Aachen - Närrische Post ging wieder einmal in Burtscheid ab

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Närrische Post ging wieder einmal in Burtscheid ab

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Auch so kann ein geordneter Rückzug – durchaus gefällig – aussehen: Die Penn gab den Standort Markt auf und zog in geschlossener Formation ins Zelt auf dem Katschhof...
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... wo sie wenig später in den noch relativ leeren Veranstaltungsort auf dem Katschhof einziehen.

Aachen. Was war anders als sonst am Fettdonnerstag? Auf dem Markt stand als einzige „jecke“ Macht nur das Narrenschiff der Heerlener Jecke, die Blauwe Sjuut. Sonst tat sich gar nichts, auf dem Platz, auf dem jahrzehntelang Fastelovvend gefeiert wurde.

Einige junge Menschen, bereits angesäuselt, sahen sich etwas ratlos um. Wohin jetzt? Die meisten Kneipen, außer dem Goldenen Schwan und dem Extrablatt, waren geschlossen, andere zu teuer. Also wohin? „Ins Penn-Zelt“, macht einer den Vorschlag. „Da ist es bestimmt warm“, war sein Argument gegen den schneidenden Wind, der über den Markt pfiff. „Nee, da muss man bezahlen“, meint ein anderer. Dann verließ die Gruppe den Markt.

Fettdonnerstag auf und um den Öcher Markt: Die gesamte „Streitmacht“ der Oecher Penn traf sich mit Mann und Maus vor dem Rathaus, herzlich begrüßt vom Ehrenkommandanten des ältesten und größten Korps der Stadt, OB Marcel Philipp und vom Kommandanten der Stadtgarde. Mit klingendem Spiel marschierten die Gardisten mit der Besatzung der Blauwe Sjuut und der Abordnung der Benediktiner Jonge, die in diesem Jahr 4 x 11 Jahre werden, ins Zelt auf dem Katschhof.

Nur nicht entmutigen lassen

Auf dem Markt fiel der offizielle Fasteleer aus. Voriges Jahr hatten das schlechte Wetter und vor allem die strikten Sicherheitsbestimmungen mit vielen Kontrollen die Jecken abgeschreckt. Die Penn nahm zur Kenntnis: „Der Straßenkarneval zieht offensichtlich nicht mehr.“ Also verlegte die Traditionsgarde, die den Fastlovvend „mit Tradition in die Zukunft“ bringen will, den Fettdonnerstag ins offiziell 1500 Besucher fassende Großzelt.

Am Donnerstag bei der Eröffnung, nach 11 Uhr, verlor sich das Publikum fast unter dem riesigen Stoffdach. Der OB rief den Narren zu: „Lasst euch nicht entmutigen. Wenn sich im nächsten Jahr herumgesprochen hat, wie toll es hier ist, ist das am Fettdonnerstag pickepackevoll.“ Und dessen waren sich Donnerstagmittag auch die meisten Penn-Soldaten sicher.

Penn-Kommandant Jürgen Brammertz zeigte sich hin und her gerissen: „Wir müssen den veränderten Wünschen der Narren schon Rechnung tragen, deshalb haben wir einiges verändert.“ Und er schien recht zu behalten: Nach und nach füllte sich das Zelt der Oecher Penn. Keine „lokalen Stars“ waren mehr engagiert worden, dafür die Band „Wallstreet“ aus Luxemburg, „die haben extra ein paar Karnevalslieder einstudiert“, erklärte Penn-Pressesprecher Oliver Klöcker. Auch DJ Loegi präsentierte Fastelelovvendsmusik.

Am Abend platzte dann das Zelt schier aus allen Nähten: „Night in Paris“ spielte auf. Selbstverständlich bot auch die Stadtgarde eigene Kräfte auf: das „Penn-Invaliden-Korps“ und das Marketenderpaar Nadine Staerk und Frank Radermacher. Die beiden tanzen völlig außer Konkurrenz und sind nicht mehr zu überbieten.

Gedränge in Burtscheid

War das Penn-Zelt auf dem Katschhof zu Beginn nur leidlich besucht, konnte man in Burtscheid den Ansturm kaum bewältigen. „Es ist schon lange her, dass hier so viel los war“, sagten erfahrene Jecken im Gedränge. Und tatsächlich: Nachdem in den letzten Jahren die Besucherzahlen abgenommen haben, sind sie jetzt wieder sprunghaft nach oben gegangen. „Das sind Exilanten vom Markt“, war zu hören. Mit lauter Präsentiermusik marschierten die Oecher Spritzemänner pünktlich um 11.11 Uhr ein. Die vielen Narren hießen die Männer mit tobendem Applaus willkommen.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr konnten sich die Feiernden anfangs über Sonnenschein und warme Temperaturen freuen. Das gute Wetter lockte Erwachsene und Kinder an, auch jede Menge junge Leute und Senioren kamen. Auf den Bänken wurde getanzt, gesungen und gebützt. Neben klassischen Kostümen, etwa Bären, Polizisten oder Clowns, waren auch knatschbunte experimentierfreudigere Kreationen zu bestaunen.

