Aachen - Neue Dezernentin: Zum Start erst mal eine große Portion Kultur

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Neue Dezernentin: Zum Start erst mal eine große Portion Kultur

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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In Aachen und im Verwaltungsgebäude Mozartstraße ist die neue Dezernentin gut angekommen. Auszüge aus der UN-Kinderrechtskonvention hat Susanne Schwier nun täglich vor Augen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mittwochmorgens Couven-Museum, mittags Kulturbetrieb, abends Ludwig-Forum; am Donnerstag Suermondt-Ludwig-Museum; am Freitag Schrittmacherfestival: Susanne Schwier kommt viel rum in diesen Tagen.

Am 17. Februar hatte die 54-Jährige ihren ersten Arbeitstag in Aachen, als neue Dezernentin für Bildung, Kultur, Jugend, Schule und Sport. Seitdem ist sie viel in der Stadt unterwegs, meistens mit dem Fahrrad. „Ich schnuppere überall rein“, sagt sie, „und ich genieße es, hier so intensiv in die Kultur einzusteigen.“

Mit großer Energie hat sich Susanne Schwier daran gemacht, ihr Dezernat, mit rund 1900 Beschäftigten das größte in der Stadtverwaltung, möglichst flott kennenzulernen. So viel kann sie jetzt schon sagen: „Wir haben viele Handlungsfelder, aber ich kann nicht erkennen, dass es an irgendeiner Stelle brennt.“ Ihr Vorgänger Wolfgang Rombey habe ihr ein gut aufgestelltes Dezernat hinterlassen. „Es wird sehr engagiert gearbeitet. Und ich werde überall sehr freundlich aufgenommen und unterstützt.“

Die gebürtige Ostwestfälin war Lehrerin im Kreis Neuss, Hauptseminarleiterin in Düsseldorf, pädagogische Mitarbeiterin im NRW-Schulministerium, Schulleiterin in Köln, Schulaufsichtsbeamtin in Leverkusen, Dezernentin bei der Bezirksregierung in Köln und zuletzt vier Jahre lang leitende Oberschulrätin in Hamburg. Die großen Themen aus den Bereichen Kinder, Jugend, Schule und Bildung sind ihr daher sehr vertraut.

„Im U3-Ausbau ist Aachen schon sehr weit“, stellt sie anerkennend fest. Aber wenn demnächst 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz bekommen sollen, dann sei auch noch viel zu tun. Auch der Ausbau der Offenen Ganztagsschule (OGS) müsse weitergehen.

Beim Thema Inklusion bringt die neue Beigeordnete eine gut Portion Erfahrung mit. Hamburg hat den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung als eines der ersten Bundesländer bereits 2010 rechtlich verankert. „Es ist wichtig, die Schulen barrierefrei zu machen“, betont die Dezernentin, „aber wir müssen auch die Kollegien gut vorbereiten, zum Beispiel auf die Arbeit in multiprofessionellen Teams.“ Ideal fände sie übrigens, wenn zum Beispiel auch in den Grundschulen vormittags Erzieherinnen arbeiten könnten.

Probleme bei der schulischen Inklusion sieht Schwier besonders „bei den besonders verhaltensoriginellen Schülern“, bei Kindern und Jugendlichen mit einem besonderen Förderbedarf in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung.

Um die Kosten der Inklusion streiten das Land NRW und die kommunalen Spitzenverbände immer noch. Die Dezernentin ist zuversichtlich, dass diese Diskussion nun auf der Zielgeraden ist. „Dann können die Kommunen die Inklusion endlich verlässlich umsetzen.“ Der städtische Schulbereich sei längst mitten in der Planung.

Erfreut hat Susanne Schwier festgestellt, dass es in Aachen ein Leitbild Kultur gibt. „Das sind die Leitplanken, die zeigen, wo wir hinwollen.“ Bei aller Vielfalt dürfe das kulturelle Angebot schließlich nicht beliebig sein, „kein Kessel Buntes“. Der kulturell interessierte Besucher erwarte Orientierung.

Zur aktuellen Diskussion über die Finanzierung der freien Kultur in Aachen äußert sich Susanne Schwier als Neue in der Szene zunächst vorsichtig. „Bei dem Thema bin ich noch in der Findungsphase.“ Beeindruckt zeigt sich die Dezernentin, wie viele Menschen sich für die freie Kultur und deren Erhaltung einsetzen.

Von pauschalen Vorwürfen an die Adresse der großen Museen hält sie allerdings nichts. Gerade bei großen Ausstellungsprojekten seien Kostensteigerungen nie ganz auszuschließen. Gleichwohl müsse genau hingeschaut werden, ob die vorhandenen Mittel richtig gewichtet seien. „Ich kann sehr gut verstehen, dass die freie Szene sich mehr Unterstützung wünscht“, sagt Schwier. „Viele wollen aber auch nicht zu sehr am finanziellen Tropf der Stadt hängen.“

Unter der Woche ist Susanne Schwier nun Aachenerin. Sie ist ins pralle Öcher Leben eingetaucht, hat ihren ersten Karneval mit närrischer Ratssitzung und Rosenmontagszug hautnah erlebt. An den Wochenenden wird Susanne Schwier auch künftig viel in Neuss anzutreffen sein. „Dort steht weiterhin unser Familienhaus“, sagt sie. Die „Familienzentrale“ sei Anlaufstelle für die Familie, auch für die drei erwachsenen Kinder.

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