Aachen - „Nadelfabrik” lässt das Fass überlaufen

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„Nadelfabrik” lässt das Fass überlaufen

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Noch nicht in trockenen Tüchern: Ob das Haus der Integration und Identität jemals „Nadelfabrik” heißen wird, ist fraglich - die Politik wirft der Verwaltung eine falsche Herangehensweise vor. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein schöner Wettbewerb, eine schöne Jury, ein schönes Ergebnis - so dachte jedenfalls die Verwaltung, als sie dieser Tage an die Öffentlichkeit ging und verkündete, wie das Elf-Millionen-Euro-Projekt am Reichsweg demnächst heißen solle: „Nadelfabrik”.

Doch für diesen Einsatz bei der Namensfindung gab es von der Politik weder Lob noch Dank, sondern schwer was aufs Dach: In der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch lehnten es die Volksvertreter mehr oder weniger beleidigt ab, sich mit dem Fall überhaupt zu beschäftigen.

Insbesondere Schwarz-Grün zeigte sich verschnupft, wobei mittlerweile feststeht: Das Ding mit der Nadelfabrik ist wahlweise die Spitze eines Eisbergs oder der Tropfen, der das berühmte Fass überlaufen lässt.

„Nicht auf die Reihe”

Richtig ist wohl, dass große Teile der Politik sehr unzufrieden sind mit der Art und Weise, wie ihnen die Verwaltung zuarbeitet - unschöne Eigenmächtigkeiten (vor allem der Eigenbetriebe, die aber aus anderen Gründen so heißen) werden ebenso bemängelt wie dicke Pannen bei der Zustellung wichtiger Unterlagen oder Versäumnisse bei der Informationsgebung.

Michael Rau, Fraktionssprecher der Grünen, platzte mitten in der Ratssitzung der Kragen, er nahm sich vor versammelter Mannschaft ganze Teile der Verwaltung zur Brust. Tenor: Sie kriegen es nicht mehr auf die Reihe.

Konkret ging es um die neue Friedhofssatzung, die den Ratsleuten nicht vorlag, obwohl sie drüber abstimmen sollten, aber sowas scheint jetzt häufiger zu passieren. Rau bot sich an, „zehn Beispiele” zu nennen, die den nachlassenden Zug in der Verwaltung illustrieren könnten, es blieb jedoch bei der Ankündigung.

Es ist jedoch offenes Geheimnis, dass sich auch der große Koalitionspartner CDU schon einige Male kräftig geärgert hat über jüngste Leistungen der Verwaltung. So muss der Kulturausschuss demnächst zu einer zusätzlichen Sondersitzung antreten, weil beim letzten Mal die Zahlen zum Wirtschaftsplan des Kulturbetriebs nicht rechtzeitig auf dem Tisch lagen.

Und es kam auch nicht gut an, dass der Politik in der diffizilen Auseinandersetzung mit den Kleingärtnern im Wurmtal zweimal hintereinander unvollständiges oder überholtes Material geliefert wurde; erst im dritten Anlauf soll es geklappt haben.

Und jetzt noch die Sache mit der Nadelfabrik: Unter Federführung des Co-Dezernats Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten waren die Aachener aufgefordert worden, sich einen zugkräftigen Namen für das geplante Haus der Integration und Identität (HII) auszudenken. 300 Vorschläge kamen zusammen, eine hochkarätig besetzte Jury tagte, ausgewählt wurde die Bezeichnung „Nadelfabrik”. Und die Politik wurde erst damit befasst, als alles gelaufen war.

CDU-Fraktionschef Harald Baal: „Das Verfahren hat uns nicht gefallen. Vor allem ist die Chance vertan worden, sehr viel mehr Bürger zu beteiligen. Man hätte ein paar Vorschläge ins Internet stellen und über sie abstimmen lassen können. Und man hätte richtig PR machen können mit Verlosungen und so weiter.” Möglicherweise sei der Name „Nadelfabrik” auch nicht der große Bringer, etwas mehr Bezug zum Thema Integration sei vielleicht nicht verkehrt.

„Nacht-und-Nebel-Aktion”

Bei der Opposition ist man nicht ganz so auf der Palme; vor allem bei der SPD herrscht die Ansicht, es gebe wohl andere Probleme als sich wegen eines solchen Vorgangs zu zoffen. Auch FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg sagt, man solle die Angelegenheit nicht so hoch hängen, doch handele es sich schon um eine „Nacht-und-Nebel-Aktion” der Verwaltung.

Ob und wie der Name „Nadelfabrik” nun installiert werden soll, weiß zurzeit kein Mensch. Die Politik scheint keine große Lust zu haben, die Bezeichnung doch noch offiziell abzusegnen. Baal: „Wenn die Verwaltung so ein Schild über den Eingang hängt, wird es keiner runterreißen.”
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