ich müsste etwa zehn Euro im Monat mehr bezahlen.” Kein Wunder also, dass sie nach der Kündigung ihres Sonderabkommens durch die Stawag nicht mit fliegenden Fahnen zu „StromSTA Heizung” wechseln wollte. Mit gleichfalls betroffenen Nachbarn suchte sie Rat bei Verbraucherschützern, die eine solche Preiserhöhung für nicht ausreichend begründet hielten.

Dass Maria Mustermann und ihre Mitstreiter nach einigem Schriftwechsel mit dem Versorgungsunternehmen letztlich doch die neuen Verträge unterzeichneten, lag an der drohenden Alternative: Die Stawag hätte sonst die „Grundversorgung” abgerechnet, also keinen günstigeren Nachtstrom mehr. Und so wurde die junge Frau zum Jahreswechsel StromSTA-Heizung-Kundin wider Willen und zahlt ihre Rechnung einstweilen „unter Vorbehalt und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht”. Von ihrem Versorgungsunternehmen erwartet sie eine „prüffähige Offenlegung der Kalkulationsgrundlagen”, bislang fehlt ihr „nach wie vor eine Begründung für diese Preise”.

Anders gerechnet

Bisherige Erklärungsversuche der Stawag führten eher zu weiterer Verwirrung. So schrieb ihr das Unternehmen noch vor wenigen Wochen, beim neuen Tarif handele es sich keineswegs um eine „versteckte Preiserhöhung”. Man habe Maria Mustermanns persönlichen Stromverbrauch einmal genau durchgerechnet und komme auf gerade mal vier Euro Mehrkosten pro Jahr, was einer Steigerung von etwa 0,5 Prozent entspreche. Die beachtliche Differenz kann die Kundin nicht nachvollziehen. „Wie kommt die Stawag auf diese vier Euro?”

Die Antwort von Unternehmenssprecherin Wußing wurzelt da ganz tief im Konjunktiv: „Wenn es bei der alten Formel mit der Preisbindung an die Kohle gebleiben wäre, hätten wir auch erhöhen müssen.” Die Steigerung beziffert sie auf rund 13 Prozent „im Durchschnitt, es kommt ja immer auf das persönliche Abnahmeverhalten und die Sortierung der Verbrauchszeiten an”. Und wenn dieser theoretische Aufschlag beim alten Sonderabkommen N in die Kalkulation eingerechnet werde, komme man im Falle der Kundin Mustermann auf besagte vier Euro pro Jahr. Im neuen Tarif ist also die Erhöhung des alten schon drin.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert