Nesseler-Gruppe bekommt den Zuschlag für Gut Pfaffenbroich

Von: Heiner Hautermans
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Besonders interessant an Gut Pfaffenbroich scheinen die Grundstücke an der Grensstraat zu sein, die auf deutscher Seite bebaut werden können. Foto: Andreas Herrmann
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Rechtspflegerin Michaela Kohnen erteilte bei der Zwangsversteigerung der Nesseler-Gruppe den Zuschlag. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Dass es sich bei diesem Termin im Justizzentrum in mehrfacher Hinsicht um etwas Außergewöhnliches handelte, machte schon der Andrang im Raum 3.017 deutlich: Die 28 Stühle des Sitzungssaales im dritten Stock reichten bei der „Zwangsversteigerung zwecks Aufhebung der Eigentümergemeinschaft“ bei weitem nicht aus.

Die Interessenten an Gut Pfaffenbroich samt 2164 Ar Grundstück mussten auch mit Stehplätzen vorliebnehmen. Rechtspflegerin Michaela Kohnen erteilte nach einem spannenden Bietergefecht Hubertus Nesseler von der Nesseler Projektidee GmbH mit den berühmten Worten „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“ den Zuschlag – für genau 3,06 Millionen Euro.

Uneinigkeit über den Wert

Ob die Nesseler-Gruppe, einer der großen Immobilienplayer in Aachen, damit allerdings neuer Eigentümer des weitläufigen Anwesens wird, ist noch offen. Beantragt worden ist die Zwangsversteigerung von einem Testamentsvollstrecker einer weit verzweigten Erbengemeinschaft, in der es offenbar Uneinigkeit über den Wert des Anwesens im Westen Aachens gibt.

Dazu gehören nämlich nicht nur der vierflügelige Hof mit 345 Quadratmetern Wohn- und 1500 Quadratmetern Nutzfläche zwischen Vaalser Straße und Schurzelter Straße, sondern auch umfangreiche Ländereien. Eine Gutachterin hatte den Verkehrswert mit 3,22 Millionen Euro errechnet. Selbst das höchste Gebot blieb also unter diesem Wert.

Die Erbengemeinschaft muss nun darüber befinden, ob sie sich damit zufrieden gibt. Eine Vertreterin murmelte auf dem Flur: „Das war ja nicht so doll!“ Die Entscheidung wird in einem Verkündungstermin am Dienstag, 19. September, der Öffentlichkeit mitgeteilt. Denkbar ist, dass das Verfahren ganz zurückgezogen wird und die Erben versuchen, auf anderem Weg ein besseres Ergebnis zu erzielen. Mehr als 40.000 Euro Gerichtsgebühren werden aber auf alle Fälle fällig.

Zwangsversteigerungen vor dem Amtsgericht haben immer einen eigenen Charakter – irgendwo zwischen archaisch und anachronistisch. Insofern erlebten die zahlreichen Zaungäste eine spannende Stunde. Wer ernsthaft mitbieten will, sollte ein stabiles Nervenkostüm, einen bankbestätigten Scheck in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswertes sowie eine Vertretungsvollmacht einer Firma, für die er antritt, mitbringen.

Nach Eröffnung der Bieterfrist tut sich erfahrungsgemäß erst einmal gar nichts, so war es auch diesmal: Um 10.11 Uhr gab die Rechtspflegerin das Feuer frei und mit 1,65 Millionen Euro ging nach 13 Minuten das erste Gebot des Mitarbeiters einer Immobilienfirma aus Weilerswist ein – etwas mehr als die Hälfte des Verkehrswertes.

Erst nach weiteren 13 Minuten wurde er von Jens Kreiterling von der Landmarken AG überboten, bevor auch Hubertus Nesseler eingriff. Dieses Trio überbot sich in kleineren (10.000 Euro) bis größeren Schritten (100.000 Euro) immer wieder auf den letzten Drücker, bis Rechtspflegerin Kohnen die Geduld verlor: „Bei allem Verständnis, dass es um sehr viel Geld geht, wir müssen nun langsam zu einem Ergebnis kommen.“ Um 11.15 Uhr beendete Michaela Kohnen die Versteigerung. Kommentar eines Besuchers auf dem Gang: „In zehn Tagen wissen wir mehr.“

Weitere ausgedehnte Flächen von Gut Pfaffenbroich, die bis zum Golfplatz bei Seffent reichen, werden in drei zusätzlichen Zwangsversteigerungen angeboten. Daran haben vor allem Landwirte aus der Umgebung Interesse bekundet.

Wie geht es nun weiter? Wichtigster Akteur ist die Erbengemeinschaft, die ja Geld sehen will. Negative Folgen befürchten Nachbarn und Kunden von Gut Pfaffenbroich für die Pächterfamilie, die den Hof seit Generationen betreibt und von der Entwicklung überfahren worden sei.

Der Pachtvertrag läuft noch bis Ende nächsten Jahres. Margit Kischio-Kleist kauft etwa dort landwirtschaftliche Erzeugnisse, weil die ehrlich hergestellt würden und es sich um eine vorbildliche Tierhaltung handele: „Dieses ursprüngliche Stück Aachen sollte unbedingt erhalten werden.“ Möglich ist aber, dass Investoren mit dem Hof gar keine großen Veränderungen vorhaben. Am interessantesten scheinen nämlich die Grundstücke an der Grensstraat zu sein, die auf deutscher Seite mit Wohngebäuden bebaut werden können.

Fest steht, dass der gesamte Eingangsbereich von Vaals in Richtung Innenstadt städtebaulich stark verbesserungswürdig ist – das ist auch in der Kommunalpolitik unbestritten. Der Stadt ist das Versteigerungsverfahren bekannt, sie will allerdings nicht selbst auf den Plan treten: „Ein Vorkaufsrecht der Stadt besteht in diesem Verfahren nicht. Für die Stadtentwicklung sind, wenn überhaupt, nur geringe Flächen des ‚Gut Pfaffenbroich‘ interessant“, sagt Stefan Herrmann vom Presseamt auf Anfrage.

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