Neue Initiative will Aachen zur Kulturhauptstadt machen

Von: Gerald Eimer
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Essen und umliegende Städte präsentierten sich im Jahr 2010 als „Kulturhauptstadt Europas“ und boten Besuchern aus aller Welt ein Jahr lang aufsehenerregende Kunstaktionen. Eine Aachener Initiative will es dem Ruhrgebiet nun gleichtun und sich um den Titel „Kulturhauptstadt 2025“ bewerben. Foto: dpa
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Die Architektin und Stadtplanerin Ina-Marie Orawiec will sich vehement für das Projekt einsetzen. Foto: dpa

Aachen. Schon vor vier Jahren haben sich die Aachener Hoffnung gemacht, sich eines Tages mal mit der Auszeichnung „Kulturhauptstadt Europas“ schmücken zu dürfen – damals noch im Windschatten von Maastricht und der Euregio Maas-Rhein.

Jetzt hat sich eine neue Initiative zusammengefunden, die Aachen in den Mittelpunkt eines Bewerbungsverfahrens um den prestigeträchtigen Titel führen will. Wortführerin ist die Architektin und Stadtplanerin Ina-Marie Orawiec, die Aachen zur „Kulturhauptstadt Europas 2025“ machen möchte.

Nach West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) wäre Aachen die vierte deutsche Stadt, die dann ein Jahr lang den von der EU vergebenen Namenszusatz tragen und auf die erhöhte Aufmerksamkeit und einen nicht zu unterschätzenden Werbeeffekt in ganz Europa spekulieren dürfte. Noch ist allerdings offen, ob es überhaupt zu einem Bewerbungsverfahren kommt. Gegenwärtig bemüht sich Orawiec nach Kräften, die nötige Begeisterung zu entfachen und auch die politisch Verantwortlichen auf ihre Seite zu ziehen.

An Enthusiasmus fehlt es der Frau nicht, die in Aachen insbesondere auch durch ihren spektakulären Entwurf für die Hubschrauberlandeplattform „Rettende Hand“ an der Aachener Uniklinik bekannt ist. Dass sie keine Angst vor visionären Entwürfen hat, erleben in diesen Tagen auch die Fraktionen, denen sie nach und nach ihr Bewerbungskonzept unter dem Motto „Die Kunst des Fortschritts“ präsentiert. Bei den Piraten, Grünen und der FDP war sie bereits, CDU und SPD stehen nächste und übernächste Woche auf dem Plan.

Große Offenheit und Neugierde

Eigenen Worten zufolge stoßen Orawiec und ihre Initiative bislang überall auf große Offenheit und Neugierde. „Wir wollen als Graswurzelbewegung überzeugen“, sagt sie und ist überzeugt, dass Aachen mit vielen kulturstiftenden Vereinen und engagierten Bürgern besonders qualifiziert sei, sich als Kulturhauptstadt zu bewerben. Als Besonderheit gegenüber den Mitbewerbern – darunter Leipzig, Dresden, Chemnitz und Nürnberg – sollte Aachen allerdings nicht nur mit einem klassischen Kulturprogramm überzeugen, sondern auch die langfristige Stadtentwicklung in den Fokus rücken und auch die Themen Wissenschaft, Digitalisierung, Mobilität oder Urbanisierung mitberücksichtigen.

Schon das Bewerbungsverfahren wäre aus ihrer Sicht „ein kostbarer Prozess“. Es würden bereits in dieser Phase wichtige Projekte und Prozesse für die künftige Stadtentwicklung angestoßen. „Man kann auch gewinnen, ohne zu siegen“, sagt sie, betont aber, dass sie natürlich auch „ganz ernsthaft den Zuschlag“ haben wolle. „Aber ob sich Aachen bewirbt, wird im Rathaus entschieden.“ Sie weiß, dass sie auf eine breite politische Unterstützung und letztlich auch auf öffentliche Gelder angewiesen ist. Eben deshalb äußern sich die bislang eingeweihten Fraktionssprecher und -vorsitzenden eher zurückhaltend. Sie schätzen, dass alleine für ein überzeugendes Bewerbungsverfahren bis zu zwei Millionen Euro aufgebracht werden müssten.

Einige haben auch noch das frustrierende und gescheiterte Bewerbungsverfahren von Maastricht und Aachen aus dem Jahr 2013 um den Titel „Kulturhauptstadt 2018“ in Erinnerung. Hinzu kommt, dass zuletzt Essen (mit dem Ruhrgebiet) als deutsche „Kulturhauptstadt Europas“ überzeugen konnte. Ob bei der nächsten turnusmäßigen Titel-Vergabe nach Deutschland erneut eine Stadt aus Nordrhein-Westfalen Chancen hat, halten viele eher für zweifelhaft.

Noch in diesem Jahr müssen sich die Politiker entscheiden, ob sie eine Aachener Bewerbung befürworten. Die Stadt hätte dann gut ein Jahr Zeit, eine Bewerbung zu formulieren und einzureichen. 2019 würde eine Vorentscheidung fallen, 2021 werden die beiden Kulturhauptstädte 2025 offiziell bekanntgegeben. Neben einer deutschen Stadt wird es eine weitere aus Slowenien sein.

Der Titel wird seit 1985 jährlich vergeben, seit 2004 geht er mindestens an zwei Städte. In diesem Jahr sind Aarhus in Dänemark und Paphos auf Zypern die Kulturhauptstädte Europas. Nächstes Jahr folgen Leeuwarden in den Niederlanden und Valletta auf Malta.

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