Aachen - Nach dem Jahrhundertregen: Viele bleiben auf ihrem Schaden sitzen

Nach dem Jahrhundertregen: Viele bleiben auf ihrem Schaden sitzen

Von: Heiner Hautermans
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Ein Starkregenereignis wie kei
Ein Starkregenereignis wie kein anderes zuvor. Nachdem in der letzten Woche in 12 Stunden knapp 70 Liter Wasser niedergegegangen waren, sah es in vielen Kellern so aus wie in diesem. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es gibt Ecken in Aachen, da weiß man als Hausbesitzer oder Geschäftsmann, dass Untergeschosse geflutet werden können, wenn größere Mengen Wasser niedergehen. Beim Jahrhundertregen am vergangenen Donnerstagabend waren aber auch Bereich betroffen, die normalerweise mit derartigen Molesten nicht viel zu tun haben, etwa Villen am relativ steil ansteigenden Preusweg.

Sie machen derzeit, wie viele andere Hausbesitzer auch, eine bittere Erfahrung. Sie haben zwar eine Versicherung gegen Überschwemmung, erhalten aber wahrscheinlich dennoch kein Geld, weil ein funktionierendes Rückschlag-Ventil fehlt. Viele Eigentümer drohen daher auf Schäden in vier- oder fünfstelliger Höhe sitzenzubleiben, bei Geschäftsleuten kann es sogar um sechsstellige Summen gehen.

Noch höher könnte der Schaden liegen, der durch das verheerende Unwetter in der Integrativen Kindertagesstätte an der Talbotstraße ausgelöst worden ist. Maria Poquett, Vorsitzende des Trägervereins, zog nach dem Besuch von ersten Sachverständigen eine erste Bilanz: „Es wird von den Erkenntnissen immer schlimmer.” Die komplette Inneneinrichtung muss, wie befürchtet, erneuert werden, außerdem das vorhandenen Gebäude für Monate geräumt werden: „Wir müssen für ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr umziehen.”

Da viele Eltern kein Auto besitzen, sucht man ein Ausweichquartier in der Nähe und ist deshalb im Gespräch mit den umliegenden Firmen. Eine Notgruppe mit 25 Kindern ist im Martin-Luther-Haus untergekommen, allerdings nur für zwei Wochen. Es zeichnet sich auch schon ab, dass nicht alle Kosten durch die Versicherung gedeckt werden. Poquett: „Das ist eine Katastrophe. In zwei Wochen müssen wir wieder 45 Plätze haben.” Sie bittet deshalb um Unterstützung (Konto 13001011 bei der Sparkasse Aachen, Stichwort Hochwasser Kita, BLZ 390 500 00).

Schlimm erwischt hat es auch Geschäftsinhaber in der Adalbertstraße, vornehmlich in Höhe Willy-Brandt-Platz. Im Modegeschäft Mango etwa sind 1300 T-Shirts, Hosen und Schuhe unbrauchbar geworden, allein das ein Schaden von 60.000 Euro. Mit ungeheurer Wucht sei das Wasser vom benachbarten Schuhgeschäft durch die Wand und ein kleines Wasserbecken im hinteren Bereich gedrückt worden und dann in das Lager geschossen, berichtet Rolf Bauer, der Vater der Franchisenehmerin.

Den Freitag hatte „Mango” - wie eine Reihe der Nachbarn - komplett geschlossen, auch momentan leide man noch unter Beeinträchtigungen. „Das Schlimmste ist der Geruch.” Der Geschäftsmann hatte auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen, musste jedoch erfahren, dass die nur im Brandfall eintritt. Nun hat er die Versicherung ergänzt, doch: „Den Imageschaden zahlt uns keiner.”

Bei Peter Hissel, dem stellvertretenden Obermeister der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Innung sind viele Anrufe nach den Überschwemmungen eingegangen. Er ist auch als vereidigter Gutachter für Versicherungen tätig und hat oft die Feststellung gemacht, dass so mancher Hausbesitzer zwar das Untergeschoss zum Partyraum, Arbeitszimmer oder zur Sauna ausgebaut hat, für die nötigen Rückstausicherungen aber nicht gesorgt hat.

Ausschlusskriterium

Es reiche auch nicht, die entsprechenden Ventile im Kanal einzubauen und sich dann 30 Jahre lang nicht darum zu kümmern. Die Klappen, die regelmäßig gewartet werden müssten, könnten dann einrosten und nicht mehr funktionieren.: „Für die Versicherungen ein Ausschlusskriterium.”

Die Aachen-Münchener schätzt den Schaden, der in der Region Aachen entstanden und ihr in rund 200 Einzelfällen gemeldet worden ist, auf rund eine halbe Million Euro. Beim Mieterschutzverein sind ebenfalls viele Anfragen eingegangen, wer die Schäden zu bezahlen hat. Grundsätzlich die Hausratversicherung der Mieter, antwortet Geschäftsführer Hans Knops. Es sei denn, dem Hausbesitzer sei ein Verschulden nachzuweisen, etwa dass ihm ein defektes Rücksperrventil bekannt war.

Nasser Müll: Die Stadt hilft nicht bei der Entsorgung

Der Anrufer bei der Stadt Aachen wurde relativ unwirsch abgefertigt, sein Anliegen wurde außerdem abschlägig beschieden. Er hatte angefragt, ob er den durchnässten Papierkram aus dem Keller, etwa Bücher und Unterlagen, sowie die unbrauchbare Weihnachtsdekoration oder Osterschmuck beim Stadtbetrieb entsorgen könne.

„Wir können aufgrund der Satzung leider nicht anders agieren”, erklärt das Rita Klösges vom Presseamt, die sich zunächst für den Kollegen entschuldigen wollte. Da es sich um ein „Ereignis höherer Gewalt” handele, müsse jedoch jeder selber das Gerümpel entfernen, entweder über die Restmülltonne oder zusätzliche 120-Liter-Säcke, die aber vier Euro das Stück kosten.

„Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht”, bedauert Klösges. Falls das geändert werden sollte, müsste dies auf politischer Ebene beschlossen werden.

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