Aachen - Neue Kita mit Außengelände auf dem Supermarktdach

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Neue Kita mit Außengelände auf dem Supermarktdach

Von: Margot Gasper
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Hier sollen bald Kinder spielen. Benedikt und Herbert Sütterlin, Kita-Leiterin Ursula Cool-Pettenberg, Hildegard Sorn (Lebenshilfe) und Sabine Fischer von der Stadt (von links) sind gespannt auf das neue Außengelände auf dem Flachdach. Foto: Martin Ratajczak
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Als Muster kann Herbert Sütterlin die Tartanplatten schon zeigen, die demnächst auf dem Außenspielgelände der Kita verlegt werden. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Wenn die „Tivolino“-Kinder demnächst zum Toben und Schaukeln rausgehen, dann spielen sie auf dem Flachdach eines Supermarkts. Die neue Kindertagesstätte, die gerade an der Krefelder Straße auf dem Gelände des ehemaligen Fußballstadions entsteht, ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.

Die gesamte Tagesstätte wird im ersten Obergeschoss untergebracht. Und das 900 Quadratmeter große Außengelände ist ein Dachgarten. Die Kita „Tivolino“ ist außerdem die erste Kindertagesstätte, die die Stadt Aachen im Zuge des aktuellen U3-Ausbaus von einem Investor erstellen lässt.

Unten Geschäfte, oben Kinder

Dieser Investor war bisher Supermarktbetreiber an der Schurzelter Straße. Bauherr Herbert Sütterlin und sein Sohn Benedikt schauen sich in diesen Tagen recht zufrieden auf ihrer Großbaustelle gleich neben dem neuen Tivoli um. Im Erdgeschoss werden die Sütterlins ihren neuen HIT-Markt eröffnen, daneben richten sich eine Bäckereifiliale und ein Fischhändler ein. Oben aber werden schon Ende März die ersten Kinder einziehen. Die Stadt mietet die Kita-Räume vom Investor, als Untermieter kommt dann die Lebenshilfe Aachen ins Boot, die hier eine fünfgruppige Kita betreiben wird.

„Kinder auf einem Supermarktdach, die Idee war für uns doch sehr gewöhnungsbedürftig“, gesteht Benedikt Sütterlin. Norma­lerweise werde auf dem Dach nur reichlich Technik untergebracht. Stattdessen gibt’s in der Soers einen Spielplatz, der nicht nur allen Anforderungen an ein Kita-Gelände genügen muss, sondern den Kleinen auch noch ein Stückchen Naturerlebnis ermöglichen soll.

Echter Rasen war nicht drin

„Da musste auch mal quergedacht werden“, sagt Hildegard Sorn, Bereichsleiterin für den Vorschulbereich bei der Lebenshilfe. Echter Rasen, den alle gerne gehabt hätten, war oben auf dem Dach nicht zu machen. Kunstrasen ist unter anderem aus Sicherheitsgründen für spielende Kleinkinder nicht wirklich geeignet. Verständigt hat man sich schließlich, die Spielfläche mit einem dicken Tartanbelag auszulegen, wie man ihn so ähnlich auch von Laufbahnen kennt. Echtes Grün wird aber reichlich in den Randbereichen gepflanzt und soll auch in großen Kübeln sprießen, die die Kinder passend zu den Jahreszeiten bepflanzen können. „Das wird eine richtig schöne Kita“, ist Sorn überzeugt.

Zurzeit ist das Außengelände noch eine ziemlich triste Baustelle. Aber bald wird es Schaukeln geben, Rutschen, einen Sandkasten und sogar eine Wasserspielanlage. „Für das Wasser war viel Erfindungsgeist nötig“, erinnert sich Benedikt Sütterlin. „Da kann man ja nicht einfach einen Schlauch hinlegen und aufdrehen.“

Die Gesamtinvestition ihres Bauprojekts beziffern Vater und Sohn Sütterlin auf rund 15 Millionen Euro. Die Bauzeit habe sich unter anderem wetterbedingt um ein paar Monate verzögert. „Mitte März“, sagt Herbert Sütterlin, „wollen wir unseren neuen HIT-Markt eröffnen. Wir beginnen gerade mit dem Innenausbau.“

Bald rollen die Umzugswagen

Wenn die Lkw anrollen, um den Supermarkt zu bestücken, dann werden auch für die Kita schon die Umzugswagen gepackt. Die Kinder der sprachheilpädagogischen Kita „Sprechdachs“, die bisher am Ferberberg zu Hause sind, ziehen um in die neue Kita „Tivolino“. Kita-Leiterin Ursula Cool-Pettenberg und ihr Team sind längst dabei, alles vorzubereiten. Ab Sommer wird es am Tivoli dann zwei heilpädagogische Gruppen und drei Regelgruppen geben, sagt Cool-Pettenberg. In der neuen Kita wolle man intensiv gruppenübergreifend arbeiten. „Die Kinder sollen hier alle gemeinsam aufwachsen und lernen.“

22 Kinder unter drei Jahren können an der Krefelder Straße einen Kita-Platz bekommen – wichtige neue Plätze in der U3-Bilanz der Stadt. Wie überall ist auch in der Kita „Tivolino“ die Nachfrage riesig. 58 Kinder hat die Kita-Leiterin aktuell auf ihrer Bewerber-Liste stehen. Freie Plätze gibt es aber nur noch für Kinder, die älter sind als drei Jahre. Sobald die Gruppen vom Ferberberg eingezogen sind, werden im April die neuen Kinder aufgenommen. Ganz behutsam, damit alle gut ankommen.

„Der Innenausbau der Kita ist am 15. März beendet“, verspricht Herbert Sütterlin. „Am wichtigsten ist jetzt, dass für die Kinder alles rechtzeitig fertig wird.“ Bis außen alles komplett ist, könnten aber noch weitere vier Wochen ins Land gehen, erwartet er. Zunächst müssen die Spielgeräte auf dem Flachdach verankert werden. Erst dann kann der Tartanbelag verlegt werden. Dafür muss es draußen mindestens 13 Grad warm sein. Was Bauherr Sütterlin im Moment deshalb am meisten fürchtet, ist doch noch ein echter Wintereinbruch.

Auch Sabine Fischer, Abteilungsleiterin Kitas beim städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Eine komplette Kindertagesstätte im Obergeschoss sei schließlich für alle Neuland. Im Bereich Krefelder Straße sei die Kindertagesstätte aber ein wertvolles Stück Infrastruktur, betont sie – und womöglich durchaus ein Vorbild für weitere Standorte in der Innenstadt. Und auch Investor Sütterlin ist, so scheint’s, offen für weitere Projekte. „Wir wären nicht abgeneigt“, sagt Benedikt Sütterlin.

Architekten schon eingezogen

Wenn die Kinder an den Tivoli ziehen, dann können ihre direkten Nachbarn sie schon willkommen heißen. Das Team von „pbs architekten“, das den großen Gebäudekomplex auch geplant hat, hat dort bereits seine neuen Büros bezogen.

Und wenn’s Kindern und Erzieherinnen mal zu eng werden sollte, dann sind sie in der Gemeinde St. Andreas, nur drei Gehminuten entfernt, herzlich willkommen. „Wir dürfen dort mehr als 1000 Quadratmeter Außengelände nutzen“, freut sich Hildegard Sorn.

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