Neue Hoffnung für die „Talbötter“

Von: Heiner Hautermans
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Auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft: Von einst 600 Mitarbeitern sollen in dem Aachener Werk nur noch 190 verbleiben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Aachener Bombardier-Werk soll in verkleinerter Form erhalten bleiben und sogar den alten Traditionsnamen im Titel führen, nämlich als Talbot Services GmbH. Der 1995 gegründete Personaldienstleister Quip mit Hauptsitz in Baesweiler (derzeit 1500 Mitarbeiter) will das von der Schließung bedrohte Unternehmen als Reparatur- und Instandhaltungsfirma für Schienenfahrzeuge weiterführen, eventuell auch ein neues Geschäftsfeld Streetscooter hinzufügen.

Von der 400-köpfigen Stammbelegschaft will man allerdings nur 160 Beschäftigte sowie die 30 Auszubildenden übernehmen, für die anderen sollen ein Sozialplan und Interessenausgleich ausgehandelt werden. Dieser soll bereits bis zum 15. März unter Dach und Fach sein. Bis dahin will man auch einen Haustarifvertrag mit dem Betriebsrat und der IG Metall in Aachen aushandeln, denn die Kostenstruktur müsse eine andere werden, teilten die Verantwortlichen beider Firmen am Mittwochnachmittag in einer Pressekonferenz mit. Gemeint war damit, dass die Stundensätze niedriger liegen müssten, etwa über Überstundenzuschläge geredet werden müsste. Von den 200 Leiharbeitnehmern bei Bombardier arbeitet ein Viertel bereits bei der Zeitarbeitsfirma Quip.

Am Vormittag waren die Arbeitnehmervertreter und Oberbürgermeister Marcel Philipp über die Pläne informiert worden, am Mittag wurde die Belegschaft unterrichtet. Während die Chefs beider Unternehmen von einer positiven Entwicklung und einer Chance sprachen, äußerte sich Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz zurückhaltend: „Wir haben uns in den letzten drei Monaten ein großes Selbstbewusstsein erarbeitet und werden uns nicht in die Knie zwingen lassen. Es ist ein guter Ansatz, aber wir haben noch einen Rucksack voller Fragen.“ Zur Zeitvorgabe bis Mitte März sagt Kreutz: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.“ Bombardier sei auf alle Fälle der Gewinner, weil der Weltkonzern Geld für den Verkauf bekommen habe und 160 Arbeitnehmern keine Abfindungen zahlen müsse. Die neue Firma profitiere dagegen als Geburtshilfe von der Abwicklung der noch vorhandenen Aufträge für die Bundesbahn.

Skepsis bei Franz-Peter Beckers von der IG Metall: „Das ist weit weg von unserer Zielsetzung und qualitativ und quantitativ zu wenig.“ In vielen Gesprächen mit Beschäftigten habe er erfahren, dass die Motivation, in die neue Firma zu wechseln, sehr gering sei. Dennoch werde man weitere Gespräche führen: „Es ist eine neue Herausforderung, der wir uns stellen. Letztlich entscheidet die Belegschaft, ob dieses Modell trägt.“ Bereits heute werden die Verhandlungen über den Sozialplan und Interessenausgleich weitergehen.

Bombardier-Geschäftsführer Grego Peters sprach von einem wichtigen Tag für das Aachener Werk. Schon seit Oktober habe man mit Quip vertrauliche Gespräche geführt. Wenn das neue Unternehmen nicht in den ersten zwölf Monaten erfolgreich sei, werde man den Mitarbeitern eine Abfindung zahlen. Man sehe gute Möglichkeiten für die Service GmbH. Ein Zeichen sei auch, dass der bisherige Betriebsleiter Dirk Reuters geschäftsführender Gesellschafter der neuen Firma wird.

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