Aachen - Neue Schau im Zeitungsmuseum: Das Jahr 1968 und was davon nachwirkt

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Neue Schau im Zeitungsmuseum: Das Jahr 1968 und was davon nachwirkt

Von: Eva Onkels
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„Flashes of the Past“: 2700 Zeitungen haben Kurator Andreas Düspohl (l.) und seine Mitarbeiter für die Ausstellung im Zeitungsmuseum ausgewertet. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Die permanente Bedrohung unseres freiheitlichen Rechtsstaates zwingt alle Klardenkenden, die Endlösung des Studentenproblems voranzutreiben.“ Mit diesen Worten wird in einem Leserbrief im Magazin „Der Spiegel“ auf die Studentenproteste im Jahr 1968 eingegangen. Wenige Wochen zuvor ist auf den Studentenführer Rudi Dutschke geschossen worden. Er überlebt den Mordanschlag knapp, stirbt aber an den Folgen im Dezember 1979.

Der Anschlag auf Dutschke war einer der grausamsten Höhepunkte der Proteste im Jahr 1968. Die zum Teil gewalttätigen Ausschreitungen, der schwerverletzte Dutschke, der Vietnam-Krieg, die Bilder dieser Ereignisse prägten die 68er und auch das Bild davon, wie wir heute noch darüber nachdenken.

Die 68er? Wer oder was war das überhaupt? Und lässt sich eine solche gesellschaftliche Entwicklung, deren Nachwirkungen wir bis heute spüren, überhaupt auf ein Jahr reduzieren? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die neue Ausstellung im Internationalen Zeitungsmuseum (IZM). „Flashes of the Past – Medienwandel und Protestkultur“, so der Titel der Ausstellung, die jetzt eröffnet wurde.

Es geht um den medialen Umgang mit den Studentenprotesten und den gesellschaftlichen Umbrüchen in Deutschland sowie um internationale Ereignisse in diesem Jahr. Aus 2700 Zeitungen konnten Kurator Andreas Düspohl und seine Mitarbeiter schöpfen und haben eine beeindruckende Ausstellung zusammengestellt.

Es ging um Demokratie

In einem Kurzinterview stellte der Zeitzeuge Claus Haase, 1968 Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der RWTH und Mitglied der SPD Aachen, die Bedeutung der Studentenproteste heraus. Es ging um nichts weniger als die Demokratie. „Wenn schon Demokratie, warum dann nicht an den Hochschulen?“, hätten sich die Studenten damals gefragt.

Einen Einfluss auf die Hochschulpolitik hatten sie nicht, starre Hierarchien prägten die Universitäten. Zeitgleich kam, auch durch die Antibabypille, ein neues Frauenbild auf und eine neue Friedensbewegung. Man wollte die nationalsozialistische Vergangenheit aufarbeiten, NS-Schergen, die im Dienste von Politik und Wissenschaft standen, entlarven und eine neue Zeit beginnen. „Der Geist des Nationalsozialismus“, so heißt es im Ankündigungstext der Ausstellung, „wird durch eine politisierte Studentenschaft am Schopfe gepackt und ein für alle Mal in den Orkus der Geschichte verbannt“.

Andreas Düs­pohl ist aktuell von diesem Text nicht mehr so überzeugt. „Der Geist des Nationalsozialismus sitzt heute im deutschen Bundestag“, stellt er etwas konsterniert fest. Vielleicht ist es daher umso wichtiger zu zeigen, dass sich Deutschlands Jugend schon einmal diesem Geist entgegenstellte. Doch nicht nur um Deutschland geht es in der neuen Ausstellung.

Es werden Einblicke in Zeitungen der Tschechoslowakei und Frankreichs gegeben, ein besonderer Fokus liegt auf den USA. Die Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King und Robert F. Kennedys sowie die nach wie vor in den USA allgegenwärtige Rassentrennung und der Vietnam-Krieg waren 1968 Themen mit bedeutender Reichweite.

 

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