Aachen - Nazi-Schändung war erst nach knapp sieben Wochen beseitigt

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Nazi-Schändung war erst nach knapp sieben Wochen beseitigt

Von: gei
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Der jüdische Friedhof in Haaren: Im Juli hinterließen dort Unbekannte ihre Schmierereien. Es dauerte Wochen, bis die letzten Spuren beseitigt waren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Man könne den kleinen jüdischen Friedhof in Haaren vielleicht nicht direkt mit dem jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße vergleichen, sagt Hermann Levy. Aber gewünscht hätte er es sich doch, wenn man jetzt in Haaren ähnlich schnell gehandelt hätte, wie im August 2010 an der Lütticher Straße.

Nach nur wenigen Stunden waren dort damals widerliche Nazi-Schmierereien komplett entfernt und überstrichen. In Haaren hingegen hat Levy hingegen sage und schreibe sechs Wochen und sechs Tage warten müssen, bis die letzten Anzeichen einer Friedhofsschändung beseitigt waren. „Warum hat das so lange gedauert?“, fragt er. Und: „Warum hat keiner auf meine Schreiben reagiert?“

Am 23. Juli hat er auf einem Grabstein ein eingeritztes Hakenkreuz sowie mehrere Einschusslöcher an einem Schild entdeckt und sowohl der Stadt als auch der Jüdischen Gemeinde gemeldet. Doch eine erste telefonische Reaktion sei erst Wochen später erfolgt – nachdem auch die „Nachrichten“ über die Schändung berichtet haben. Schriftlich habe er von der Stadt nie eine Antwort erhalten.

Bis zur endgültigen Beseitigung der Schäden musste er weitere Wochen warten. „Für mich zeigt sich darin eine Gleichgültigkeit, die ich bedenklich finde“, sagt er und richtet den Vorwurf auch gegen Oberbürgermeister Marcel Philipp, der ihm ebenfalls nicht geantwortet habe.

Philipp sagt hingegen, dass er gar nicht direkt angesprochen worden sei und in einer Sammelmail nur ein Adressat unter vielen war. Dennoch habe er den Vorgang weitergeleitet. Dass die Beseitigung der Schäden so lange gedauert habe, bedaure er, das Engagement auf städtischer Seite sei dennoch zu loben, betont er. Die Beseitigung der Schäden sei wohl etwas komplizierter gewesen, glaubt Philipp. Vor allem aber würde die Stadt „niemals Veränderungen vornehmen auf einem jüdischen Friedhof“ ohne Absprache mit den jüdischen Instanzen.

Dies bestätigt Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei aus seiner Sicht „vorbildlich gelaufen“. Nach Rücksprache mit der jüdischen Gemeinde sei der geschändete Grabstein „mit viel Gefühl und Können“ wieder hergerichtet worden. Der Haarener Levy sei vielleicht etwas ungeduldig gewesen, meint Johnen.

Levy hingegen bleibt bei seiner Ansicht: Dass erst reagiert wurde, nachdem auch die Presse eingeschaltet worden ist, „empfinde ich als Brüskierung“.

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