Aachen - Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten darf man Projekte zur Integration von Langzeitarbeitslosen in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt nicht bewerten, mahnt Stefan Graaf. Dennoch ist der Geschäftsführer des Jobcenters Städteregion stolz, dass die neue „Joboffensive“ vier Monate nach ihrem Start bereits 273 Menschen in Lohn und Brot gebracht hat.

Zwar meist befristet, aber nicht kurzfristig und überwiegend in Vollzeitstellen, wie „Joboffensive“-Leiterin Stefanie Luettgens betont. Die Formel dieses Erfolges lautet: „Mehr Vermittler – mehr Zeit – mehr Integration in Arbeit.“ Will heißen: In der „Joboffensive“ kümmert sich ein Arbeitsvermittler nicht um 150 oder mehr Langzeitarbeitslose wie seine anderen Kollegen im Jobcenter, sondern „nur“ um 100.

Mindestens alle 14 Tage sieht und spricht der Arbeitslose, der an der „Joboffensive“ teilnimmt, seinen Berater. „Das kann aber auch zwei Mal pro Woche sein“, sagt Luettgens, je nach dem, was anliegt. Auf alle Fälle haben ihre 14 Teamkollegen mehr Zeit für den einzelnen Klienten. Sieben von ihnen sind neu in dem Job, berichtet Stefan Graaf, sieben haben schon Erfahrung. Sie haben ihren bisherigen Arbeitsplatz in einer der Geschäftsstellen des Jobcenters für sieben Neulinge geräumt.

Neu in der „Joboffensive“ sind auch einige Beratungsansätze, erläutert Teamleiterin Luettgens. Dazu gehört etwa der wöchentliche „Präsenztag“ in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur, an dem die Projektteilnehmer gleich mit zwei Experten Fragen zu aktuellen Stellenangeboten klären können. Oder die monatlichen „Bewerbertage“, bei denen die Berater den Teilnehmern auch Stellenangebote vorstellen möchten, die diese vielleicht nicht unbedingt in den Blick nehmen würden.

Bei Bedarf schnell vor Ort

Das „Joboffensive“-Team hat neue Räume im Haus Wilhelmstraße 96 in Aachen bezogen, nur einen Steinwurf vom Haus der Städteregion an der Zollernstraße entfernt. Günter Schabram, Sozialdezernent der Städteregion, neben der Arbeitsagentur Träger des Jobcenters, ist also bei Bedarf schnell vor Ort. Er ist ob der ersten Ergebnisse begeistert: „Wir haben im Vorfeld ja lange diskutiert, ob wir uns für das Projekt bewerben sollen. Schließlich müssen wir dafür 138 000 Euro zusätzlich zahlen. Wir wissen aber, dass sich das schon rechnet, wenn 200 Menschen fünf Monate lang aus dem Leistungsbezug herauskommen. Ob das wirklich gelingt, werden wir im nächsten Jahr sehen.“ Aber die ersten Monate stimmen ihn wie den Vertreter der Arbeitsagentur, Markus Daub, zuversichtlich.

Wie Graaf legt Schabram auf eine Feststellung besonderen Wert: „Von dem Projekt profitieren nicht nur die Leistungsstärksten, sondern die Motiviertesten.“ Heißt konkret: Die Teilnehmer müssen nicht unbedingt einen Berufsabschluss vorweisen, um in den Genuss der sechsmonatigen Intensivbetreuung zu kommen. Sie müssen aber ein hohes Maß an Eigenmotivation mitbringen.

Und sollte es am Ende nicht gelingen, alle Teilnehmer in Jobs zu vermitteln, die intensive Betreuung wird sie selbstbewusster machen, ist Graaf überzeugt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das dann zwar kein Erfolg, aber aus menschlicher.

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