Der Burtscheider Straßenkarneval liegt den Spritzemännern am Herzen: „Wir freuen uns schon seit einem Jahr auf diesen Tag“, rief Präsident Andre Lander in die Menge und erntete dafür eine Menge Jubel. Seit mehr als 20 Jahren feiern die wackeren Spritzemänner Straßenkarneval in Burtscheid. Gemeinsam mit den schunkelnden Karnevalisten sangen sie ihre Vereinshymne „Aachener Spritzemänner, freundliche Menschenkenner...“

Musikalisch ging es weiter, als die Europaabgeordnete, das singende Börjerwehr-Waschweib Sabine Verheyen, zusammen mit den Narren ihre Lieder schmetterte, zum Beispiel Millowitschs „Wir kommen alle, alle in den Himmel.“

Um die Stimmung weiter anzuheizen, setzten die Spritzemänner auf Niklas Meessen. Der Junge wippt und springt wie der Teufel und singt gut. Spätestens bei den Öcher Originalen Josef, Jupp und Jüppchen lag sich die Menge in den Armen und konnte sich vor Lachen kaum noch halten. Mit großem Gefolge und pompösem Ornat betraten Prinz Bernd I. und Märchenprinz Paul II. (Wilhelmi) die Bühne und riefen zum dreifachem „Alaaf!“ auf. Robert Flachskampf erhielt feierlich den „Orden der närrischen Fußgängerzone Burtscheid“.

Es war eine friedliche Veranstaltung. Das bestätigt das Ordnungsamt: „Vandalismus ist hier kein Thema.“ Dass die Feier auf eine größere Resonanz stieß als in den letzten Jahren, fiel auch den Karnevalisten auf „Es ist sehr viel voller als sonst!“, schwärmte eine Närrin im Froschkostüm.

Nicht nur für Unterhaltung war gesorgt, es wurde auch für den guten Zweck gesammelt. Die Bäckerei Kickartz spendierte 500 Puffele, die an die Karnevalisten verkauft wurden. Der Erlös wird an den Verein für körper- und mehrfachbehinderte Kinder gespendet.

Eisige Windböen

Nach Forst, zum Freizeitgelände des Festsaals Kommer, hatte die 1. Große Forster KG Närrische 11 eingeladen. Es ging sehr familiär zu – will heißen, viele ließen sich offenbar von der Kälte und scharfen Windböen abhalten, mitzufeiern. Dennoch war die Stimmung ausgesprochen gut.

In Brand kam die rechte Freude erst gegen Mittag auf, als der Bürgerprinz Walter II. mit seinem Gefolge aufkreuzte. Moderiert wurde die Veranstaltung am Brander Bahnhof von den jecken Größen Walter Crombach und Josef Hunds. Gute Stimmung hatten schon vorab die Öcher Stadtmusikanten verbreitet.

Sogar bei der Tropigarde, die traditionell auf dem Münsterplatz feiert und immer ein volles Haus hat, blieb diesmal ein Teil des Publikums weg. Der Münsterplatz erwies sich als ungastlich. Ein eisiger Wind ließ die Jecken zusammenrücken, die Narren zitterten sich warm. Dass die Tropis dennoch gute Miene zum bösen Wetter machten, ist ganz klar. Dafür kommt das eigenproduzierte perfekte Programm bei den Zuschauern zu gut an. Bei den Tropis, die von Generalin Sarah Siemons umsichtig und charmant geführt werden, ist der erdverbundene Karneval noch dem programmatischen Handbuch des Gründungsjahrs 1970, also vor 4 x 11 Jahren, verpflichtet. Viele der Aachener Jecken-Stars kommen aus den Reihen der Tropis. Darunter Josef, Jupp und Jüppchen und die 4 Amigos.

Auch die Justiz schunkelte

Die Justiz feierte erneut unter dem Motto „Justitia janz jeck“ und wurde von Zeremonienmeister Holger Brantin bewährt durch die Stunden des Frohsinns geführt. Zum närrischen Auftakt ließen die bunt verkleideten Paragraphenreiter Paragraphen Paragraphen sein und feierten mit zweistündiger Verspätung ab 13.11 Uhr im Atrium des Justizzentrums. Dort fand sich am Nachmittag auch der Öcher Prinz Bernd I. mit seinem Gefolge ein. Die Richtericher Koe Jonge konterten mit ihrem Patrick I.: „Wir sind alle kleine Sünderlein“ – das hörte sich aus dem Mund der Anwälte, Richter, Staatsanwälte und Rechtspfleger recht lustig an. Als „Neue“ stürzte sich die seit Januar im Amt befindliche Präsidentin des Verwaltungsgerichts, Claudia Beusch, ins Gewusel der Kollegen. Sie kam als klassischer Clown.

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