Aachen - Napoleon war der erste „Printenmann”

Napoleon war der erste „Printenmann”

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Buchvorstellung mit Verkostung: von links Auto Bernhard Böhm, Buchhändler Walter Vennen, Autor Werner Setzen sowie Hans Jürgen Meyer und Irmgard Meyer-Purpar vom Verlag Meyer & Meyer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das wahre Wahrzeichen der Kaiserstadt, die Printe in vielgestaltiger Ausführung, kam - buchstäblich und schmackhaft - zu Ehren: durch den „Printenspezialisten” Werner Setzen. Seinen Senf dazu gab Bernhard Böhm, bekannt als „Moustardier von Aachen”.

Beide Herren sind Autoren beim Aachener Verlag Meyer & Meyer und stellten jetzt in der Buchhandlung Schmetz am Dom ihre Neuerscheinungen vor.

Doch nicht nur das geschriebene Wort stand im Vordergrund, auch die „mündliche” Verkostung und Verköstigung spielte eine Rolle. Geschichten und Geschichtliches tauchen in Werner Setzens „Aachener Printenbrevier” ebenso auf wie in Bernhard Böhms „Aachener Senfrezepte”.

Ursprünglich nur als Flyer gedacht, wuchsen sich Böhms Senfrezepte zu einem handlichen Bändchen aus - natürlich in senfgelb und angereichert mit historischen Anmerkungen und hübschen Geschichten. Die aparten Aachener Senfsorten „Printensenf” oder „Teufelssenf” gibt es tatsächlich.

„Aachener Pilgersenf”

Böhms Karolusmanufaktur kreiert, stets den großen Karl im Sinn, auch Kaiser Karls Estragonsenf und Kaiser Karls Honigsenf. Aber auch Kreationen wie „Oecher Mostert met Thymian” oder „Aachener Pilgersenf” stehen auf dem Programm.

Verlockend auch Werner Setzens „Aachener Printenbrevier”, das geradezu anbetungswürdige Geschichten um die Entstehung der süßen Leckerei enthält. So auch „Napoleon war an allem schuld”, ein Rückblick bis ins Jahr 1806, als der Franzosenkaiser mit der von ihm errichteten Kontinentalsperre England wirtschaftlich in die Knie zwingen wollte.

Der englische Rohrzucker, der „Printen-Grundstoff”, fiel daraufhin für die Aachener Printenbäcker aus. Zuckerrübe und Pottasche mussten her, damit der Teig süß und locker genug geriet. Diese „Lockerung” aber ließ die schönen filigranen Reliefdarstellungen der Form verschwinden. Die „Rache” der Printenbäcker war die Herstellung von Figuren, die Napoleon mit Zweispitz darstellte (der noch heute bei den typischen Printenmännern erkennbar ist).

„Botschafter der Kaiserstadt”

Nach der Franzosenzeit wurde die Produktionsart beibehalten, sicher auch aus wirtschaftlichen Gründen. Noch heute geht es, wie Heinz Klein, Aachener Printenbäcker weiß, um die Mischung von drei karamellisierten Zuckersorten mit Mehl und Gewürzen. „Botschafter der Kaiserstadt” nennt Werner Setzen die Aachener Spezialität, die bereits im 10. Jahrhundert regional bekannt war.

Und im 21. Jahrhundert - „nicht nur zur Weihnachtszeit - treten die herrliche duftenden Diplomaten ihre Reise in die ganze Welt an.” Aber auch den Aachenern schmecken sie immer noch. Mit Hilfe des Printenbreviers können sie sogar „in Heimarbeit” selbst gebacken werden.

„Aachener Printenbrevier” von Werner Setzen. 3. Auflage mit Fotos. Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 104 Seiten, 9,95 Euro. „Aachener Senfrezepte” von Bernhard Böhm. Meyer & Meyer Verlag. 63 Seiten, 5,95 Euro.
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