Aachen - „Neue Herrschaften” humorvoll präsentiert

„Neue Herrschaften” humorvoll präsentiert

Von: Anke Hinrichs
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Aachen. Erst sah es so aus, als könnte das Grenzlandtheater die Menschenmengen kaum fassen, die da am Sonntagmorgen kamen. Doch dann wurde alles gut, und jeder bekam sein Plätzchen bei der Auftaktveranstaltung von „Theater-Talk - Frischer Wind im Grenzlandtheater”.

Die aktuellen Ereignisse in Stadt und Kreis im Blick, traf das Thema der ersten Veranstaltung „Die neuen Herrschaften” mit den Gästen Marcel Philipp als designierter neuer OB, Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer des Pudels Kern, um im Theaterjargon zu bleiben.

Gastgeber und frisch gebackener Intendant Uwe Brandt und Co-Moderator Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, eröffneten mit launigen Worten die Matinee. „Wo es möglich ist darf gelacht, geklatscht und auch geschunkelt werden”, motivierte Brandt das Publikum und hieß Helmut Etschenberg im Bühnenbild der aktuellen Produktion des Grenzlandtheaters „Diener zweier Herren” willkommen.

Dort, wo allabendlich Goldonis Truffaldino herumtobt, plauderte der Städteregionsrat über seinen Titel („das ist das Unwort des Jahres, weder kann man es aussprechen, noch weiß man, was es ist”) und seine neuen Aufgaben („ich bin so was wie ein Landrat Plus”).

„Ängste” im Kulturbetrieb

Der 62-Jährige, der sich selbst als „Modell Rente mit 67” bezeichnet, ist jetzt Verwaltungschef von zehn Kommunen, die ihre Aufgabengebiete in der Städteregion bündeln. „Bis jetzt hat jede Gemeinde ihr Süppchen gekocht, in der Städteregion wird ein Geist der Gemeinsamkeit wehen”, verspricht Etschenberg. Außerdem könne man ihn auf seine Aussagen immer festnageln: „Ich komme aus der Verwaltung und nicht aus der Politik und habe den ganzen Gesetzestext zur Städteregion im Kopf”.

Da hakte direkt Uwe Brandt nach und sprach von „Ängsten”, die sich im Kulturbetrieb schon mal breit machten: „Das Grenzlandtheater bleibt wie es ist, wir wollen sogar noch mehr und das Kindertheaterprojekt âGretaÔ fördern, versprach Etschenberg.

Marcel Philipp musste sich dann Büttgens´ Gretchenfrage gefallen lassen, wie er es denn mit der Kultur in Zeiten der Konsolidierung halte: „Wir müssen die Reißleine ziehen, bei Projekten, die aus dem Ruder gelaufen sind, aber die Stadt muss zeigen, was sie sich Wert ist, und da sind Museen und Theater die Grundpfeiler”, sprach das korrekt in braunes Tuch gekleidete neue Stadtoberhaupt.

Der designierte OB durfte sogar Kraft seines Amtes in der oberen Ebene des Bühnenbildes Platz nehmen und von dort aus eine flammende Rede von einer Minute halten. Einziger Haken: Die Moderatoren hatten die Stichworte vorgegeben.

Und so hangelte sich Philipp durchaus gekonnt von „Dom”, über „Familie” zu „ Ampel” und „Karlspreis”, was das Publikum mit viel Beifall goutierte. Ganz privat erzählte Philipp, dessen liebster Ort der Platz um St. Michael in Burtscheid ist, von seiner fünfjährigen Tochter, die ihm im Rathaus helfen wolle, die Medaillen zu verteilen.

Er plauderte über sein Schlafdefizit während des Wahlkampfes und bekannte seine Wahl „noch nicht gefeiert” zu haben, worauf Brandt und Büttgens wie elektrisiert reagierten: „Das heißt aber jetzt nicht, dass in Aachen nicht mehr gefeiert wird!”. Den noch amtierenden OB Jürgen Linden beschreibt Philipp als „fair, kooperativ und äußerst hilfsbereit”, wenn es darum ginge, ihn als Nachfolger in die Geheimnisse des Amtes einzuweisen.

Von Tivoli-Premiere überwältigt

Und immer wieder löcherten Brandt und Büttgens ihre Gäste mit der zur Zeit viel diskutierten Frage in Aachen: „Wer wird neuer Trainer bei der Alemannia?” Darauf wusste selbst Frithjof Kraemer keine Antwort. Vom neuen Tivoli zeigte sich der 36-Jährige tief beeindruckt, und Brandt fing die Stimmung zur Eröffnung mit dem treffenden Bild ein: „Das ist doch so, als ob 20000 Männer von der Entbindungsstation kommen”.

Überwältigend im positiven wie im negativen Sinn sei die Premiere gewesen, so Kraemer, und konnte auch Entwarnung im Fall des Hamburger Fans geben, der am 17. August von der Tribüne gestürzt war: „Ihm geht es viel besser, und er wird am Montag nach Hamburg in die Reha transportiert werden können.”

Aber was macht so ein Geschäftsführer eigentlich? Das wollte Büttgens genau wissen. Kraemer erklärte es wie in der bekannten Sendung mit der Maus: „Ich gebe den Sportlern das Geld, damit die spielen können. Dann spreche ich mit Leuten, damit sie unseren Verein sponsern, und das Geld gebe ich dann wieder den Spielern”.

Kräftig durchmischt wurde das Programm mit Live-Musik von den drei Schauspielern und Sängern Raphael Grosch, Regina Gisbertz und Cecilia Aman, alle drei Darsteller in „Diener zweier Herren”. Hinreißend waren Groschs vertonte Klassikertexte.

Im Ganzen war Theater-Talk eine runde Vorstellung, bei der Brandt und Büttgens geschickt mit den Themen Theater, Musik, Politik und Komik jonglierten und den Spannungsbogen während der zwei Stunden nie einknicken ließen.

Mit drei Talkrunden pro Spielzeit soll sich der Theater- Talk jetzt als fester Bestandteil im Grenzlandtheater etablieren.
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