Neue Studie: Aachen vorne bei den Kreativ-Städten

Von: Daniel Gerhards
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Aachen. Früh am Tag klingelt das Telefon von Dieter Begaß. Am anderen Ende der Leitung ist ein Unternehmen mittlerer Größe aus der Region, 70 offene Stellen hat der Betrieb. Sie zu besetzen, ist ein echtes Problem. Für den Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen ist klar: Der Fachkräftemangel ist da.

Da die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften für viele Firmen immer wichtiger wird, stellte sich für die Unternehmensberatung „Agiplan” die Frage: „Wie schafft man es, Führungskräfte und Talente in die Stadt zu bekommen?”

Dazu wertete man das kreative Potenzial aller deutschen Städte und Landkreise aus. Aachen schnitt überdurchschnittlich gut ab: Bundesweit liegt die Stadt auf Platz 11, in NRW ist nur Köln kreativer.

Bei der Untersuchung wurden die üblichen Standortfaktoren durch weitere ergänzt: Der Technologieindex bemisst die Gründungszahlen von Technologieunternehmen oder die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Im Talentindex wird das kreative „Humankapital” einer Stadt erfasst.

Der Toleranzindex beschäftigt sich mit der Integrationsfähigkeit, aber auch mit der Anzahl der homosexuellen Einwohner einer Stadt. Das Ergebnis der Untersuchung ist für Aachen erfreulich - sie einer von 15 „kreativen Hot-Spots” in der Bundesrepublik.

Die Studie ist auf Grundlage der „Theorie der kreativen Klasse” des US-Ökonomen Richard Florida erstellt worden. Demnach stehen die Chancen für eine Stadt mit besonders kreativem Umfeld wesentlich besser, wenn es darum geht, hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzulocken oder zu gewinnen.

Thema „Offenheit”

Die Methodik lässt allerdings mehrere Fragen offen: Zum einen werden neben klassischen kreativen Berufen auch Soldaten, Zahntechniker, Bankfachleute, Versicherungsangestellte oder Krankenpfleger zu den „Creative Professionals” gerechnet. Ob der kreative Anteil an deren Tätigkeit relevant ist, ist zumindest zu hinterfragen.

Zum anderen ist die „Offenheit” der Städte für die Berechnung wichtig. Dazu wird ein „Gay-Index” herangezogen. Grundlage ist ein Dating-Portal für Homosexuelle im Internet. Wie belastbar dieses Datenfundament ist, lässt sich nicht abschließend klären.

Trotzdem freut sich Begaß über die Ergebnisse der Studie: „Wir liegen in der Spitzengruppe.” Allerdings wolle man die Bemühungen in Sachen Wirtschaftsförderung weiter intensivieren. Das Kulturwirtschaftliche Gründerzentrum und die Entwicklung des Stadtteils Aachen-Nord könnten Beiträge zu einem kreativen Stadtumfeld leisten.

Große Chancen biete auch das RWTH-Campus-Projekt. „Wir wollen nicht nur Durchlauferhitzer für die Studenten sein. Sie sollen nach ihrem Studium auch hier arbeiten”, sagte Begaß.

Zudem schlagen die Unternehmensberater der Stadt Aachen vor, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Jugendliche zum Schulabschluss geführt werden. Auch die Schaffung von kreativen Räumen und die Integration von Migranten solle weiter vorangetrieben werden.

Verglichen mit dem hohen Kreativitätsindex liegt das Bruttosozialprodukt in Aachen noch sehr niedrig pro Kopf der Bevölkerung. allerdings weise die Stadt ein „überdurchschnittliches Wachstumspotenzial” auf.
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