Nadelfabrik: Besucherstrom war endlos

Von: Martina Stöhr
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Für jeden etwas: Im attraktiven Innenhof der ehemaligen Nadelfabrik war auch eine Hüpfburg für die jüngsten Besucher aufgestellt. Das Interesse der Besucher war sehr groß. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ölig, speckig, angeranzt: So präsentierte sich laut Architekt Peter Hinschläger die Nadelfabrik, als die Stadt Aachen das Gebäude 2008 übernahm. Heute ist es ein hochmoderner Bau, der neben dem Stadtarchiv und verschiedenen kleinen Firmen unter anderem die Werkstatt der Kulturen, Eurotürk, TÜV Nord Bildung, ein Boxstudio und ein Sozialraumteam des Jugendamts beherbergt.

Zahlreiche Besucher hatten jetzt beim Tag der Offenen Tür Gelegenheit, durch die Räume der 11.000 Quadratmeter großen Gebäude zu wandern. Die wurden für insgesamt 12,5 Millionen Euro umgebaut, um einem Kultur- und Begegnungszentrum Raum zu geben. In der „ehemals schmuddeligsten Ecke“ der alten Fabrik entstanden das BoxGym und die Sportstätten.

Damit öffnet sich die Nadelfabrik den Jugendlichen im Viertel. Und das findet Heinrich Emonts, Leiter des Fachbereichs Soziales und Integration, sehr schön. Er empfindet die Nadelfabrik als Geschenk. „Soziale Integration funktioniert nur, wenn man Menschen mit gleichen Interessen zusammenbringt“, sagt er. Und die Nadelfabrik sei der ideale Ort, um Integration zu leben. Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Kochkursen fänden sich viele Menschen zusammen.

Ein Geschenk

Wichtig findet Emonts, vor allem Frauen mit Migrationshintergrund mit speziellen Angeboten aus ihren Wohnungen zu locken. In der aufwendig neu gestalteten Nadelfabrik sieht er auch eine große Chance, das Integrationskonzept zu hinterfragen. „Wir müssen alle Menschen in den Blick nehmen“, meint Emonts. „Und wir müssen vor allem auch auf die Potenziale der Zuwanderer gucken und nicht nur auf ihre Schwächen und Defizite.“ Die Potenziale zu wecken und zu fördern, sei eine wichtige Aufgabe der Integrationsarbeit.

Im Boxstudio des PTSV Aachen bekommt jeder eine Chance. „Wir sind glücklich, eine so tolle Halle zu haben“, sagt Josef Gottfried, Abteilungsleiter beim PTSV. In seiner Halle trainieren auch immer mehr Mädchen. Die Besucher beim Tag der Offenen Tür hatten Gelegenheit, zuzuschauen. „Boxen ist in“, meint Gottfried und kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen.

Der Zugang zum BoxGym liegt gegenüber dem Kennedypark. Nach dem Um- und Ausbau der Nadelfabrik gibt es heute eine Verbindungsachse vom Reichsweg durch das Gebäude bis in den Kennedypark. Damit wird auch die Bühne im Kennedypark fast zu einem Teil der Nadelfabrik und bietet die Möglichkeit, das Angebot zu erweitern.

Ein nicht enden wollender Strom von Besuchern schlängelte sich am Tag der Offenen Tür durch die Räumlichkeiten und nutzte das vielfältige Angebot. Der Veranstaltungssaal im Eingangsbereich war voll besetzt, als das Das Da Theater „Gretchen 89ff“ aufführte und die Kinder begeistert der Geschichte vom gefährlichen Grüffelo folgten.

Zuvor hatte der Architekt Jost Gellinek dort die Umgestaltung der Nadelfabrik mit zahlreichen Fotos von Peter Hinschläger dokumentiert. Besonders schwierig sei es gewesen, den besonderen Anforderungen des Stadtarchivs gerecht zu werden. Denn dort, wo wichtige Dokumente gelagert werden, sind beispielsweise große Fenster nicht gefragt. Bei einer Führung durch das Stadtarchiv konnten sich die Besucher mit den Besonderheiten vertraut machen.

Ein lebendiger Ort

Überall in der Nadelfabrik boten die Vereine und Firmen besondere Aktionen. Die deutsch-türkische Gesellschaft Eurotürk lud zur türkisch-mediterranen Küche in die Cafeteria ein, die Werkstatt der Kulturen bot einen Deutschkurs und der Stadtsportbund lockte mit Vorführungen und Mitmachaktionen in den Sporthallen.

Das Interesse der Zuschauer war jedenfalls groß. Das wird Heinrich Emonts gefreut haben. Denn die Nadelfabrik als lebendiger Ort der Begegnung, das ist sein großer Traum.

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