Aachen - Ne, wat‘n Elend: Der Strunx hat bald ein Ende

Ne, wat‘n Elend: Der Strunx hat bald ein Ende

Von: Wolfgang Schumacher
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Rudi Zins (links) und Manfred Hammers, das Moderatorenduo der Strunxsitzung, zogen gestern bereits ihre klassischen Zebrajacken für die Jecken über. „Wir bereuen nichts“, sagen sie und freuen sich auf ihren Auftritt morgen beim Strunx-Kartenvorverkauf. Foto: Harald Krömer

Aachen. Total ejal? Total ejal, wie die Akteure normalerweise in der jecken Hymne der alternativen Karnevalisten lauthals trompeten, ist den Strunx-Moderatoren Manfred Hammers und Rudi Zins einfach gar nix. Vor allem nicht, dass am Samstag ab 14 Uhr zum letzten Mal die begehrten Strunx-Karten für den siebenmaligen Frohsinn in der berüchtigten Kappertzhölle über den Tresen der Barockfabrik gehen werden. Zins und Hammers begleiten jenen letzten Akt wie gewohnt als Moderatorenduo.

21 Jahre ungebügelten bis ungezügelten Blödsinn haben die Öcher Strunxler jetzt auf dem Buckel. Und mit der 22. Session (1. bis 10. Februar im Saalbau Rothe Erde)ist, wie Ende Juni letzten Jahres bereits verkündet, unwiderruflich Schluss mit dem Frohsinn von unten. Schluss mit „vör os is nüs tabu, tabu, tatatabu“, wie es in der legendären Hymne heißt. „Ne, wat‘n Elend!“ würden die „fünf lustigen vier“ verzweifelt unter ihren roten Pappnasen ausstoßen.

Doch der „Herr Zins“ und der „Herr Hammers“, das verbale Herzstück der kultigen Jeckenshow, waren gestern noch guten Mutes bei der Preisverleihung für „faires Wurfmaterial“, für „faire“ Kamelle, die überaus gesund und trotzdem wurftüchtig sind. Vorher glätten die beiden sich in der Grundschule Am Höfling penibel ihre weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Zebrajacken, die sie nach dem 10. Februar an den Nagel hängen werden. „Es klingt abgedroschen. Aber wir haben gesagt, wir hören auf, wenn es am schönsten ist“, sagt Hammers mit einem milden Lächeln. Rudi Zins, der Ältere von beiden, sagt aber auch: „Ich hätte noch ein Jahr gekonnt.“ Schmunzelt dabei und fügt an: „Vor allem, wo ich jetzt in den Ruhestand gehe und endlich Zeit habe“.

Domburg bis Westkapelle

Doch die Strunxler, das war immer ein Projekt von vielen, von einer ganzen Generation von Spaßvögeln, Natur-Ironisten und antiautoritären Scherzbolden, von zumeist aus der grün-alternativen Szene stammenden Menschen, die zu Karneval traditionell eigentlich in angestammte Badeorte wie Vrouwenpolder, Domburg, Westkapelle (so hieß dann später die Sitzungsband), de Haan oder auch in die Bretagne flohen. Mit dem „Strunx“ war die Flucht zu Ende.

Seit 1991, lacht Hammers rückblickend, hätten er und Rudi Zins zu Weihnachten zu Hause gesessen und versucht „unter dem Tannenbaum lustig zu sein“. Schließlich mussten sie sich die ganzen legendären Wortgefechte ausdenken, die das Duo mit den Jahren berühmt gemacht haben.

Wie war das so beim ersten Mal, das man nie vergisst? Zuerst hatten sie noch gar keine Zebrajacken, sondern immer „ein anderes Fantasie-Outfit“, erinnert sich Hammers. Unvergessen ist beiden das „Bühnen-Opening“ bei der Premiere in der Kappertzhölle. Das war spannend, denn keiner wusste, ob die auf (nur) zwei Abende angesetzte alternative Jeckenparade etwas wird. Sie hätten sich (wie später immer) mit einem Händedruck begrüßt und dabei begonnen mit dem Dialog „Herr Hammers!“, „Herr Zins! Wo haben wir uns zuletzt gesehen?“ Die Anschlussfrage „war das San Remo oder die Mehrzweckhalle Oer-Erkenschwick“ sei schon so ein Brüller gewesen, dass das Eis im Saalbau Rothe Erde gebrochen war.

Die kuschelige Enge an den überfüllten schmalen Tischen dort und das Wir-Gefühl machte das Quäntchen Strunx aus, das dem etablierten Karneval abhanden gekommen war.

Klassisches Brauchtum

Und die Strunxler haben es geschafft, trotz effizienter Weiterentwicklung des kultigen Frohsinns auf den Kappertzbrettern nur wenig von der Ursprünglichkeit und dem Widerspruchsgeist der Gründerzeit zu verlieren. Das bekam zum Beispiel der WDR zu spüren, der nach Übertragungsversuchen Forderungen stellte, die die Akteure nicht wollten. Da blieb man wieder unter sich. Auch der Strunx ist als ein gemeinnütziger Verein eingetragen, der sich der Pflege des karnevalistischen Brauchtums verschrieben hat.

Bei der Gründung habe eine Beschäftigte des bekannt humorlosen Aachener Finanzamtes angerufen, erzählt Zins, und die Gemeinnützigkeit als Brauchtumsverein angezweifelt: „Sie sind doch Anti-Karnevalisten“, soll sie ins Feld geführt haben. Zins: „Im Gegenteil. Wir sind die wahren, nicht die Anti-Karnevalisten, haben wir ihr klar gemacht.“ Da war der Strunx gemeinnützig. Dieses Jahr gibt es wie seit längerer Zeit keinen Prinz, dafür einen überaus weiblichen Elferrat. Versprochen ist, dass es „keine Nostalgiesitzung“ wird. „Nur ein bisschen zurückblicken, vielleicht mit einem Tränchen“, sagen Hammers und Zins gemeinsam. Wehmut kommt auf.

Doch zunächst muss der morgige Samstag bewältigt werden. Ab 10 Uhr wird bei Musik und Videofilmen vor der Barockfabrik so manches Requisit der Strunx-Jecken traditionell von Krenne Aymans versteigert. Dann schlägt ab 14 Uhr wieder die Stunde für die Zebras: Die Karten für die letzte Session müssen unters Volk gebracht werden.

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