Neuer Domorganist: Michael Hoppe stellt sich mit Konzert vor

Von: Gerhard W. Kluth
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Ein glänzender Techniker: Der neue Domorganist Prof. Michael Hoppe überzeugte bei seinem Vorstellungskonzert an der Klais-Orgel im Aachener Münster. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Lang anhaltend und begeistert war der Schlussapplaus, der den Aachener Dom erfüllte, als sich der neue Domorganist in einem Konzert vorgestellt hatte. Eine verdiente Zustimmung für Professor Michael Hoppe. Er nutzte den Abend, sich nicht nur als glänzender Techniker am Spieltisch der Domorgel zu präsentieren, sondern er zeigte auch, dass er die Tiefen der Musik zu ergründen weiß.

Und das er eine gehörige Portion Humor besitzt und nicht unbedingt den ausformulierten Text einer Komposition braucht, um sein Instrument vielsagend erklingen zu lassen.

Keineswegs verstaubt

Sein Programm hatte er aus Werken von Johann Sebastian Bach, César Franck, Jon Laukvik und Maurice Duruflé zusammen gestellt und allein damit schon einiges über sich selbst ausgesagt. An den Anfang stellte er Bachs Präludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, unterbrochen vom Choralvorspiel „Schmücke dich, o liebe Seele“, BWV 654.

Insbesondere durch die Fuge, die mit ihren drei Themen als ein Sinnbild der Dreifaltigkeit angesehen wird, symbolisierte er, dass er seine neue Aufgabe als einen Gottesdienst ansieht. Unterstrichen wurde diese Aussage durch das „Gebet“, Opus 20, von Franck. In Hoppes Interpretation hatte dieses Werk einen deutlich bittenden Charakter.

Orgelmusik muss nicht verstaubt klingen, nicht „antiquiert sein“, wie Hoppe selbst sagt. Er belegte diese Aussage durch die Jazz-Suite von Laukvik, die er mit Verve in Klang umsetzte. Manch einem Zuhörer zauberte diese Komposition ein deutliches Schmunzeln ins Gesicht.

Duruflé ist einer der großen Meister des letzten Jahrhunderts aus Paris. Sein Œuvre findet sich leider nur selten auf Konzertprogrammen. Mit Prélude et Fugue sur le nom d’Alain verneigte sich Hoppe gleich vor zwei Vertretern des französischen Zungenschlags, denn das Werk ist dem ebenfalls sehr bedeutenden Jean Alain gewidmet, der viel zu früh sein Leben im zweiten Weltkrieg lassen musste.

An das Ende des Abends setzte Hoppe eine Improvisation, mit der er der Stadt Aachen seine Reverenz erwies. Immer wieder leuchtete in den symphonischen Klängen die Melodie des „Urbs aquensis“ auf.

Welche Botschaft stand nun auf der Visitenkarte, die der 1966 geborene neue Domorganist an seiner Wirkungsstätte hinterließ und die sogar live ins aktuelle Programm des Westdeutschen Rundfunks eingespielt wurde? Zunächst einmal, dass seine technischen Qualitäten mehr als nur beeindruckend sind.

Man mag darüber streiten können, ob seine Tempi für Bach nicht ein wenig überzogen waren, wodurch der heilige Geist in der Fuge etwas flüchtig wirkte. Dafür aber, dass er dieses Werk bewältigte, ohne auch nur einmal die Leitplanken zu touchieren, ohne je in eine schwierige Situation zu geraten, konnte man ihm nur den größten Respekt zollen.

Hoppe zeigte auch, dass er eine besondere Affinität zur französischen Musik hat und, für dieses Genre unabdingbar, bestens mit den Klangfarben einer Orgel zu agieren weiß.

Spagat zwischen Alt und Neu

Seine Registrierungen waren ausnahmslos überzeugend, ließen die große Klais-Orgel sehr authentisch wirken. Die hohe Kunst der Improvisation wird in Organistenkreisen mehr als bei anderen Musikern in Ehren gehalten. Auch hier belegte Hoppe, dass er ein Meister seines Fachs ist.

Die deutschen Kathedralen haben nicht zuletzt auch musikalisch eine besondere Führungsrolle in den Bistümern. Mit Hoppe, das war deutlich erkennbar, wird die Aachener Mutterkirche auf dem Gebiet der Orgelmusik dieser Aufgabe gerecht werden. Er hat die Gabe, den Spagat zwischen dem Altehrwürdige (Bach) und dem Neuen (Laukvik) zu bewältigen.

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