Neue Windräder: Proteste aus Vetschau und Simpelveld

Von: Achim Kaiser und Heiner Hautermans
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Neben den neun Windrädern in
Neben den neun Windrädern in Vetschau sollen vier weitere auf nahe gelegenen Flächen errichtet werden. Proteste dagegen kommen auch aus der niederländischen Nachbargemeinde Simpelveld. Foto: Harald Krömer

Aachen. Auch die Verwaltungsspitze der niederländischen Nachbargemeinde Simpelveld hat bei ihren Aachener Kollegen offiziell Beschwerde gegen die Pläne eingelegt, neue Windkraftanlagen im Aachener Norden zu errichten.

Die Stadt will die Nutzung der Windkraft forcieren, deshalb soll der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Frist für Einwände zur „Änderung 117” ist am Samstag abgelaufen, und die Stadt muss nun sehr viele Einwände bearbeiten. Derzeit sollen elf Rotoren mit einer Höhe von rund 180 Metern auf Flächen in Vetschau sowie im Münsterwald, nahe der Grenze zu Roetgen, errichtet werden.

Bürgermeister und Beigeordnete aus Simpelveld sind der Meinung, dass sie schon beim Bau der bereits dort stehenden Windräder zu wenig einbezogen worden sind. Auch das jetzige Beteiligungsverfahren entspreche nicht den Grundsätzen guter Nachbarschaft, schreiben sie in einem Brief an Oberbürgermeister Marcel Philipp und den Aachener Rat.

Außerdem verweisen sie auf die Geräuschbelästigung durch die Riesenrotoren. Die Stadt Aachen könne deshalb nicht mit einer Unterstützung dieser Bauvorhaben im Landschaftsschutzgebiet durch die Gemeinde Simpelveld rechnen, heißt es in dem Schreiben weiter.

Dem Thema Infraschall und Lärm widmet sich auch die Bürgerinitiative Windparkprotest Vetschau. Sie hat auch bei der Verwaltung offiziell Beschwerde gegen die Planungen im Bereich Vetschauer Weg/Bocholtzer Weg eingelegt. „Die schädlichen Auswirkungen von Infraschall auf die Gesundheit der in der Nähe lebenden Menschen wurde von der Stadt wiederholt kleingeredet.

Auch sind bei der Planung keine Sicherheitsabstände eingeplant, obgleich wissenschaftliche Hinweise für eine erhebliche Schädlichkeit von Infraschall auf den Menschen sprechen”, steht in dem Schreiben. Wissenschaftliche Untersuchungen mit Blick auf die Infraschallauswirkungen von Mega-Windkraftwerken der geplanten Bauart auf die Gesundheit des Menschen habe die Stadt nicht vorgelegen können. „Gerade nachts, wenn der Lärm der Autobahn nicht mehr vorherrschend ist, sind die Belastungen durch die Windkraftanlagen in der zur Erholung vom Tageslärm wichtigen Nachtzeit besonders nachteilig und störend.”

Und so folgert die Initiative: „Statt den Menschen im Bereich Vetschau immer mehr Lärmquellen zuzumuten, wäre vielmehr eine Lärmminderungsplanung zur Reduktion von Lärm erforderlich und längst überfällig.”

Ähnlich wie die Gemeinde Simpelveld begründet auch die Bürgerinitiative ihren Widerspruch mit „Mängeln im Verfahren”: Schon der bestehende Windpark „Butterweiden” sei illegal in „Salamitaktik”, Einzelanlage für Einzelanlage, ohne die erforderlichen immissionsschutzrechtlichen Prüfungen genehmigt worden. Diese Art Genehmigungspraxis sei 2004 im sogenannten „Windfarm-Urteil” gerichtlich für illegal erklärt worden.

Die von der Stadt vorgesehene Fläche für weitere Windräder, folgert die Initiative, „muss wegen des räumlichen Zusammenhangs als Fortsetzung dieser illegalen Genehmigungspraxis angesehen werden”.

Insgesamt listen die Gegner des Windparks neun Gründe auf, die ihre Beschwerde untermauern sollen. Neben „Salamitaktik” und Lärmbelästigung werden auch die „unfaire Planung zuungunsten der Anwohner und zugunsten der Betreiber” sowie der Komplex Artenschutz thematisiert. So seien keinerlei Gutachten zu den Auswirkungen der Planungen auf Fledermäuse erstellt worden.

Bemängelt werden zudem unzureichende Schattenwurfprognosen, Wertminderung von Grundstücken und Immobilien und die Aufhebung der Höhenbegrenzung von 100 Metern. Sie sei wirtschaftlich nicht notwendig und daher unbegründet: „Der Wunsch seitens der Betreiber nach höheren Anlagen, in diesem Fall von fast doppelter Höhe, dient allein der Profitmaximierung der Betreiber zum Schaden aller Menschen in der Umgebung. Einige wenige machen Geld auf Kosten und zu Lasten der Menschen in der Umgebung.”

Schließlich könne man der politischen Argumentation der schwarz-grünen Mehrheitsfraktionen nicht folgen, die sich aus Klimaschutzgründen, also zur CO2-Reduktion dazu verpflichtet fühle: „Dieses Argument ist wissenschaftlich widerlegt. Weil Windkraftanlagen nicht mit in das C02-Emissions-Handels- und Minderungsprogramm eingebunden sind, mindern sie bislang kein Gramm CO2 und können folglich auch kein CO2 reduzieren.

Schlussfolgerung der Initiative: „Statt ideologische Schnellschüsse zu machen, ist die Stadt aufgefordert, sorgfältig Standorte zu suchen, die der Vorgabe Nachhaltigkeit, wozu auch der Anwohnerschutz zählt, wirklich gerecht werden. Die Energiewende kann nur mit den betroffenen Menschen gelingen und nicht gegen sie.”

Die zahlreichen Proteste werden in den kommenden Wochen von der Verwaltung geprüft. Wann mit einem abschließenden Ergebnis zu rechnen ist und ob es tatsächlich Einfluss auf die Änderung des Flächennutzungsplans hat, ist offen. Die letzte Entscheidung liegt anschließend beim Rat.
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