Aachen - Nach der verkorksten Integrationsratswahl: Ein Appell

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Nach der verkorksten Integrationsratswahl: Ein Appell

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Einfach zur Tagesordnung übergehen angesichts eines solchen Desinteresses? Das kommt für Markus Reissen nicht in Frage. Eine kaum noch ernstzunehmende Wahlbeteiligung von nur 3,4 Prozent bei der jüngsten Wahl des Integrationsrates ist für ihn ein eindeutiges Zeichen, dass etwas gründlich schief gelaufen ist.

„Geärgert” habe er sich, sagt der Islamwissenschaftler und Völkerkundler, der sich von Berufs wegen mit dem Thema Integration befasst und als „interkultureller Berater” auch für die Stadt tätig ist.

Geärgert vor allem über die beiden Listen „Aachen Türk Toplumu” und „Aachener Demokratische Zusammenarbeit” um Safi Özbay und Georg Georgiadis. Beide hatten den Boykott der Wiederholungswahl angekündigt und damit zur desaströsen Wahlbeteiligung beigetragen. „Ziemlich kontraproduktiv” fand Reissen das. „Sie hauen einfach drauf”, kritisiert er. Dabei wäre es doch so wichtig, „Türen zu öffnen” und „ins Gespräch zu kommen”.

Dass sich Özbay und Georgiadis von der Aachener Verwaltung und den Ratspolitikern nicht ernstgenommen fühlen, kann Reissen nicht nachvollziehen. Denn seiner Meinung nach wird das Thema Integration in Aachen sehr ernstgenommen - schon aus eigenem Interesse, weil es keine Alternative gibt: Ghettos und verfestigte Parallelwelten bergen schließlich viel Konfliktpotenzial und sozialen Sprengstoff.

Umso wichtiger sei es, all jene Menschen, die zwar nicht in Deutschland geboren wurden, nun aber in Aachen leben, einzubinden und mitgestalten zu lassen. „Diese Leute sind ja nicht nur vorübergehend bei uns, sie sind hier beheimatet.” Ihnen das Kommunalwahlrecht zuzugestehen, sei ein gutes Ziel, sagt Reissen. Vorerst aber ist der Integrationsrat ein wichtiger erster Schritt. „Das sollte man nicht kaputtmachen, sondern ausbauen.”

Dass es zu dem Konflikt zwischen den beiden Listen auf der einen Seite und Verwaltung und Politik auf der anderen Seite gekommen ist, führt Reissen auf ein „klassisches interkulturelles Missverständnis” zurück. Die eine Seite habe die Einbeziehung bei der Terminfindung für die Neuwahl erwartet, die andere habe stur nach Recht und Gesetz gehandelt. Das war sozusagen die kalte und abweisende Seite Deutschlands, die gerade Südländer häufig irritiere. Und: „Migranten nehmen uns häufig nicht ab, dass wir sie wirklich beteiligen wollen”.
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