Aachen - Neuer Imam: Als Seelsorger von morgens bis abends auf Tour

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Neuer Imam: Als Seelsorger von morgens bis abends auf Tour

Von: Georg Dünnwald
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Als Religionsbeauftragte haben sie viele Verpflichtungen: Ayse Baris und Mustafa Necati-Baris mit Sohn Mohammed Emre (6) und Tochter Fatma Zehra (4). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nur noch zwei Jahre bleiben ihnen in Aachen, dann müssen Ayse Baris und Mustafa Necati-Baris wieder in die Türkei zurück. Denn die vom türkischen Staat entlohnten Religionsbeauftragten dürfen nicht länger als fünf Jahre am Stück in den Ländern verweilen, in die sie das Amt für religiöse Angelegenheiten, das direkt dem türkischen Ministerpräsidenten untersteht, schickt. Der unmittelbare Vorgesetzte beider ist der Attaché am türkischen Generalkonsulat in Köln.

Das Ehepaar – beide sind 32 Jahre alt – ist seit kurzem an der Yunus-Emre-Moschee eingesetzt, er als Imam, sie als Predigerin. Ayse Baris ist für Kinder, Jugendliche und Frauen zuständig. Außerdem ist die Diplom-Theologin und Mutter zweier Kinder, des sechsjährigen Mohammed Emre und der vierjährigen Fatma Zehra, für die Frauen-Seelsorge in der gesamten Städteregion und darüber hinaus zuständig.

„Ich bin ständig auf Achse“, sagt sie. Denn vormittags besucht sie mit ihrem Ehemann, der auch in Aachens großer Justizvollzugsanstalt als Gefängnisseelsorger tätig ist, einen Deutschkurs an der Volkshochschule. „Wir verstehen Deutsch, aber mit dem Sprechen hapert‘s ein wenig“, geben beide zu, während ihre Kinder munter auf Deutsch losplappern.

Seit dem Beginn des diesjährigen Ramadan am 8. Juli ist das Ehepaar an der Yunus-Emre-Moschee, einer Gemeinschaft der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion – Ditib“, eingesetzt. Vorher war Mustafa Necati-Baris – ein promovierter Diplom-Theologe – als Imam in Eschweiler tätig, während Ayse Baris dort auch schon für die Frauen- und Jugendseelsorge in der Städteregion und darüber hinaus zuständig war.

„In Aachen ist es schon anders, besser einfach und vor allem anspruchsvoller“, sagt Mustafa Necati-Baris. Das Ehepaar stammt aus Ankara. „Ankara ist eine Großstadt“, erklärt sie, „und Aachen eben auch“. In einer Großstadt seien die Gegebenheiten andere, auch die Jugendarbeit umfangreicher, das Leben vielfältiger. Der Imam: „Hier gibt es mehr Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Da einfache Arbeiter, dort Hochschulangehörige.“ Die Ansprüche der Gläubigen in einer Großstadt seien höher, die Motivation für muslimische Theologen, die das Gemeindeleben leiten, sei daher auch größer.

Der Tag der beiden ist sehr ausgefüllt, trotzdem macht das Ehepaar einen ruhigen und ausgeglichenen Eindruck. Er beginnt früh morgens nach dem Aufstehen mit dem „Fertigmachen“ der Kinder, der sechsjährige Mohammed Emre muss schließlich in die Eilendorfer Montessori-Grundschule gebracht werden.

Dann ist der Deutsch-Unterricht angesagt, nach dem Mittagsgebet in der Behelfsmoschee an der Stolberger Straße „empfangen wir Besucher zu seelsorgerischen Gesprächen, während meine Frau oft unterwegs in anderen Orten ist“.

Die Gespräche gehen häufig bis in den frühen Abend, zwischendurch stehen Hausbesuche oder Besuche im Gefängnis an, dann Abendgebet und Nachtgebet, das zurzeit etwa um 21 Uhr verrichtet wird, im Sommer aber durchaus auch erst um Mitternacht oder noch später. „Wann, das bestimmt der islamische Kalender“, beschreibt Dr. Mustafa Necati-Baris.

An Nachmittagen geben der Imam und die Predigerin häufig Religionsunterricht oder leiten Treffen mit Jugendlichen. „Die Herausforderungen haben es intellektuell und auch zeitlich in sich“, versichern beide. Ayse Baris hat eine Zusatzausbildung als Ehetherapeutin: „Ich berede mit Frauen aus unterschiedlichen Schichten viele Probleme“, sagt sie etwas vage.

Als Geistliche darf sie nicht von den konkreten Problemen erzählen. Mustafa Necati-Baris berichtet, dass ihn nicht nur türkische Muslime aufsuchen, wenn sie in Schwierigkeiten sind, „Auch Araber, Menschen aus Bosnien, Afrikaner, Afghanen, Pakistani und, und, und, kommen und wollen Rat.“ Als Gefängnisseelsorger („eine für mich neu Herausforderung“) soll er eigentlich alle zwei Wochen für einige Stunden die JVA aufsuchen. Aber das darf er erst, wenn das Justizministerium ihm eine Sondergenehmigung ausstellt. Die ist beantragt und wird in der Regel erteilt.

„Am Ende des Ramadan bieten wir eine Gebetsfeier in der Justizvollzugsanstalt an, und der Imam darf jeweils zwölf Insassen an den Besuchstagen empfangen“, erklärt dazu Abdurrahman Kol, der Vorsitzende der Ditib-Gemeinde der Yunus-Emre-Moschee.

Imam Necati-Baris war bereits kurze Zeit im Ausland eingesetzt. „Drei Monate war ich in einem Vorort von Lyon, einen Monat in Rotterdam“, sagt er und zieht den Vergleich: „In Deutschland ist alles aufgeschlossener und sortierter.“

Beiden Geistlichen ist es wichtig, für Verständnis und Toleranz zu werben: „Der Islam ist eine aufgeschlossene Religion“, wenden sie sich gegen Vorurteile.

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