Aufstiegshelden Koen Freisteller

Neonazi-Schüsse auf das Autonome Zentrum?

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Montagabend, Stunden zuvor hat es am Protestcamp der Bildungsstreiker am Super C Ärger mit Neonazis gegeben (wir berichteten). Auch im „Autonomen Zentrum” (AZ) befürchtet man erneut Ärger mit Neonazis.

Kurz vor Mitternacht stehen Nazigegner auf dem Bürgersteig vor dem AZ. In dem ehemaligen Bunker findet eine Veranstaltung statt - dann fallen aus einem Auto heraus zwei Schüsse.

Ein AZ-Sprecher sagt, nach mehreren Angriffen durch Neonazis auf das AZ und Besucher sei das eine „neue Qualität” der Gewalt. Nach den Schüssen habe es nach Reizgas gerochen, zum Glück habe „keiner etwas abbekommen”, so der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden will.

Der rote VW-Golf, aus dem die Schüsse abgegeben wurden und in dem drei bis vier Neonazis gesessen haben sollen, sei zuvor schon provokativ an dem am Hauptbahnhof gelegenen AZ vorbeigefahren.

Der Fahrer soll ein bekannter Neonazi-Schläger sein, geschossen haben soll ein „Kamerad”. In einem anonym im Internet verbreiteten Text haben „AntifaschistInnen” die mutmaßlichen Täter mit Namen „geoutet”.

Nach „Nachrichten”-Recherchen handelt es sich dabei um Personen, die zuvor schon im Umfeld des Super C aufgefallen waren. Einige davon sollen auch in Höhe der Straße Marienbongard Passanten mit Stöcken und Latten beworfen haben.

Polizeisprecher Paul Kemen sagt, wegen der Vorfälle der letzten Tage habe seine Behörde ein „umfangreiches Ermittlungsverfahren” eingeleitet. Der im Internet verbreitete Text sei bekannt, daher ermittele man wegen der Schüsse von Montag und der Stahlkugelschüsse mit einer Zwille auf AZ-Besucher in der Nacht zu Fronleichnam.

Strafanzeigen hätten Betroffene nicht erstattet, auch Zeugen seien nicht bekannt. Das erschwere die Ermittlungen, so Kemen.

Der Sprecher des AZ sagt, mehrfach seien Menschen, die Anzeigen erstattet oder sich als Zeugen gemeldet hätten, später von Neonazis drangsaliert und bedroht worden. Möglicherweise seien sie durch Akteneinsicht über ihre Anwälte an persönliche Daten von Opfern und Zeugen gelangt. Die Bereitschaft, Aussagen zu machen, sei daher sehr gering.

Und so dürften auch die Vorfälle von Montag den Ermittlern weiter Rätsel aufgeben. Einer der Neonazis sagt, sie hätten am Super C nicht provoziert, sondern seien angegriffen worden.

Auch vor dem AZ sei ihr Auto attackiert worden, die Schüsse seien allenfalls als Selbstverteidigung anzusehen. Den AZ-Sprecher empört das: „Da ist niemand angegriffen worden, so ein Blödsinn!”
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