Aachen - Neonazi steht wieder vor Gericht

CHIO-Header

Neonazi steht wieder vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Zugegeben hat der als Mitglied der regionalen Neonazi-Szene bekannte Denis U. (25) aus Düren wieder „nur” eine Rangelei.

Das Aachener Schöffengericht war im Sommer 2011 demgegenüber fest davon überzeugt, dass der bekannte rechte Politaktivist so richtig zugelangt hatte. Das soll sich an einem Samstag Mittag Ende März 2010 in Aachens City zugetragen haben, das Gericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft ohne Bewährung.

Aufruf zu „Trauermärschen”

An jenem Tag vor fast zwei Jahren hatte eine Gruppe von etwa zehn Neonazis um das führende Mitglied der Kameradschaft Aachener Land (KAL), Rene L. in der Adalbertstraße Aufrufe zu den sogenannten „Trauermärschen” in Stolberg verteilt. Diese Aufmärsche ranken sich um den gewaltsamen Tod eines Jugendlichen im Jahr 2008.

Am 27. März 2010 nun war die Gruppe auf Linke aus der Antifa-Bewegung gestoßen, die an einem Info-Stand Flugblätter gegen die Aufmärsche verteilten. Prompt kam es zu einer Auseinandersetzung beider Lager. Wer angefangen hatte, war auch am Donnerstag in der Berufungsverhandlung vor der 2. Kleinen Strafkammer am Aachener Landgericht (Vorsitz Richter Frank Meier) strittig.

Fest steht allerdings: Damals wurde ein linker Aktivist erheblich verletzt, nach Auffassung des Schöffengerichts nachweislich durch den heute wegen einer weiteren mutmaßlichen Gewalttat in U-Haft einsitzenden Denis U.. So begann am Donnerstag unter hohen polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen die erneute Beweisaufnahme.

Der gerichtserfahrene Denis U. - er studierte vor seiner Festnahme an der Aachener Fachhochschule Chemie - räumte auf die Fragen von Richter Meier durchaus ein, den heute 35-jährigen Dimitri R. getreten zu haben. Doch nicht absichtlich und brutal gegen den Kopf, wie es in er Anklage hieß. Auch habe er keinesfalls Reizgas ins Gesicht des Antifa-Mannes gesprüht. Der habe ihn provoziert, beleidigt und versucht zu treten.

Das sahen Zeugen und natürlich Dimitri R. nun anders. R. schilderte, wie er überfallartig von den Rechten - und hier insbesondere von Denis U. - angegriffen worden sei. U. sei im Nachhinein gut wiederzuerkennen gewesen, weil er ein weißes Kapuzenshirt trug. Er habe das Reizgas gesprüht, meinte R. in seiner Aussage.

Ob er von dem Angeklagten getreten wurde, konnte er nicht sagen. Denn er lag nach dem Angriff in der Adalbertstraße in Höhe des Kaufhofs zusammengekauert und mit gebrochenem Handgelenk auf dem Boden. R. berichtete weiter, dass es wenige Minuten vorher bereits einen ersten Angriff mit Pfefferspray gegeben habe, viele unbeteiligte Passanten hätten danach tränende Augen gehabt.

Zivilpolizist als Augenzeuge

Zeugen der rechten Seite wie Rene L. (30) beteuerten demgegenüber, sie hätten nichts gesehen, vor allem nicht, dass U. Reizgas gesprüht oder getreten habe. Im Gegenteil: Die Linken hätten selbst gesprüht und es habe unter ihnen einen Mann gegeben, der vorhatte, mit einem Skateboard zuzuschlagen.

Allerdings Pech für die Rechten: Ein Zivilpolizist hatte alles beobachtet und nahm sofort mit Hilfe eines Ladendetektivs den Angeklagten Denis U. fest. Der Prozess geht am 26. Januar weiter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert