Aachen - Neonazi Wagner war ständiger Gast auf dem Tivoli

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Neonazi Wagner war ständiger Gast auf dem Tivoli

Von: Achim Kaiser
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Rote Karte gegen Rassismus: Im
Rote Karte gegen Rassismus: Im Jahr 2007 bekannten sich die Alemannia-Fans deutlich gegen rechte Umtriebe. Mittlerweile hat unter anderem der Neonazi Sascha Wagner wieder freien Zugang ins Stadion. Foto: Roeger

Aachen. Dass sich Alemannia-Fans untereinander prügeln wie jüngst beim Heimspiel gegen Aue ist möglicherweise auch die Folge der permanenten Hetze eines berüchtigten Neonazis: Sascha Wagner.

Der 39-Jährige ist seit Mitte der 90er Jahre als Neonazi einschlägig bekannt. Schon damals mühte er sich, eine rechte Fanszene in Aachen aufzubauen. Mittlerweile ist der Aachener ein führender Kopf der NPD in Rheinland-Pfalz und sitzt im Bundesvorstand der Jugendorganisation der NPD, den Jungen Nationaldemokraten (JN).

Auf seinen Seiten im sozialen Netzwerk „Facebook” verkündet er, dass er oft den Weg von seinem derzeitigen Wohnsitz in Dahn (Südwestpfalz) nach Aachen und zum Tivoli findet. Auch hat sich Wagner via „Facebook” des Öfteren über die Aachen-Ultras (ACU) ausgelassen, nannte sie beispielsweise „Zecken-Ultras”. „Zecke” ist in der Neonaziszene ein Schimpfname für „Linke”.

Laut seines „Facebook”-Eintrages vom 11. Dezember war der NPD-Funktionär auch am vergangenen Sonntag im Stadion. Ob er an dem Angriff auf die Ultras selbst beteiligt war, muss die Polizei klären. Sein Eintrag „Aachen Ultras RIP” (Aachen-Ultras mögen in Frieden ruhen) und die Beiträge anderer Gesinnungsgenossen zeigen die politische Dimension der Fan-Auseinandersetzungen. „Wer mit Wagner zusammensteht, darf sich nicht wundern, wenn er in einem Atemzug mit Neonazis genannt wird”, sagt Kristina Walther, Leiterin des Aachener Fanprojekts. Das bedeute aber nicht, dass die rivalisierenden „Alemannia-Supporters” und die „Karlsbande” „per se rechts seien”.

Ob sie aber so unpolitisch sind, wie sie selbst behaupten, muss ihr künftiges Verhalten zeigen. Es seien komplizierte Entwicklungen, die jetzt Schritt für Schritt aufgearbeitet werden müssen, sagt Alemannias Fanbeauftragter Lutz van Hasselt. Walther und van Hasselt sind nun bemüht, mit den rivalisierenden Fan-Gruppierungen weiter im Gespräch zu bleiben und die Wogen zu glätten. Der Zweitligist will zur Problematik um Neonazi Wagner momentan keine Stellung beziehen. „Das Thema ist bekannt”, heißt es von Seiten der Alemannia. Gegen Wagner war in der Vergangenheit schon drei Mal ein Stadionverbot ausgesprochen worden.

Deutliche Signale

Was rechte Umtriebe auf dem Tivoli zudem leichter macht, ist die Lockerung der Stadionordnung. Noch im Oktober 2007 hatte die Alemannia deutliche Signale im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Neonazismus gesetzt. Im Zuge einer groß angelegten Aktion wurde die Stadionordnung um vier Punkte ergänzt, die unter anderem besagten, dass entsprechend auffällige Kleidung und provozierende Sprüche am Tivoli nicht zugelassen sind. Dieser Punkt 2 unter Paragraf 5 der Stadionordnung ist aber zum Teil weggefallen oder aber in der neuen Fassung ungenauer formuliert.

Auch trugen die Ordner damals neogrüne Westen mit dem Aufdruck „Rassismus hat bei Alemannia keinen Platz” als deutliches Bekenntnis gegen rechte „Fans”. Diese Westen sind beim Umzug in den neuen Tivoli ebenso verloren gegangen wie einige wichtige Passagen aus der alten Stadionordnung. „Sie ist im Jahre 2009 überarbeitet worden”, erläutert Alemannia-Sprecher Thorsten Pracht und räumt gegenüber den „Nachrichten” ein: „Sicherlich waren die Formulierungen in der alten Stadionordnung präziser. Dem Thema müssen wir uns noch mal eingehend widmen.”

Bundesweite Stadionverbote

Ob Neonazi Wagner auch in die jüngsten Prügeleien im Block S6 am vergangenen Sonntag verwickelt war, ermittelt derzeit die Polizei. „Wir haben das Videomaterial ausgewertet. Es sind Aufnahmen dabei, auf denen einzelne Täter gut zu erkennen sind”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Während die Polizei die strafrechtliche Verfolgung der Täter eingeleitet hat , will die Alemannia bundesweite Stadionverbote aussprechen, sobald ihr die Namen vorliegen.

Auch ruft der Verein „all seine Fanclubs, insbesondere aber die Alemannia-Supporters und die Aachen-Ultras dazu auf, an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Fanszene durchzieht.” Dabei komme dem Fanprojekt Aachen eine wichtige, moderierende Funktion zu.
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