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Neue Erkenntnisse zur Kaiserpfalz

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Eine Rekonstruktion der karolingischen Aula.
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Das Rathaus mit einer photogrammetrischen Messbildmontage.
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Blick in die Tiefe: die Grabungsfläche am Marienturm im Untersiuchungszeitraum 2013/2014.

Aachen. Mehr als 2000 Jahre Siedlungsgesichte und 1200 Jahre alte Bauwerke prägen den Aachener Markthügel. Dabei gibt es bisher zur Stadtgeschichte an diesem zentralen Ort mehr Fragen als Antworten. Das Projekt Pfalzenforschung hat sich seit 2010 intensiv mit diesem Siedlungsbereich auseinandergesetzt.

Zum Abschluss des Projekts werden die Ergebnisse am Donnerstag, 27. April, 18.30 Uhr, im Krönungssaal des Aachener Rathauses einem breiten Publikum vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Die Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Bauforschern, Denkmalpflegern und Historikern ermöglichte es, die historischen Befunde neu aufzuarbeiten und neue Forschungen zu Rathaus, Pfalz und Markthügel umzusetzen. Aufgrund der Arbeiten ist es nun möglich, die Geschichte dieses für die Historie und das Verständnis Aachens zentralen Bereiches genauer zu fassen und die Bauphasen den einzelnen Epochen besser zuzuordnen.

„Es ist uns sehr daran gelegen, die Erkenntnisse allen interessierten Aachenern zu erläutern“, sagt Monika Krücken, Abteilungsleiterin Denkmalpflege und Stadtarchäologie der Stadt Aachen. „Tatsächlich sind wir durch das erfolgreiche interdisziplinäre Projekt nun auch beim Rathaus um viele Informationen reicher.“

Monika Krücken beschreibt das für die Mitstreiter in dem Forschungsprojekt, das über das Investitionsprogramm Nationale Unesco-Welterbestätten finanziert wird, so: „In der Aachener Pfalzanlage manifestierte sich zur Zeit Karls des Großen die religiöse und politische Macht in einem Ensemble aus Bauwerken und umschlossenen Plätzen. In dieser räumlichen Konzentration, Proportion und Repräsentanz ist ihre Einmaligkeit auch heute noch spürbar.“ Pfalzen, also Herrscherresidenzen, königliche Machtzentren und Regierungsstätten, wurden vielfältig erforscht. So ist das auch in Aachen.

Neue Fakten übers Rathaus

Während der Dom als UnescoWeltkulturerbe in Untersuchungen gut dokumentiert ist, gab es diese Erkenntnisdichte für das Rathaus – die frühere Aula Regia – und die Gesamtpfalz nicht. Das Projekt Pfalzenforschung hat viele unbekannte Fakten zutage gefördert und alle wichtigen Untersuchungen neu ausgewertet. Dadurch konnten viele dbisherige Annahmen relativert und neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Die nun vorliegenden Ergebnisse helfen also, die Lücken zu schließen. Archäologische Untersuchungen und bauhistorische Forschungen konnten mit vielfältiger Förderung und unter Einsatz neuester Methoden Ergebnisse liefern, die manchen Perspektivwechsel herausfordern.

Zu den neuen Erkenntnissen in der Pfalzenforschung gehört, dass die Karolinger offenbar in größerem Umfang auf das römische Erbe zurückgreifen konnten, als bisher angenommen wurde. „Wir haben durch die Ausgrabungen am Rathaus und am Markt Hinweise gefunden, dass die römische Wehrmauer erst im 12. Jahrhundert in größerem Umfang abgebrochen wurde“, erläuterte Stadtarchäologe Andreas Schaub.

Der Katschhof sei in karolingischer Zeit kein freier Platz gewesen, sondern wurde durch eine diagonal verlaufene Straße durchtrennt, die bis ins 14. Jahrhundert existiert habe. „Die Pfalz ist nicht plötzlich erbaut worden, sondern sukzessiv entstanden“, so Schaub weiter. „Aachen trug lange Zeit einen römischen Grundriss.“

Mit Kurzvorträgen aus den verschiedenen Professionen werden bei der Präsentation am 27. April im Krönungssaal in zwei thematischen Sektionen (1. Geschichte und Archäologie; 2. Bauforschung und Denkmalpflege) die Methoden und Forschungsergebnisse vorgestellt und allgemein verständlich erläutert.

Der Abend verspricht, abwechslungsreich zu werden. So kommt unter anderem der RWTH-Historiker Harald Müller zu Wort, der die Entstehung und Bedeutung der Aachener Pfalz aus historischer Sicht erläutert. Die archäologischen Grabungen 2011 bis 2014 stellt Stadtarchäologe Andreas Schaub vor. Schließlich wird Sebastian Ristow die archäologischen Forschungen der Vergangenheit analysieren und für die heutige Nutzung aufbereiten.

Erläuterungen zu Zielen und Methoden der Bauforschung wird Christian Raabe, ebenfalls RWTH, beisteuern, die Forschungsgeschichte des Aachener Rathauses stellen seine Mitarbeiter, die Bauhistoriker Judith Ley und Marc Wietheger, vor. Sie erklären auch die Vorgehensweise zur Untersuchung des Bauwerks. Praktische Denkmalpflege am Rathaus wird von Isabel Maier, Denkmalpflege Stadt Aachen, beschrieben, die Sanierung der historischen Glasbetonfenster mit Textilbeton erklärt Sergej Rempel, RWTH Aachen.

Der Nutzen der Forschung liege auf der Hand, sagt Monika Krücken: „Denkmalpflegerische Entscheidungen werden tagtäglich bei Sanierungen getroffen. Und viele Fragen beschäftigen uns: Ist die beabsichtigte Änderung denkmalverträglich? Welche Materialwahl ist die richtige? Wie kann langfristig die Substanz des Bauwerks gesichert werden? Falsche Entscheidungen bedeuten unter Umständen Substanzverlust und falsche Investitionen.“

Die Veranstaltung der Stadt wird unterstützt vom Rathausverein, vom Aachener Geschichtsverein, von RWTH extern und KuBiS, dem kulturellen Bildungsnetzwerk der Städteregion Aachen. Den Abend moderiert Stadtsprecher Bernd Büttgens. Zum Thema ist im Geymüller-Verlag für Architektur eine Publikation erschienen : „Offensichtlich verborgen. DieAachener Pfalz im Fokus der Forschung.“

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