Aachen - Neue Klassenrichtzahl lässt Schulen schrumpfen

Neue Klassenrichtzahl lässt Schulen schrumpfen

Von: Margot Gasper
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Aachen. Kleinere Klassen und kleinere Grundschulen: Damit auch künftig jede Kommune eine Grundschule vor Ort haben kann, will Schulministerin Sylvia Löhrmann an einigen Stellschrauben drehen.

Jüngst legte sie ihr „Konzept zur Sicherung eines qualitativ hochwertigen und wohnortnahen Grundschulangebots in NRW” dem Landtag zur Beratung vor. Wenn das Paket so beschlossen wird, dürfte es auch in Aachen die Grundschullandschaft verändern. Manche Grundschule wird dann deutlich kleiner werden. „Und es ist wichtig, dass die Entscheidungsträger jetzt die Weichen stellen”, betont Schulrätin Ulla Roder. Sie ist zuständig für die Lehrerversorgung an den Aachener Grundschulen.

Das Löhrmann-Konzept soll vor allem Schulträgern im ländlichen Raum helfen. Längst bekommen viele kleinere Gemeinden den demografischen Wandel und sinkende Schülerzahlen massiv zu spüren. Senken will Sylvia Löhrmann zum Beispiel den Klassenfrequenzrichtwert. An dieser Zahl orientiert sich die Lehrerversorgung. Bisher gibt es für je 24 Kinder eine Lehrkraft. Künftig soll dieser Idealwert für die Klassenbildung auf 22,5 abgesenkt werden.

Auch die Bandbreite bei der Klassengröße wird sich verändern. Bisher hat eine Schulklasse mindestens 18 Kinder und höchstens 30. Künftig dürfen in einer Klasse nicht weniger als 15 Kinder und nicht mehr als 29 lernen.

Besonders drastisch auswirken dürfte sich aber - auch in Aachen - die Einführung der neuen „kommunalen Klassenrichtzahl”. Dieser Wert, den es bisher nicht gibt, legt die maximale Anzahl von Klassen in einer Kommune fest. Die Rechnung geht so: Die Schülerzahl aller Eingangsklassen des nächsten Schuljahrs wird durch 23 geteilt. Das Ergebnis gibt die maximale Zahl an Klassen an. Weniger Klassen dürfen gebildet werden, mehr aber künftig nicht mehr.

Würden also beispielsweise 2300 Kinder eingeschult, dürften in allen Grundschulen der Stadt bis zu 100 Eingangsklassen gebildet werden, mehr aber auf keinen Fall. „Damit erreichen wir mehr Gerechtigkeit bei der Klassenbildung und damit bei der Unterrichts- und Lehrerversorgung”, erklärte die Schulministerin bei der Vorstellung des Konzepts. Kommunen, die sich bisher mehr Klassen geleistet haben, müssen also künftig handeln und die Zahl der - kleinen - Klassen an ihren Grundschulen reduzieren.

Schulrätin Ulla Roder sieht durch die geplante Klassenrichtzahl ihre bisherige Argumentation bestätigt: „Der Schulträger sollte den Mut haben, auf die gesamte Schullandschaft in der Stadt zu schauen und die Schülerströme über die Zügigkeit zu steuern.” Das, sagt Roder, würde zu einer gerechteren Verteilung der Lehrer und letztlich zu mehr Förderung für jedes einzelne Kind führen.

Nachdem in NRW die Schulbezirksgrenzen aufgehoben wurden, können Eltern grundsätzlich frei entscheiden, welche Schule ihr Kind besuchen soll. Die Festlegung der Zügigkeit, also der Zahl der Klassen pro Jahrgang, ist das einzige Steuerungsinstrument des Schulträgers.

In der jüngsten Sitzung des Schulausschusses hatte die Schulrätin erneut eindringlich appelliert, an den 44 Aachener Grundschulen nicht zu viele kleine Klassen zuzulassen. Aktuell seien 18 Klassen entschieden zu klein im Verhältnis zur Personaldecke, rechnete Roder vor. Diese Klassen liegen teilweise sehr deutlich unter dem Klassenfrequenzrichtwert von 24. „Dadurch werden 435 Lehrerstunden gebunden, das sind 15,6 Lehrerstellen.”

Die neue Klassenrichtzahl bekräftigt aus Roders Sicht ausdrücklich den Steuerungsauftrag der Schulträger. „Das ist ein Signal an die Kommunen. Wir müssen was tun.” Und bei der Überarbeitung des Schulentwicklungsplans für die Aachener Grundschulen führt aus Roders Sicht kein Weg daran vorbei, an einigen Schulen, „die ihrer Zügigkeit nicht mehr gerecht werden”, genau hinzuschauen und die Zahl der Klassen pro Jahrgang zu verringern: „Es ist wichtig zu steuern.”
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