Neue Regeln für die Antoniusstraße

Von: Wolfgang Schumacher
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Wollen bessere Bedingungen fü
Wollen bessere Bedingungen für die Prostituierten in der Antoniusstraße durchsetzen: Loni Finken, Maria Drews, Daniela Lucke, Ellen Begolli und Lisa Lassay (von links) beim Ortstermin. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos für Aachens Antoniusstraße. Nach Jahren der Vernachlässigung haben jetzt Frauen aus der Politik die kritische Situation ihrer Geschlechtsgenossinnen in der Bordellmeile ins Visier genommen und wollen dem Rotlichtbezirk endlich eine Struktur geben.

Kurz vor der gestrigen Ratssitzung luden die Parteivertreterinnen Maria Drews (CDU), Daniela Lucke (SPD), Lisa Lassay (Grüne), Ellen Begolli (Die Linke) sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Loni Finken, an der Ecke zum „Sträßchen” zu einer Ortsbesichtigung ein. Hintergrund ist ein Ratsantrag, der jetzt dem Oberbürgermeister übermittelt worden ist und der als Grundlage für eine Reorganisation der zumeist unhaltbaren Zustände dort werden soll.

Die Arbeitsgruppe stellt insbesondere die Forderung an die Bordellbesitzer, dort keine Zwangsprostitution mehr zuzulassen und in ihren Einrichtungen bauliche Mindeststandards einzuhalten. Dies gelte auch insbesondere für die hygienischen Einrichtungen und die Sicherheit der etwa 150 Frauen, die dort täglich dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen. Heute seien das oftmals Zwangsprostituierte aus Osteuropa oder aus Afrika, hieß es.

Lisa Lassay berichtete, dass es jetzt seit beinahe zwei Jahren einen runden Tisch gebe, an dem auch verschiedene Behörden vertreten sind. Das von der Stadt umzusetzende Handlungskonzept sieht vor, in einem erste Schritt Kontakt mit den Betreibern und Eigentümern in der Antoniusstraße aufzunehmen.

Ziel sei es, ähnlich wie in Dortmund - der dortige Umgang mit dem innerstädtischen Problem Prostitution gilt als vorbildlich - darauf zu drängen, dass die Betriebe ähnlich wie Gaststätten konzessioniert und nach der Gaststättenordnung überwacht werden. Momentan arbeiten die Häuser in einem gesetzlich freien Raum, sie gelten als Beherbergungsbetriebe. „Wir können nicht auf die neue Gesetzgebung warten”, erklärte Ratsfrau Maria Drews mit Blick auf Berlin.

In Sachen Antoniusstraße, bekräftigten die Frauen einstimmig, herrsche auch deswegen schneller Handlungsbedarf, weil die städtebauliche Diskussion über die Straße im Schatten des Parkhauses lange ergebnislos geblieben sei. Jetzt aber gebe es - bis auf die FDP, die den kompletten Bordellbereich auslagern möchte - eine parteiübergreifende Übereinstimmung, den Rotlichtbezirk dort zu belassen, wo er ist. Dazu heißt es in dem Antrag: „Aus sozial- und planungspolitischer Sicht sind Möglichkeiten für eine eventuelle Einkürzung und eine Aufwertung der Straße durch den Neubau eines sogenannten Laufhauses zu prüfen.”

Die Verknappung des Raums, erklärten auch Daniela Lucke und Loni Finken, dürfe nicht dazu führen, dass Prostitution ins Private, also in normale Wohnungen, verdrängt werde. Die Politikerinnen forderten ferner eine freie Zugangs- und Beratungsmöglichkeit für Organisationen wie etwa Solwodi (Solidarity with women in distress), die den Prostituierten Hilfestellungen bei der Durchsetzung ihrer Interessen geben können. Denn die Frauen werden oftmals von kriminellen Schleuserringen auch nach Aachen gebracht. Den Opfern werden die Ausweispapiere abgenommen, dann müssen sie in der Antonius­straße wie in diversen Clubs im Umland anschaffen. Die Behörden sollen dafür sorgen, dass demnächst nur noch krankenversicherte und angemeldete Prostituierte dort arbeiten werden.
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