Aachen - Neuer Aachener Kunstverein: Klaus Nomi und die Kunst der Inszenierung

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Neuer Aachener Kunstverein: Klaus Nomi und die Kunst der Inszenierung

Von: Martina Feldhaus
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Seine erste Ausstellung als neuer NAK-Direktor hat er dem Avantgarde-Musiker Klaus Nomi gewidmet: Ben Kaufmann. Mit einem Rahmenprogramm will er auch das hiesige Publikum locken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Um das große Thema Selbstinszenierung dreht sich derzeit alles im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) im Stadtpark. Aus seiner Begeisterung und Faszination für den vor 30 Jahren an Aids gestorbenen Musiker Klaus Nomi heraus hat der neue NAK-Direktor Ben Kaufmann, vormals Berliner Galerist und seit September in Aachen in Amt und Würden, seine erste Ausstellung im NAK konzipiert.

Klaus Nomi, Countertenor, Brückenbauer zwischen Oper, Pop und New Wave, Exzentriker und Performance-Künstler, wurde in Deutschland geboren. Schon bald zog es ihn aber nach New York ins East Village, dorthin, wo die kreative Musik- und Kunstszene Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre pulsierte. Über die Jahre entwickelte sich Nomi immer mehr zu einer Kunstfigur, mit weiß geschminktem Gesicht, ausgefallenen Bühnenoutfits in Plastik und Lack-Optik und genreüberschreitender Musik.

Poster und Fotografien

Im NAK wird Nomi wieder lebendig, anhand von Filmpostern – 2003 widmete sich der US-Regisseur Andrew Horn dem Künstler –, TV-Dokumenten, Radiobeiträgen, Fotografien und Werbeanzeigen. Ben Kaufmann hat Künstler und Weggefährten zur Inszenierungskunst Nomis befragt, diese Interviews laufen vom Tonband in Dauerschleife. Und auch Gegenwartskünstler hat der Direktor eingeladen, ihre Werke in Aachen ins Spannungsfeld zu der New Wave-Ikone zu setzen. Die polnische Künstlerin Agnieszka Szostek, gerade mal Jahrgang 1981 und damit nur zwei Jahre vor Nomis Tod geboren, hat etwa eine Skulptur gebaut, die eine Bühnensituation zeigt – quasi das Symbol für Performance und Inszenierung überhaupt.

Früher Graffiti in der Pontstraße

Und sogar einen Aachener Beitrag gibt es in der Ausstellung: Eine Zeichnung mit dem Konterfei Klaus Nomis zierte einst eine Ziegelwand in der Pontstraße. Wer das Graffiti aufgebracht hat, ist nicht bekannt. NAK-Vorsitzender Werner Dohmen tippt mal auf Klaus Paier, Aachens bekanntesten Wandmaler, lange verschmäht, aber spät doch noch zu Ehren gekommen.

Ben Kaufmann ist seine Begeisterung für Nomi deutlich anzumerken, wenn er erzählt – von der Ausstellung, ihrer Entstehung und dem, was er damit anstellen will. Und das ist etwa nicht, nur versierte Kunstkenner oder New Wave-Fans ins NAK zu locken. Sondern auch solche, die sich für das ganze Thema Selbstinszenierung in Kunst und Musik – schließlich steht sogar die aktuell interessieren - Pop-Queen Lady Gaga in Nomis Tradition.

Deshalb gibt es ein recht umfangreiches Rahmenprogramm zur Schau, das auch das hiesige Kunst-Publikum anlocken soll. Der Horn-Film „The Nomi Song“ , 2004 auf der Berlinale mit dem Teddy-Award ausgezeichnet, wurde bereits im Apollo gezeigt. Eine Diskussionsveranstaltung mit Lufo-Direktorin Brigitte Franzen und Künstler Tim Berresheim, der in Aachen lebt und unter anderem schon mit Skandal-Performer Jonathan Meese zusammenarbeitete, hat es bereits gegeben.

Am kommenden Wochenende geht es jetzt weiter mit Programm: Ein Konzert und eine Performance stehen an – extravagant und experimentell wie es auch Klaus Nomi war. Am Samstag, 9. November, um 14 Uhr führt der Künstler Martin G. Schmid die Performance „Torm“ auf.

Es sind selbstkomponierte Gedichte und Textpassagen, die er vorträgt – in einem Stil irgendwo zwischen Dadaismus und staatsmännischer Rede. „Schmid schwärzt sich für seine Auftritte die Zähne“, erklärt Kaufmann. „Und er spielt mit dem Publikum.“ Es habe auch Überlegungen gegeben, die Performance in der Innenstadt aufzuführen. „Aber im Vorbeigehen ist das schwierig zu kommunizieren“, sagt Kaufmann.

Deshalb also dieser Rahmen, die hellen, weißen NAK-Räume. In denen gibt es ebenfalls am kommenden Samstag ab 20 Uhr noch mal einen hoch inszenierten Auftritt. Die Kölner Elektropop-Band „Hall&Rauch“ ist ab 20 Uhr zu erleben. Die Mitglieder studieren an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Medienhochschule Köln und gelten in der Szene als Hoffnungsträger. Experimentelle Klänge, Lichtspiele und extravagante Gesichtskostümierung, das verspricht NAK-Direktor Ben Kaufmann.

Freier Eintritt

Zu beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei. Und vielleicht ergibt sich danach ja das ein oder andere Gespräch über Selbstinszenierung, über Klaus Nomi...

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